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AfD : Unheimlich bürgerlich

Jörg Meuthen, Alexander Gauland, Andreas Kalbitz im Saal der Bundespressekonferenz am Tag nach den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen Bild: EPA

Weder die ehemaligen Verächter des Bürgertums noch die AfD sind bisher zu dem in der Lage, was die Bundesrepublik immer wieder ausgezeichnet hat: Bereitschaft zur Integration.

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          Für die Bundesrepublik ist es eine neue Erfahrung, dass Systemkritik nicht als Bürgerschreck daherkommt, sondern sich als gutbürgerlich bezeichnet. Allenfalls die westdeutsche Nachkriegszeit bietet Anschauungsmaterial für eine vergleichbare Situation, in der ein „rechtes“ Bürgertum integriert werden musste, das zwar längst Sozialgeschichte geschrieben hatte, aber trotz Diktaturerfahrung mit Politik, Parteien und Parlamentarismus noch immer haderte. Ganz abgesehen von den bürgerlichen Nationalsozialisten, denen vor siebzig Jahren aber nicht ein „Nazis raus!“ entgegenschlug, sondern, im Gegenteil, ein Grundgesetz als neue Heimat angeboten wurde.

          Heute ist es umgekehrt. Wortführer bürgerlicher Parteien reagieren empört, wenn das Selbstbild der AfD, eine unheimlich bürgerliche Partei zu sein, kritiklos übernommen wird. Der AfD und deren Wählern wird unmissverständlich zu erkennen gegeben: Ihr gehört nicht zu uns, die bürgerliche Gesellschaft ist nicht eure Gesellschaft. Im Namen von „Unteilbar“ wird fröhlich ausgegrenzt. Besonders laut darin sind die Erben der 68er, die mit der Verachtung bürgerlicher Werte am weitesten gegangen waren und beim Wort „bürgerlich“ noch immer einen marxistischen Schluckauf bekommen. Gerade sie verstehen sich aber als Eroberer bürgerlicher Bastionen und als Vollender bürgerlicher Werte. Die Farben ihres Banners: gestern noch Rot und Grün, heute Grün und Schwarz.

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