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Das Debakel der Bayern LB : Von Ludwig II. bis Edmund I.

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Der bayerischer Löwe vor dem Hauptsitz der Landesbank in München, dort wo einst das Wittelsbacher Palais stand Bild:

Mit dem Debakel der Bayern LB ist der weiß-blaue Staatskapitalismus an sein Ende gekommen. Die Geschichte vom Aufstieg und Fall einer Bank - und der CSU, die mit der Macht des Geldes sich als ewige Regierungspartei behaupten wollte.

          Die Geschichte ist ungerecht: Was hätte König Ludwig II. vollbracht mit der Bayerischen Landesbank an seiner Seite! Die Schlösser Herrenchiemsee, Neuschwanstein, Linderhof - sie wären nur ein Präludium gewesen zu Bauwerken, neben denen die ägyptischen Pyramiden phantasielos gewirkt hätten. Welche Wunder hätte Ludwig, beraten von Gerhard Gribkowsky, der Nachwelt hinterlassen - dem Mann, der es verstanden hat, neben seiner Arbeit als Vorstand der Landesbank noch ein ansehnliches Privatvermögen zu erwerben; ob auf krummen oder geraden Wegen, damit beschäftigt sich gegenwärtig die Münchner Staatsanwaltschaft. Die Geschichte ist um so ungerechter, als es Ludwig II. war, der das Fundament für das Wirken der Landesbank gelegt hat: Am 21. April 1884 unterzeichnete der König das „Gesetz, die Landeskultur-Rentenanstalt betreffend“ - ein Vorgängerunternehmen der Landesbank.

          Ohne diesen Rückblick in die Geschichte ist schwer verständlich, wie es gekommen ist, dass die Landesbank - die mittlerweile im modischen Kurzsprech als Bayern LB firmiert - in eine recht missliche Lage geraten konnte, mit der Notwendigkeit von staatlichen Infusionen in Milliardenhöhe, mit Ermittlungsverfahren gegen frühere Vorstandsmitglieder, mit fragwürdigen Geldströmen von Mauritius und den Jungferninseln in eine Salzburger Stiftung. Bayern ist ein Land mit Geschichte und Geschichten: Die Traditionslinie, dem Staat eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Landes zuzuweisen, reicht von den Wittelsbachern bis zur CSU, von Ludwig II. bis zu Edmund I., auch Stoiber genannt - bei allen Wechseln in der Staatsform und politischen Verfasstheit. Der Wille, politische Absichten durch die Macht des Geldes zu stützen, zieht sich wie ein roter Faden durch die jüngere Historie des Landes - mit allen Versuchungen, die eine solche Paarung in sich birgt.

          In einer Kontinuität zu den Wittelsbachern

          Mit der Landeskultur-Rentenanstalt wurde der bayerische Agrarstaat, der im 19. Jahrhundert kleinbäuerlich geprägt war, reformiert, die Qualität der landwirtschaftlichen Böden verbessert, die Nutzung intensiviert. Der Staat setzte finanzielle Anstöße für Innovationen - ein Erbe, dass die CSU, die sich in einer Kontinuität zu den Wittelsbachern sieht, ein knappes Jahrhundert später auf ihre Weise interpretierte.

          Die Bayern LB ist in eine missliche Lage geraten

          Es ist kein Zufall, dass das Gründung der Landesbank in ihrer jetzigen Form in eine Zeit fiel, in der Bayern einen großen Modernisierungsschub erlebte: Sie ging 1972 aus einer Fusion der Bayerischen Landesbodenkreditanstalt - so hieß mittlerweile die Landeskultur-Rentenanstalt - und der Bayerischen Gemeindebank hervor. Der Landesgesetzgeber schuf eine Bankenchimäre, eine Mischung aus Sparkassenzentralbank, Hausbank des Freistaates, Kreditinstitut der Kommunen und Universalbank mit Schwerpunkt im Wertpapier- und Auslandsgeschäft - in der Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts, die eine Verpflichtung auf das Gemeinwohl mit sich brachte.

          Weiß-blauer Staatskapitalismus

          Mit der Landesbank, damals hälftig im Eigentum des Landes und der Sparkassen, formte sich die CSU ein Instrument, Bayern zu einem High-Tech-Land, zu einem Medienland, zu einem Wissenschaftsland auszubauen - und durch einen weiß-blauen Staatskapitalismus ihre Ausnahmestellung als ewige Regierungspartei zu zementieren.

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