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CSU-Parteitag : „Wir schneiden bei jungen Frauen verheerend ab“

„Es ist alles ein zartes Pflänzchen“, so Markus Söder auf dem CSU-Parteitag. Bild: EPA

Sind in der CSU die Männer zu mächtig? Wenn ja, hilft eine Quote? Das Thema scheidet auf dem Parteitag die Geister. Und dann kommt Annegret Kramp-Karrenbauer.

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          Der Spagat ist die natürliche Körperhaltung einer wirklichen Volkspartei. Die CSU vollführt ihn in der Regel mit Wollust. Markus Söder zählte in seiner Parteitagsrede auf: „Laptop und Lederhose“, „Dirndl und Digitales“, „Berlin und Bayerischer Wald“, „Sushi und Schweinsbraten“. Ein anderer Spagat, das zeigte sich am Wochenende in der Großen Münchner Olympiahalle, wird jedoch zusehends schwerer: der zwischen Realismus und Zuversicht.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Die Gesamtlage ist kompliziert, in der Welt, für die Partei, da dürften sich die meisten der knapp 800 Delegierten einig gewesen sein. Das betrifft die Sachthemen. Stichwort Migration. Die treibt die CSU-Basis nach wie vor um. Man konnte das am Interesse erkennen, das die entsprechenden Anträge für den Parteitag schon im Internet auf sich gezogen hatten. Man sah es am Freitag auch an der Wortmeldung eines älteren Delegierten: Seit Jahren heiße es, Europa werde es in der Flüchtlingspolitik richten, aber nichts habe Europa gerichtet.

          Ein jüngerer Delegierter verlangte mit Bezug auf die jüngsten Kurskorrekturen in der Partei: „Die CSU sollte nicht sagen, was denkt die Bevölkerung, das machen wir uns zu Eigen. Wir haben selbst einen klaren Wertekompass.“ Ist das so? Die auffällige Abwesenheit von Bundesinnenminister Horst Seehofer gab einen Hinweis darauf, dass es in der Partei sehr unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, ob das christliche Menschenbild es gebietet, 25 Prozent der aus Seenot geretteten Flüchtlinge aufzunehmen.

          Der Auftritt der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer war am Ende für Söder eine Erlösung.

          Auch bei der Frage, wie mit den Grünen umzugehen sei, zitterte die Kompassnadel. Während der Parteivize Manfred Weber Schwarz-Grün jüngst als Zukunftsmodell angepriesen hatte, machte Söder in München sehr deutlich, dass die Devise sein müsse „Schwarz oder Grün“ und nicht „Schwarz und Grün“. Doch mit wem soll die CSU dann künftig koalieren – zumal in Berlin? Die Zeiten, da sich die Partei um Koalitionspartner nicht zu kümmern brauchte, sind vorbei. Oder nicht? „Wir sind die erfolgreichste Formation der Christdemokratie in ganz Europa“, beschwor Generalsekretär Markus Blume am Samstag den Parteitag. Söder nannte die gut vierzig Prozent in der Europawahl ein „Super-Ergebnis“. Was sollen sie auch sagen? Gemessen an früheren Zeiten war es kein Super-Ergebnis.

          Doch mit der Vergangenheit will Söder sich nicht aufhalten. Er und sein Generalsekretär versuchen es mit der Flucht nach vorn. Die ging am Samstag allerdings nach hinten los. Es ging um die Parteireform, mit der die CSU jünger, moderner und vor allem weiblicher werden soll. Da hätte tatsächlich ein Blick in die Vergangenheit geholfen. Vor neun Jahren gab es auf einem Parteitag stundenlange Debatten über eine Frauenquote in Bezirksvorständen und im Landesvorstand. Die Parteiführung musste damals Mann und Maus aufbieten, um ihr Modernisierungsvorhaben durchzusetzen.

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