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FAZ.NET-Countdown : Atemlos in Richtung Machterhalt

Auch für Hunde war es ein hartes Wahljahr. Bild: Jens Gyarmaty

Die letzte Hochrechnung ist gelaufen und das letzte Tortendiagramm geschlossen: Das Superwahljahr neigt sich dem Ende – trotzdem bleibt kaum zum Durchschnaufen. Denn die Zukunft ist nicht nur für Horst Seehofer ungewiss.

          Sind Sie auch so erschöpft? Wachen Sie manchmal nachts auf, rennen zum Fernseher und warten darauf, dass Ihnen ARD-Moderator Jörg Schönenborn vor in die Höhe sausenden Balken die neueste Hochrechnung irgendeiner Wahl präsentiert? Wenn ja, dann leiden Sie womöglich unter „Superwahljahrtrose“. Neuneinhalb Monate ist das Jahr 2017 nun alt und wahltechnisch haben wir in dieser Zeit so viel geboten bekommen wie selten zuvor: Angefangen bei der Wahl von Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten im Februar, über die Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen sowie am vergangenen Sonntag in Niedersachsen bis zur denkwürdigen Bundestagswahl vor fast einem Monat. Dazu noch die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Sommer in Frankreich und – nicht zu vergessen! – die Nationalratswahlen in Österreich vor zwei Tagen. Was für ein Superwahljahr!

          Okay, diese neun Urnengänge haben die Welt lange nicht so erschüttert wie der Einzug von Donald Trump ins Weiße Haus oder der Wunsch der – zumindest damals noch – Mehrheit der Briten, die Europäische Union zu verlassen. Dennoch: Den politischen Alltag in Deutschland und Europa werden die neuen Staatschefs, Kanzler und Ministerpräsidenten auf Dauer maßgeblich beeinflussen. Wie weit rückt Österreich wirklich nach rechts? Was wird aus den Europa-Plänen von Emmanuel Macron? Schafft es Angela Merkel CDU, CSU, FDP und Grüne nicht nur an einen Tisch sondern auch in die erste bundesweite Jamaika-Koalition zu bekommen? Und ist Horst Seehofer zum Jahreswechsel überhaupt noch Parteichef der CSU?

          Dass die Bundeskanzlerin von einer künftigen Unions-Koalition mit Liberalen und Grünen jedenfalls deutlich mehr profitieren würde als der bayerische Ministerpräsident, analysiert F.A.Z.-Herausgeber Berthold Kohler in seiner Leitglosse zur mutmaßlich künftigen Berliner Regierung. Eine deutliche Warnung erhält Angela Merkel indes von FDP-Chef Christian Lindner. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mahnt der Vorsitzende der Liberalen die Kanzlerin vor verfrühten Zugeständnissen an die Europäische Union – und vor einem CDU-Finanzminister.

          Äußerst spannend ist darüber hinaus, warum die Menschen in Niedersachsen und Österreich genauso wählten, wie sie wählten. Meine Kolleginnen Anna-Lena Ripperger und Laura Meschede sezieren in ihren jeweiligen Wahlanalysen („Ein klarer Sieger ohne klare Optionen“ und „Deswegen rückt Österreich nach rechts“) die Beweggründe der Wählerinnen und Wähler und kommen dabei – Stichworte: Selbstbewusstsein und Gerechtigkeit – zu äußerst interessanten Ergebnissen.

          Was sonst noch wichtig wird

          Während Angela Merkel bereits am Montag angekündigt hat, dass sie trotz der Niederlage der CDU in Niedersachsen keinen Grund sieht, sich inhaltlich zu hinterfragen, trifft sich heute Vormittag in Berlin die neue SPD-Fraktion, um über die Strategie in ihrer wahrscheinlich neuen Rolle als Oppositionspartei zu diskutieren. Nach dem sehr guten Wahlergebnis in Niedersachsen dürfte die Stimmung zumindest recht gelöst sein.

          Außenpolitisch lohnt sich am Dienstag zudem ein Blick sowohl gen Westen als auch in Richtung Osten. In Peking laufen derzeit die Vorbereitungen auf den nur alle fünf Jahre stattfindenden Kongress der Kommunistischen Partei, der am Mittwoch startet. Bereits jetzt wird aber schon wild darüber spekuliert, ob Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping durch eine Änderung der Statuten künftig mit noch mehr Macht ausgestattet wird und sich nach der Bestätigung für eine zweite schon für eine dritte Amtszeit in Stellung bringt. Mehr Macht würde sicherlich auch Donald Trump gefallen. Doch bevor sich der umstrittene amerikanische Präsident mit seiner Machtfülle beschäftigen kann, trifft er heute in Washington noch auf den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras.

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          Und: Eine Chance zur Wiedergutmachung bekommen derweil die deutschen Fußballklubs, die ab heute wieder in der Champions und Europa League gegen den Ball treten. Ihre letzten internationalen Auftritte hatten die Vereine aus München, Dortmund, Leipzig, Berlin, Hoffenheim und Köln vor zwei Wochen gründlich versemmelt. In sechs Spielen hagelte es sechs Niederlagen – was eine veritable Diskussion über die Qualität der Bundesliga sowie eines der sensationellsten Comebacks der deutschen Trainergeschichte nach sich zog. Wie sich die Teams in dieser Woche schlagen, können Sie ab heute Abend live bei uns auf FAZ.NET verfolgen.

          Was man gelesen haben sollte

          Egal, ob Sie diesen Beitrag hier gerade an Ihrem PC oder auf dem Tablet oder Smartphone lesen – interessieren dürfte Sie in jedem Fall der Artikel meines Kollegen Michael Spehr. Vielleicht waren Sie ja selbst schon einmal von Computerviren, Datendiebstahl oder Online-Betrug betroffen. Die Kriminalität im Netz wird jedenfalls immer alltäglicher und betrifft so gut wie jeden. Spehr stellt daher einige Grundregeln auf, wie Sie sich und Ihre Geräte am besten schützen können.

          Und, was Ihre „Superwahljahrtrose“ angeht: Besserung ist in Sicht! Bevor 2018 in Hessen und Bayern gewählt wird, sind in diesem Jahr unter anderem nur noch Ergebnisse aus Slowenien, Island und Chile zu erwarten. Da hat selbst Jörg Schönenborn kein Balkendiagramm zu bieten.

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