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CSU-Wahlaffäre : Hund' seids scho

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Edmund Stoiber und Bayerns ehemalige Kultusministerin Monika Hohlmeier Bild: picture-alliance/ dpa

Im Untersuchungsausschuß zur CSU-Wahlaffäre bestreitet Edmund Stoiber weiterhin, von unlauteren Methoden der Münchner CSU Kenntnis gehabt zu haben - und macht so eine bayerische Redensart zum Politikum.

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          Einen harten Schlag hat der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Stoiber am Donnerstag seinem Biographen versetzt. Sie müssen künftig ohne ein mittlerweile schon klassisches Zitat auskommen, das Stoiber zugeschrieben worden war: „Hund' seids scho.“ Diese Worte, im bayerischen Idiom Ausdruck großer Anerkennung, habe Stoiber einem innerparteilichen Stoßtrupp ausrichten lassen, der mit nicht ganz legalen Mitteln Mehrheiten in der Münchner CSU organisiert hatte. Das war kolportiert worden.

          Im Untersuchungsausschuß des Landtags, der sich mit der Rolle der früheren Kultusministerin Hohlmeier bei diesen Machenschaften befaßt, wies Stoiber am Donnerstag aber die Urheberschaft weit von sich. Die Äußerung „Hund' seids scho“ habe es aus seinem Mund nicht gegeben; von den unlauteren Methoden in der Münchner CSU habe er vor ihrer Aufdeckung keine Kenntnis gehabt, gab er zu Protokoll. Alle Biographen, die voll der Hoffnung gewesen waren, statt auf die üblichen Schachtelsätze Stoibers einmal auf eine prägnante Wortschöpfung zurückgreifen zu können, müssen sich also weiter gedulden.

          Sache der örtlichen Parteigliederung

          Und es kam für sie am Donnerstag noch schlimmer. Denn Stoiber wollte auch von seinem legendären Ruf, jede Akte in der Staatskanzlei und in der CSU-Landesleitung mindestens dreimal persönlich gelesen zu haben, nichts wissen. Die Aufklärung und Ahndung der Manipulationen in der Münchner CSU sei Sache der örtlichen Parteigliederungen gewesen, sagte er - die CSU sei in ihrem Parteiaufbau ganz und gar dem Subsidiaritätsprinzip verpflichtet. Gleiches nahm Stoiber für seine Staatsregierung in Anspruch: Die Organisation des bayerischen Begleitprogramms zur Fußball-Weltmeisterschaft sei Sache der einzelnen Ressorts gewesen, nicht der Staatskanzlei.

          Die Mängel, die der Oberste Rechnungshof bei der Erarbeitung des Begleitprogramms dem Kultusministerium unter der Führung Hohlmeiers vorgehalten hat und mit denen sich der Ausschuß auch befaßt, sind Stoiber nach seinen Worten nicht bekannt gewesen. Stoiber, der strenge Subsidiar der Staatsregierung, der peinlich genau die Verantwortlichkeiten seiner Minister beachtet: Für diese Selbstdarstellung hätten er und seine Berater in der Staatskanzlei eigentlich am Donnerstag ein Extralob vom Ausschuß verdient - mindestens der Kategorie „Hund' seids scho“.

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