https://www.faz.net/-gpf-9huwu

Erwin Huber über Guttenberg : „Seine Bemerkungen zu Söder sind indiskutabel“

Karl-Theodor zu Guttenberg Bild: Picture-Alliance

Karl-Theodor zu Guttenberg hat den designierten CSU-Vorsitzenden Markus Söder im Interview mit der F.A.Z. scharf angegriffen. Der reagierte bislang nicht öffentlich auf die Attacke. Doch dafür finden andere deutliche Worte.

          Noch am Montag hatte die CSU vorweihnachtliche Eintracht gezeigt: Der Parteivorstand nominierte den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder einstimmig als Kandidaten für den Parteivorsitz. Das christsoziale Weihnachtsidyll schien perfekt – bis Karl-Theodor zu Guttenberg die Bühne betrat. In Interviews mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und der „Kleinen Zeitung“ teilte der frühere Bundeswirtschafts- und Verteidigungsminister gegen Söder aus.

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          „Die großen CSU-Vorsitzenden haben sich alle durch eine große Bandbreite ausgezeichnet. Da muss Markus Söder noch hineinwachsen“, sagte Guttenberg der F.A.Z. An das Format eines Franz Josef Strauß oder Theo Waigel reiche Söder bislang nicht heran. Ihm fehle es nicht nur an Empathie und Format, sondern auch an Kompetenz in zentralen Politikfeldern.

          Huber: Guttenberg stellt sich gegen Parteivotum

          Der frühere Parteivorsitzende Erwin Huber ärgert sich über diesen „unqualifizierten Zwischenruf“ Guttenbergs. „Nach schwieriger Zeit hat die CSU inneren Frieden gefunden, den keiner stören darf, der daran nicht mitgewirkt hat“, sagte Huber am Mittwoch der F.A.Z. Damit spielte er auf den jahrelangen Machtkampf zwischen Söder und Noch-Parteichef Horst Seehofer an, der die Stimmung in der CSU schwer belastet hatte. Und er warf zu Guttenberg gleichzeitig vor, in den vergangenen Jahren wenig präsent gewesen zu sein in der Partei.

          Der 47 Jahre alte Guttenberg galt einst selbst als möglicher Kandidat für den CSU-Vorsitz. Doch das ist lange her. Wegen der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit trat der Franke 2011 als Minister zurück und legte alle politischen Ämter nieder. Im Bundestagswahlkampf 2017 unterstützte er seine Partei allerdings mit mehreren Auftritten – die sehr gut besucht waren. In Teilen der CSU genießt Guttenberg immer noch Ansehen.

          Für Erwin Huber, der selbst ein gutes Jahr lang an der Spitze der CSU stand, bis er nach dem schlechten Ergebnis seiner Partei bei der Landtagswahl 2008 zurücktrat, hat zu Guttenberg mit seiner Söder-Attacke allerdings vor allem eines erreicht: sich unbeliebt zu machen „in breiten Parteikreisen“. Zudem habe sich Guttenberg gegen das einmütige Parteivotum vom Montag gestellt, kritisierte Huber. „Seine persönlichen Bemerkungen zu Söder sind indiskutabel.“

          „Die CSU lässt sich nicht auseinanderdividieren“

          Hans-Peter Friedrich, CSU-Bundestagsabgeordneter und in Guttenbergs oberfränkischer Heimat Bezirkschef, übte sich indes in Diplomatie. „Ich freue mich immer, wenn der KT sich zur CSU bekennt, aber die CSU lässt sich nicht auseinanderdividieren, und schon gar nicht jetzt vor Weihnachten“, zitierte ihn die „Süddeutsche Zeitung“.

          Söder selbst äußerte sich bislang nicht zu Guttenbergs Angriff. In vier Wochen, am 19. Januar, soll er zum neuen CSU-Vorsitzenden gewählt werden – vermutlich ohne Gegenkandidaten. Der Tag wird wohl endgültig seinen Sieg im Ringen mit Horst Seehofer markieren. Im Frühjahr hatte Söder bereits das Amt des Ministerpräsidenten von dem 69 Jahre alten Politiker übernommen.

          Guttenberg, einst selbst Hoffnungsträger der Partei, machte sich nun zum Sprecher all jener, die Söders nahender „Alleinherrschaft“ skeptisch gegenüberstehen. Tatsächlich hat Söder bei der Landtagswahl im Oktober ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren. Dass der bayerische Ministerpräsident nun auch noch die Partei führen soll, gefällt sicher nicht allen. Zumal eine wirkliche Aufarbeitung des Wahlergebnisses bislang nicht stattgefunden hat. Vielleicht wurde Guttenberg also gebeten, dem Unmut eine Stimme zu geben.

          Vielleicht handelte Guttenberg aber auch auf eigene Initiative. Kritisiert hat er Söder schon früher, als er selbst noch CSU-Generalsekretär und Söder Minister in Seehofers Kabinett war. Ambitionen, selbst in die Politik zurückzukehren, bestritt er im F.A.Z.-Interview jedoch. „Ich bleibe ein politisch denkendes, kritisches Parteimitglied. Und ich bin weiter bereit, mich an der ein oder anderen Stelle mit meinen dürftigen Erfahrungswerten einzubringen. Aber darüber hinaus gibt es von meiner Seite keinerlei Ambitionen“, sagte Guttenberg.

          Pikant ist auf jeden Fall der Zeitpunkt, den Guttenberg für seine Attacke wählte. Denn für Mittwochabend hat die CSU Journalisten in München zur Weihnachtsfeier eingeladen. Und bei ebendieser Gelegenheit hatte Seehofer im Jahr 2012 Söder angegriffen – und ihm „charakterliche Schwächen“, einen „pathologischen Ehrgeiz“ und „zu viele Schmutzeleien“ vorgeworfen.

          Von dieser Feindseligkeit ist sechs Jahre später nichts zu spüren. „Das ist alles Käse“, kommentierte Seehofer am Mittwoch Guttenbergs Äußerungen. Von Vergleichen mit ehemaligen Parteivorsitzenden halte er wenig. „Jede Zeit hat ihre Persönlichkeiten, hat ihre Aufgaben, hat ihren Stil“, sagte Seehofer. Söder sei in der aktuellen Situation „der Beste, um den Erfolg der CSU fortzuführen“. Dass dieser Erfolg bei der Landtagswahl – mit Söder als Spitzenkandidaten – aus nur 37,2 Prozent bestanden hatte, sagte der scheidende Parteivorsitzende nicht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump am 12. Juli in Milwaukee

          Provokation auf Twitter : Trumps Spiel mit dem Feuer

          Auf Twitter beleidigt Amerikas Präsident vier Parlamentarierinnen rassistisch. Mit der Provokation will er Konflikte unter den Demokraten schüren – und scheitert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.