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CSU : Seehofers Putsch

  • -Aktualisiert am

Horst Seehofer behauptet nicht ohne Grund, er sei hochzufrieden Bild: Archiv

Der bayerische Potentat hat in seiner eigenen Partei gleich mehrere Köpfe rasiert. Auch in Berlin gibt es jetzt nur noch einen CSU-Politiker mit Einfluss: ihn.

          Was wird sich Horst Seehofer in diesen Tagen auf die Schenkel klopfen und sein herrliches „Harr, Harr, Harr“ ausstoßen! Alle Welt schreibt, wie sehr seiner Partei in Berlin der Kopf geschoren worden sei. Die Locken des Innenministeriums komplett weg, das Deckhaar des Verkehrs- und des Landwirtschaftsministeriums gestutzt, das Toupet des Entwicklungshilfeministeriums schlecht sitzend: Mehr als eine Berliner Stoppelfrisur sei der CSU nicht geblieben, heißt es landauf, landab. Kein Wunder, dass Seehofer sagt, er sei hochzufrieden.

          Denn schöner könnte sein Plan nicht aufgehen: Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident hat gegen seine eigene Partei geputscht – und keiner hat es gemerkt. Die gute alte Tradition, lieber selbst den Palast, in dem man residiert, zu stürmen, bevor es andere tun, hat Seehofer auf seine Weise fortgesetzt. Weggefegt sind von der Berliner Bühne die Widrigkeiten, mit denen er sich aus seiner Sicht allzu lange herumschlagen musste. Mit Ramsauer, der schon bei der ersten Strophe des Mautlieds ins Stocken geriet; mit Hans-Peter Friedrich, der im Innenministerium Partituren zur doppelten Staatsbürgerschaft studierte, die Seehofer längst geschreddert hatte; mit Abgeordneten, die das politische Evangelium nach Seehofer – „Sie müssen immer aus der Situation heraus entscheiden“ – nicht begriffen. Aus, Äpfel, Amen, wie es in Bayern heißt.

          Zu einem richtigen Putsch gehören Verlierer

          In Berlin gibt es nur noch einen CSU-Politiker mit Einfluss: Seehofer. Wer ihn erlebte, als er nach der Koalitionsschlacht im märkischen Sand nach München zurückkehrte, muss nicht lange rätseln, wo er den Sieger sieht. Seine amüsierte Miene, als es um Kleingeister ging, die im Berliner Kabinettssaal die Minister zählen, sprach Bände. Er gestattete sich nur den kleinen Fingerzeig, die wichtigen Entscheidungen würden im Koalitionsausschuss getroffen. Und wer sitze da drin: „Harr, Harr, Harr“. Ganz gleichgültig also, wer in welchem Ministerium den Subcomandante mimt: Der Máximo Líder ist zur Stelle, wenn es etwas zu entscheiden gibt. Zeit dafür hat er genug; auch die Befehlskette in Bayern ist bestens organisiert, von der Staatskanzlei über die Landtagsfraktion bis zur CSU-Landesleitung, in der jetzt Andreas Scheuer als Generalsekretär dient. Scheuer war im vergangenen Jahr von Seehofer als „Lausbub“ charakterisiert worden, der ein „Praktikum“ in der Politik machen müsse; jetzt ist also der Praktikumsplatz gefunden.

          Apropos Líder: Seehofer selbst prägte das Wort „Leader“ für Alexander Dobrindt, der in Berlin für ein „koordiniertes“ Vorgehen der CSU sorgen solle. Genauer müsste es, wenn es schon anglophil zugeht, bei Dobrindt „First Footman“ heißen, ein gehobener Dienerrang in englischen Adelshäusern; sie liefen ursprünglich vor den Kutschen der Herrschaft, um Zweige und andere Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Nur beiläufig erwähnte Seehofer, dass es in Berlin auch noch Gerda Hasselfeldt, die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, gibt – er dürfte seinen Spaß daran haben, wie sich „First Footman“ und „Head Housemaid“ arrangieren.

          Zu einem richtigen Putsch gehören Verlierer – und sie müssen einigermaßen vorzeigbar sein. Ramsauer war phänotypisch dafür prädestiniert; ihm steht das Querständige, Widerborstige, Aufbegehrende ins Gesicht geschrieben. Was lag näher, als ihn aus dem Verkehrsressort zu vertreiben und Dobrindt hineinzusetzen, dessen auffälligstes Merkmal seine Unauffälligkeit ist. Friedrich hätte kein ganz so schmuckes Opfer abgegeben; er darf jetzt als Landwirtschaftsminister die Grüne Woche eröffnen.

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