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SPD und die K-Frage : Die Antwort muss eindeutig sein

Bislang galt Sigmar Gabriel als einzige Möglichkeit zur Kanzlerkandidatur der SPD. Jetzt kommen auch andere Namen in Frage. Bild: dpa

Am Sonntag gab Merkel nach langer Bedenkzeit ihre Kanzlerkandidatur bekannt. Die SPD tut sich hingegen schwer, einen Kandidaten zu stellen.

          Vor zwei Jahren hätte die SPD im Traum nicht gedacht, dass Angela Merkel es so spannend machen würde. Das war die Zeit, als SPD-Politiker ihrer eigenen Partei den Ratschlag gaben, erst gar nicht einen eigenen Kanzlerkandidaten aufzustellen. Der habe so oder so keine Chance gegen Merkel. Und jetzt? Merkel tritt noch einmal an, und die Lage hat sich nicht grundlegend verändert. Aber relativiert.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Das merkt man unter anderem daran, dass es in der SPD wichtige Politiker gibt, die Sigmar Gabriels Kanzlerkandidatur verhindern wollen. Bis vor einem Jahr war er nahezu unangefochten, weil die SPD froh sein konnte, dass sich jemand „opfern“ würde. Jetzt rechnen sich einige an der Parteispitze aus, dass jemand anderes als Gabriel besser geeignet wäre, die Chance zu nutzen, die sich gegen eine nicht mehr ganz so souveräne Merkel biete.

          Wer könnte sich Merkel entgegenstellen?

          Aber wer sollte das sein? Andrea Nahles und Olaf Scholz waren schon vor Monaten im Gespräch und stünden bereit, wenn sie jemand riefe. Stattdessen ist nun Martin Schulz ins Spiel gebracht worden. Das verstehe, wer will. Außenminister zu werden und gleich noch Kanzlerkandidat, ohne je innenpolitisches Parkett betreten zu haben, das ist ein tollkühner Gedanke.

          Aber wer weiß, ob Schulz dahintersteckt. Schulz kokettiert zwar mit dem Gedanken, aber hier versucht ganz offenbar jemand in der SPD, Gabriel zu stürzen, ohne sich über die Aussichten von Schulz den Kopf zu zerbrechen. Denn Schulz erginge es wie Steinmeier und Steinbrück – vor der Kandidatur galten sie als Idealbesetzung, danach als Fehlgriff.

          Mit Gabriel könnte es umgekehrt laufen. Er ist der beste Wahlkämpfer seiner Partei und könnte Bündnisse schmieden, die anderen zu riskant sind. Der Dompteur – und muss es nicht sogar heißen: der Retter? – der SPD hat 2013 vielleicht auf das falsche Amt gesetzt. Der Energie- und Wirtschaftsminister hat ihm nicht viel Glück gebracht.

          Andererseits: Hätte er 2013 den Fraktionsvorsitz gewählt, wären die Beliebtheitswerte nicht viel besser geworden, und auch das Ziel Gabriels, die Verlässlichkeit und Regierungsfähigkeit der SPD unter Beweis zu stellen, erforderte den Platz im Kabinett. Das jetzt noch einmal zu ändern wäre falsch. Viel wichtiger wäre es für die SPD, die Machtfrage zu klären. Dafür den richtigen Zeitpunkt zu finden ist für Gabriel aber viel schwieriger als für Merkel.

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