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Nachfolge Oppermanns : Dagmar Ziegler ist neue Vizepräsidentin des Bundestags

Dagmar Ziegler am Donnerstag im Bundestag Bild: dpa

Für Ziegler bedeutet es eine späte Anerkennung: Seit Jahrzehnten engagiert sie sich für die SPD. Die Politikerin soll die Ost-Kompetenz ihrer Partei herausstellen. Sie erfüllt aber noch andere Minderheiten-Kriterien.

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          Die Brandenburger SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Ziegler ist zur Vizepräsidentin des Bundestags gewählt worden. Sie erhielt am Donnerstag 536 von 657 abgegebenen Stimmen. Sie tritt damit die Nachfolge von Thomas Oppermann an, der vor wenigen Wochen überraschend verstorben war.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Als Ostdeutsche hatte sie der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich empfohlen, aber Dagmar Ziegler erfüllt noch allerhand weitere Minderheiten-Kriterien, mit denen ihre Fraktion Vielfalt und Aufgeschlossenheit demonstrieren möchte.

          Neben ihrem Geschlecht zählt dazu ihre Vertrautheit mit dem platten Land. Die Sechzigjährige stammt zwar aus Leipzig, studierte Finanzwirtschaft in Berlin und war dann auch kurze Zeit in Leipzig bei der DDR-Staatsbank tätig. Von 1987 an aber lebte sie in Lenzen, einem Landstädtchen an der Elbe, fast gegenüber von Gorleben gelegen. Dort war sie in der Verwaltung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft tätig, dort gründete sie 1990 die örtliche SPD.

          Ihre politische Laufbahn begann in der Kommunalpolitik. Sie wurde ehrenamtliche Bürgermeisterin in Lenzen, war ein Jahrzehnt lang dort Mitglied des Gemeinderates, von 1994 an auch Mitglied des Brandenburger Landtags. Als Finanzministerin (von 2000 an) und später als Arbeits- und Gesundheitsministerin in Potsdam hielt sie ihr Augenmerk weiter auf den Themen, die mit der Entwicklung auf dem Lande verbunden sind.

          Gründerin der „Elbe-Gruppe“

          2009 wechselte Ziegler in die Bundespolitik. Sie übernahm den vakanten Wahlkreis Prignitz, gab damals aber auch persönliche Gründe für ihren Abschied aus Brandenburg an. Damals stand die Koalition aus SPD und CDU in Brandenburg vor ihrer Ablösung; die SPD erwog, stattdessen mit der Linkspartei zu koalieren. Ziegler sagte öffentlich, sie wolle nicht mit Exponenten der einstigen PDS an einem Kabinettstisch sitzen, von denen bekannt sei, dass sie in der DDR inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit gewesen seien.

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          In der Bundestagsfraktion der SPD rückte Ziegler sogleich in die Führung auf, als stellvertretende Vorsitzende verantwortete sie die Themen Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Nach der Bundestagswahl 2013 übernahm sie den Posten einer der Parlamentarischen Geschäftsführerinnen, den sie bis jetzt innehatte. Ziegler wurde überdies eine der Sprecherinnen des pragmatisch-konservativen Seeheimer Kreises, und sie erregte Aufmerksamkeit durch die Gründung der „Elbe-Gruppe“, einer überparteilichen Interessengemeinschaft von Parlamentariern, deren Wahlkreis an diesem Fluss liegt und die sich für seine bessere Schiffbarkeit, aber auch für den Umweltschutz und die wirtschaftliche Entwicklung entlang der Elbe einsetzen wollen.

          Der Wechsel in das Amt einer Bundestags-Vizepräsidentin ist für Dagmar Ziegler jetzt auch eine Anerkennung für ein drei Jahrzehnte währendes politisches Engagement. Ziegler, die Mutter zweier erwachsener Kinder ist, hat schon im Frühjahr angekündigt, dass sie im Herbst 2021 nicht nochmals für den Bundestag kandidieren will.

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