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Cyberangriffe : Leichtes Spiel für Hacker

Stadtwerke verbessern IT-Technik

Die deutsche Energiewirtschaft war seit 2007 mindestens fünf größeren Attacken mit Schadsoftware ausgesetzt. „Bis wir den Test gemacht haben“, erzählt Oehler, „konnte ich zum Beispiel von meinem Rechner aus in die Systeme unserer Leitstelle hineinschauen, das war gar nicht nötig, man hat das damals wohl aus Unachtsamkeit eingerichtet.“ Nach dem Test war Schluss damit, Oehler beauftragte seine Computerfachleute und eine externe Firma damit, die IT-Technik der Stadtwerkezentrale zu überarbeiten.

Das Bundeskriminalamt hat inzwischen eine Abteilung für Cyberkriminalität. Verbrechen im virtuellen Raum werden dennoch als umsatzstark eingeschätzt.

Die Passwörter wurden neu vergeben, USB-Anschlüsse stillgelegt, überflüssige Internetzugänge abgeschaltet. Die Zahl der Mitarbeiter in der eigenen Computerabteilung verdoppelten die Stadtwerke. Die Softwareunternehmen wurden über Sicherheitslücken informiert. Etwa 500 000 Euro investierte das kommunale Unternehmen. „Wir konnten 90 Prozent der Löcher schließen, wir haben dazu aber anderthalb Jahre benötigt, und es entstehen durch die Fortentwicklung der Technik ständig neue Löcher“, sagt Oehler.

Guter Schutz wird teurer

Von den 900 Stadtwerken in Deutschland treibt mit Sicherheit nicht jedes einen so hohen Aufwand wie das in Ettlingen. Nach Auskunft des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn ist das „Schutzlevel einzelner Betreiber“ unterschiedlich. Wie viele Hackerangriffe es auf Stadtwerke gab, ist nicht bekannt. Immerhin müssen die Unternehmen bis Ende 2017 nach dem IT-Sicherheitsgesetz nachweisen, dass sie für den Fall eines Hackerangriffs die Lage mit einem zertifizierten „Informationsmanagementsystem“ steuern können.

Oehler hält Cybercrime für den umsatzstärksten Zweig der Kriminalität – nach dem Drogenhandel und der Prostitution. Nach Schätzungen von Wirtschaftswissenschaftlern beläuft sich der jährliche ökonomische Schaden weltweit, der durch Cyberkriminelle verursacht wird, auf 400 Milliarden Dollar. In Deutschland betrug die Schadenssumme in den Jahren 2015 und 2016 mindestens 100 Milliarden Euro. Unter diese Schäden fallen zum Beispiel Plagiate, die Störung von Betriebsabläufen, Patentrechtsverletzungen oder auch Lösegelderpressungen mit gestohlenen Daten. Um sich zu schützen, müssen Kommunen, Firmen und Landesregierungen für Beratung und Schutzsoftware immer mehr Geld ausgeben.

Hohe Dunkelziffer bei Cyberangriffen

Es gibt auch einige Probleme, die politisch noch ungelöst sind: So können Softwarenutzer die Hersteller für Fehler immer noch nicht zur Verantwortung ziehen, weil das Produkthaftungsgesetz für Computerprogramme nicht gilt. Viele Stadtwerke sind gegen Blackouts nicht versichert, der Grund ist aus Sicht der Versicherungsunternehmen die bisherige „Katastrophenarmut“. Das Bewusstsein für die Hackerangriffe ist immer noch unterentwickelt. Auch werden Hackerangriffe zwar an die Bundesnetzagentur gemeldet, aber die Stadtwerke in Ettlingen würden noch nicht einmal anonym informiert, wenn es im benachbarten Karlsruhe einen größeren Cyberangriff geben würde. „Die Dunkelziffer der Angriffe ist noch immer hoch. Wir bemerken sie ja in der Regel nicht, wenn kein Schaden entsteht. Und das Geld, um spezielle IT-Forensiker zu beschäftigen, das fehlt uns“, sagt Oehler.

Mit der Energiewende kommt auf die deutschen Städte mit ihren Stadtwerken noch ein Problem zu, das wahrscheinlich größer ist als die derzeitige Gefährdungslage: Es heißt „Smart metering“. Die Energiewende führt zur dezentralen Energieerzeugung, aus fünf Produzenten sind mehrere hundert geworden. Jedes Gerät, mit dem an einem Windrad Daten gemessen und übermittelt werden, ist aber ein neues Scheunentor für die Cyber-Verbrecher.

Gegenschläge im Netz werden geprüft

Die Bundesregierung will umfassend prüfen, welche rechtlichen und technischen Möglichkeiten noch zu schaffen sind, um Cyberangriffe, also Attacken auf deutsche Einrichtungen über das Internet, noch besser abwehren zu können und gegebenenfalls mit Gegenangriffen zu reagieren. Das Bundesinnenministerium teilte mit, dass man nationale und internationale Regeln brauche, „die neben Schutz und Abwehr die Rückverfolgung eines Angriffs aus dem Ausland und gegebenenfalls das Unschädlichmachen eines Servers im Ausland ermöglichen“.

In Sicherheitskreisen wird ein solcher Gegenangriff auf einen Server, von dem eine Attacke ausgeht, als „Hack Back“ bezeichnet. Ein solcher ist allerdings nicht nur wegen der noch offenen rechtlichen und technischen Fragen schwer durchzuführen, sondern auch deswegen, weil bei vielen Angriffen kaum oder gar nicht zu klären ist, von welcher Quelle sie ausgingen.

Das Innenministerium sagte, es sei wichtig, dass ein Staat sich „als wehrhafte Demokratie“ vergewissere, dass Angriffe aus dem Ausland „gegebenenfalls auch mit Wirkung auf Server im Ausland“ unterblieben. Über Rechtsgrundlagen und technische Fähigkeiten seien zu Beginn der kommenden Legislaturperiode „wichtige Entscheidungen“ zu treffen. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte berichtet, dass der Bundessicherheitsrat beschlossen habe, bis zum Sommer eine Analyse zu dem Thema erstellen zu lassen. (elo.)

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