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Opernhaus-Renovierung : Das nächste Stuttgart 21?

Das Opernhaus in Stuttgart: Für manche Inszenierungen ungeeignet. Bild: dpa

Stuttgart bekommt einen neuen Bahnhof, neue Quartiere und bald soll auch die Oper grundsaniert werden. Aber schon jetzt steigen die Kosten massiv und der Umweltschutz macht Probleme. Manche fürchten das nächste Stuttgart 21.

          Ein Blick in den Steuerungsraum der Untermaschinerie der Stuttgarter Oper gleicht dem in ein Computermuseum. Die komplizierte Bühnentechnik wird über einen Rechner gesteuert, der eine Prozessorleistung hat wie einst der Commodore 286. Jedes drittklassige Smartphone leistet heute ein Vielfaches.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Etwa 60 Prozent der Fläche der 1912 nach Plänen von Max Littmann gebauten Oper wären nach heutigem Baurecht gar nicht mehr genehmigungsfähig. Ersatzteile müssen aus Bühnen in Italien ausgebaut werden, die Brandschutztüren sind noch mit Asbest verkleidet und die maroden Mauern, die den Eisernen Vorhang einfassen, werden mit Pfeilern notdürftig abgestützt.

          Es fehlen 10.000 Quadratmeter Fläche für Bühnenraum und Probenplätze und außerdem alles, was zur Infrastruktur eines modernen Opernhauses gehört. Vor allem die Funktionalität der Seitenbühnen und der Hinterbühne muss deutlich verbessert werden, damit komplette Bühnenbilder verschoben werden können.

          Vorbild ist das Opernhaus in London und Kopenhagen

          Bisher nehmen Bühnenumbauten viel zu viel Zeit in Anspruch. „Wir können Inszenierungen mit wechselnden Bühnenbildern oft gar nicht spielen“, sagt der geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks. „La Traviata von Ruth Berghaus war ein großes Problem, wir mussten zehnminütige Lichtpausen machen, das gibt es in modernen Opernhäusern nicht mehr.“

          Nach der Sanierung sollen bis zu drei Opern- und Ballettaufführungen pro Tag möglich sein, derzeit sind es nur etwa 240 pro Jahr. Das Opernhaus, das Max Reinhardt einst das „schönste der Welt“ nannte, könnte dann nach der Generalsanierung auch wesentlich besser ausgelastet werden. „Würde man unsere Arbeit mit einem Automobilwerk vergleichen, müsste man sagen, dass wir hier Opern produzieren wie Ford einst das T-Modell“, sagt Hendriks. „Unsere Oper ist ein lebendiges Denkmal.“

          Er wünscht sich eine Technik wie in den Opern in London oder Kopenhagen, die als vorbildliche Bauten gelten. Immerhin rühmen sich die Stuttgarter Staatstheater, gemessen am Etat, der Welt größtes Dreispartenhaus zu sein.

          Kosten liegen bei mehr als 600 Millionen Euro

          Politisch sind spannende Diskussionen über die Generalsanierung zu erwarten, denn einen großen Teil der Verantwortung für deren Gelingen oder Nichtgelingen tragen der grüne Oberbürgermeister Fritz Kuhn und die grüne Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Theresia Bauer. Denn die Kosten teilen sich das Land Baden-Württemberg und die Stadt.

          Günstig ist die Generalsanierung der Oper nicht zu haben: War anfänglich von 300 Millionen Euro die Rede, so ist mittlerweile deutlich geworden, dass die Kosten wahrscheinlich doppelt so hoch liegen dürften. Damit könnte das Vorhaben teurer werden als die Sanierung der Berliner Oper Unter den Linden.

          Für Oberbürgermeister Kuhn stellt sich die Frage, ob er aus der Großbaustelle im Oberen Schlossgarten ein Vorzeigeobjekt seiner Amtszeit machen möchte. Die frühere grün-rote Regierung hatte die Altersgrenze für Bürgermeisterkandidaten von 65 auf 67 Jahre angehoben.

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