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50.000 für den SSW : Gelingt der dänischen Minderheit der Sprung in den Bundestag?

Stefan Seidler, der Kandidat des Südschleswigschen Wählerverbandes Bild: dpa

Der Südschleswigsche Wählerverband, die Partei der dänischen Minderheit, will nach sechzig Jahren erstmals wieder einen Abgeordneten in den Bundestag schicken.

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          Kurz nach seiner Wahl zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl ging es für Stefan Seidler schon nach Kopenhagen. Ab ins Fernsehstudio, dänische Abendnachrichten und dänische Zeitungen baten um Gespräche. „Da war gleich ordentlich was los“, sagt Seidler. Über so viel Aufmerksamkeit im Nachbarland darf sich sonst kaum ein Bundestagskandidat freuen. Seidler aber soll den Südschleswigschen Wählerverband, den SSW, wieder in den Bundestag führen. Das ist die Partei der dänischen und friesischen Minderheit in Schleswig-Holstein. „Das verfolgt man in Kopenhagen mit sehr großem Interesse“, sagt er. Ob es aber auch klappt?

          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Als der SSW nach dem Zweiten Weltkrieg auf die politische Bühne trat, waren die Beziehungen zwischen Dänemark und Deutschland schwierig, die Stimmung zwischen der dänischen Minderheit und der deutschen Mehrheit ganz im Norden angespannt. Wie ja überhaupt die komplizierte Geschichte der deutsch-dänischen Beziehungen in Schleswig immer wieder auch zu Kriegen geführt hatte. Die Nazibesatzung Dänemarks hatte erst recht tiefe Wunden hinterlassen. So galt es für die dänische Minderheit, sich zu behaupten und ihren Platz zu finden in der jungen Bundesrepublik. 1949 zog der bislang einzige Abgeordnete des SSW in den Bundestag ein, Hermann Clausen. 1953 war es mit seiner bundespolitischen Karriere aber schon wieder vorbei. Danach versuchte es der SSW bei einigen Wahlkämpfen noch, gab aber 1961 auf. Sechzig Jahre später versucht es der 41 Jahre alte Seidler für den SSW noch einmal. Die Partei ist bei der Bundestagswahl von der Fünfprozenthürde ausgenommen, eine Chance besteht also.

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