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CSU : Stoiber will mit seiner Rivalin sprechen

  • Aktualisiert am

Gesprächsbereit: Stoiber, Pauli Bild: AP

Erstmals haben führende CSU-Politiker Edmund Stoiber aufgefordert, sich rechtzeitig um seine Nachfolge zu kümmern, und dabei eine offene Diskussion gefordert. Stoiber selbst bietet seiner Kritikerin Gabriele Pauli ein Gespräch an.

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          Erstmals haben führende CSU-Politiker den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) aufgefordert, sich rechtzeitig um seine Nachfolge zu kümmern, und dabei eine offene Diskussion in der Partei gefordert. Ebenfalls zum ersten Mal erhielt die Fürther Landrätin Gabriele Pauli Unterstützung aus den Führungsreihen ihrer Partei; sie fordert seit langem, Stoiber dürfe nicht der Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2008 sein, und verlangt eine Mitgliederbefragung.

          Der bayerische Landtagspräsident Alois Glück rief Stoiber in mehreren Interviews dazu auf, auf geordnetem Weg für seine Nachfolge zu sorgen: „Ich hoffe, dass bei Herrn Stoiber der Wechsel zum Zeitpunkt X gelingt, ohne Brüche“, sagte Glück. Der dramatische Popularitätsverlust hänge mit einem „gewissen Abnutzungseffekt“ zusammen, den es nach 13 Jahren Regierung unter Stoiber gebe. Glück fügte hinzu, ein Führungsdebatte könne man „in einer demokratischen Partei nicht von oben herab einfach beenden“.

          Ein persönliches Gespräch

          Stoiber will den Streit mit seiner parteiinternen Kritikerin Pauli in einem persönlichen Gespräch beilegen. „Ich werde ihr anbieten, konstruktiv mitzuarbeiten, und zwar auch dann, wenn ihr persönlich eine Entscheidung über die Nummer Eins in unserer Partei und in Bayern nicht gefällt“, sagte Stoiber der „Bild am Sonntag“. Zuvor hatte Pauli ihre Forderung nach einem Rückzug von Stoiber bekräftigt. Stoiber sagte, in der CSU-Präsidiumssitzung an diesem Montag werde er zum Thema eines Gesprächs mit Pauli Stellung beziehen. „Wir treffen uns ja spätestens am 22. Januar im Landesvorstand der CSU. Wir werden dort eine offene Aussprache haben. Unabhängig von unterschiedlichen Meinungen möchte ich zur Vorbereitung dieser wichtigen Sitzung auch mit Frau Pauli ein persönliches Gespräch führen.“

          Pauli hatte Stoiber unter anderem ein problematisches Frauenverständnis vorgeworfen und verlangt, er solle nicht mehr als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2008 antreten. Sie zeigte sich überrascht über das Gesprächsangebot Stoibers. Persönlich liege ihr ein solches Angebot allerdings noch nicht vor, sagte sie am Samstag. Das liege möglicherweise daran, dass sie in den vergangenen Stunden schlecht erreichbar gewesen sei. „Ich begrüße eine solche Einladung. Es wäre schön, wenn ein solches Gespräch zu Stande käme. Ich habe ja wiederholt darum gebeten“, sagte sie. Die Einladung zu einer Unterredung werde sie, wenn sie denn komme, selbstverständlich annehmen.

          Moderne Frauen

          Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, Joachim Herrmann, der immer wieder als möglicher Nachfolger Stoibers im Amt des Ministerpräsidenten genannt wird, forderte eine „offenere Diskussionskultur“ in seiner Partei. Er lobte erstmals die Stoiber-Kritikerin Pauli. Sie sei immer wieder in den Parteivorstand gewählt worden, „weil sie für moderne Frauen in der CSU steht“, sagte er der „Welt am Sonntag“.

          Trotz dieser kritischen Äußerungen herrscht in der CSU-Führung die Auffassung, Stoiber werde bei den Klausurtagungen der CSU in dieser und der nächsten Woche im bayerischen Wildbad Kreuth als Spitzenkandidat für die Landtagswahl im Jahr 2008 benannt. Stoiber sagte dieser Zeitung: „Kreuth war schon immer ein Ort, an dem die CSU wichtige Weichenstellungen vorgenommen hat.“ Er bezog zwar nicht ausdrücklich auf seine Kandidatur. Doch erfuhr diese Zeitung aus CSU-Führungskreisen, man gehe fest davon aus, „dass von Kreuth ein Signal der Geschlossenheit und des Schulterschlusses ausgeht, dass Edmund Stoiber in der CSU und für Bayern weiterhin die Nummer eins ist.“ Stoiber sagte: „Die Klausurtagungen in Kreuth sind traditionell das Forum für klare Aussagen der CSU.“

          „Felsenfest hinter Stoiber“

          Die CSU-Landesgruppe im Bundestag wird sich von Montag an in Wildbad Kreuth zu einer Klausur treffen, die CSU-Landtagsfraktion in der Woche darauf. Nach bisherigen Planungen soll die Fraktion beschließen, dass Stoiber Kandidat werde. Der Landesgruppenvorsitzende Peter Ramsauer sagte, die Landesgruppe stehe „felsenfest hinter Stoiber“.

          Die Fürther CSU-Landrätin Gabriele Pauli sieht indessen gute Chancen, gegen den Willen der Parteiführung eine Mitgliederbefragung darüber abzuhalten, wer als Spitzenkandidat der CSU in die Landtagswahl 2008 gehen soll. Frau Pauli sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, sie wolle auf dem demnächst stattfindenden, sogenannten Kleinen Parteitag der CSU „zusammen mit vielen anderen Parteimitgliedern“ einen Antrag auf Mitgliederbefragung stellen. „Wenn unsere Anträge eine Mehrheit finden, was ich für sehr gut möglich halte, kann eine Befragung relativ schnell stattfinden.“ Frau Pauli fuhr fort: „Auf dem regulären Parteitag im Herbst sollte dann die Nominierung stattfinden.“

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