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Leid der Verschickungskinder : Hunger, Heimweh, Schläge

  • -Aktualisiert am

Kinder in einem Kurheim in Bad Dürrheim im Jahr 1959 Bild: dpa

Millionen Kinder wurden in den 50er bis 90er Jahren zur „Erholung“ verschickt – und erlebten dort zum Teil Fürchterliches. Ihr Leid soll jetzt aufgearbeitet werden.

          3 Min.

          Anja Röhl erinnert sich mit Grauen daran, wie sie 1961 mit noch nicht einmal sechs Jahren ohne ihre Eltern zur „Erholung“ in ein Heim auf eine Nordseeinsel geschickt wurde. „Am ersten Abend sah ich, wie im Schlafsaal Kinder ans Bett gefesselt wurden“, berichtet Röhl. „Von diesem Moment an hatte ich die ganzen sechs Wochen Angst.“

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Zwischen den 1950er und 1990er Jahren gab es einen regelrechten Verschickungs-Boom. Nach Schätzungen der „Initiative Verschickungskinder“ wurden in dieser Zeit zwischen acht und zwölf Millionen Kinder in wochenlange Kuren gegeben – meist ohne klare Indikation und dorthin, wo gerade ein Platz frei war. Manche haben gute Erinnerungen an diese Zeit. Doch viele der Mädchen und Jungen im Alter zwischen zwei und 14 Jahren fanden keine Erholung, sondern durchlitten wie Anja Röhl Wochen der Tortur mit Heimweh, Schlafentzug, Schlägen, Isolierung, Essensentzug, gewaltsamer Einfütterung, Demütigungen und anderen Strafen aus dem fürchterlichen Arsenal der „schwarzen Pädagogik“.

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