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Nach Darmstädter „Ehrenmord“ : „Es gibt bei uns auch Liebesheiraten“

  • -Aktualisiert am

Ahmadiyya-Bundesvorsitzende Abdullah Uwe Wagishauser: „Wir sind zwar liberal, aber dennoch wertkonservativ“ Bild: dpa

Der Bundesvorsitzende der muslimischen Ahmadiyya-Reformbewegung will nach dem Darmstädter „Ehrenmord“ ein Programm zur Prävention auflegen – und manche „überkommene patriarchale Vorstellungswelt“ ändern.

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          Das aus Pakistan stammende Ehepaar, das im Verdacht steht, in der vergangenen Woche seine 19 Jahre alte Tochter ermordet zu haben, gehörte einer muslimischen Reform-Bewegung an. Der Vater hat bereits gestanden, die junge Frau in der Wohnung der Familie in Darmstadt erwürgt zu haben; die Mutter sei in den Plan eingeweiht gewesen. Das Motiv der Eltern: Die Tochter hatte seit zwei Jahren einen Freund, den sie heiraten wollte. Doch weder die Eltern des jungen Mannes noch die der jungen Frau waren einverstanden.

          „Wir stehen alle unter Schock, dass so etwas auch bei uns passieren konnte“, sagte der Ahmadiyya-Bundesvorsitzende Abdullah Uwe Wagishauser. Er selbst hatte noch vor sechs Wochen mit beiden Elternpaaren gesprochen – denn der Konflikt war in der Gemeinde bekannt. „Ich riet ihnen dazu, der Ehe der Kinder nun schnellstmöglich zuzustimmen.“

          In einem Wald bei Darmstadt: Hier legten die Eltern die Leiche der jungen Frau ab.
          In einem Wald bei Darmstadt: Hier legten die Eltern die Leiche der jungen Frau ab. : Bild: dpa

          Manchmal schlage leider die Liebe der Eltern zu ihren Kinder in einen krankhaften Besitzanspruch um. „Dabei gibt es bei uns auch Liebesheiraten, nicht nur arrangierte Ehen“, sagt Wagishauser. Üblich sei allerdings, dass sich zwei junge Menschen im Rahmen eines von den Verwandten organisierten Treffens kennen lernten. Verliebten sich zwei junge Menschen zum Beispiel an der Universität, vermittele oftmals die Gemeinde, damit die Eltern einer Ehe zustimmen.

          Die Ahmadiyya sind eine aus Pakistan stammende muslimische Reform-Bewegung, die besonders an Integration und interreligiösem Dialog interessiert ist. Sie wurden 2013 als erste muslimische Gemeinde in Deutschland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt und hat damit kirchenähnliche Rechte.

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          „Wir sind zwar liberal, aber dennoch wertkonservativ“, sagt Wagishauser. „Ein voreheliches Verhältnis ist bei uns nicht üblich und nicht akzeptiert.“ Wie er sich erklärt, dass es auch unter Ahmadis zu einem Mord aus falsch verstandener Ehre kommen könne? „Manche Mitglieder bringen aus Pakistan eine überkommene patriarchale Vorstellungswelt mit“, sagt er. Nun will die Gemeinde ein Programm zur Prävention solcher Delikte entwickeln.

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