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CSU-Parteitag : „Noch einen Zahn zulegen“

Horst Seehofer auf dem Parteitag in München: „Bayern. Das Land. Bayern. Die CSU.“ Bild: dpa

Horst Seehofer ist auf dem CSU-Parteitag in München mit 95,3 Prozent im Amt bestätigt worden. Er will mit Dobrindt und Gauweiler die CSU remythisieren.

          5 Min.

          Über den Politikstil Horst Seehofers ist schon viel geredet und geschrieben worden. Die weniger wohlwollenden Beschreibungen des bayerischen Ministerpräsidenten kulminierten in den Begriffen „Drehhofer“ und „Crazy Horst“. Am Samstag nutzte der CSU-Vorsitzende nun die Gelegenheit, unter wohl einmalig günstigen Umständen seine eigene Sicht auf seinen Politikstil darzulegen.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Den Münchner CSU-Parteitag ließ Seehofer am Samstag in einer nüchtern-funktionalen Messehalle als politisches Erntedankfest für einen „goldenen September“ begehen. Nach der Rückeroberung der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl im Freistaat und einem noch stärkeren CSU-Ergebnis bei der Bundestagswahl sieht sich Seehofer in seinem Wirken ins Recht gesetzt. Das Urteil der Geschichte, verkündet aus dem Mund der Wähler, lautet: Ja, Horst. Seehofer wurde mit 95,3 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.

          Und dieses Ja der Geschichte erschallt im Jahr 2013 umso klarer und heller, desto dunkler und tiefer vom großen Nein gesprochen wird, das über der CSU erging, bevor Horst Seehofer in das ihm zubestimmte Dasein als Ministerpräsident des Freistaat Bayerns gerufen wurde. Den äußerst sparsamen Grüßen zum siebzigsten Geburtstag seines Vorgängers Günther Beckstein ließ Seehofer so am Samstagmorgen einen Rückblick auf die politische Bilanz von dessen kurzer Amtszeit folgen: „Ich möchte erinnern, unter welchen Umständen ich vor fünf Jahren gewählt worden bin“, sagt Seehofer. Der Verlust der absoluten Mehrheit im Jahr 2008 sei „die schwerste Wahlniederlage, die die CSU erlebt hat“. Die Volkspartei CSU sei damals in den Medien bereits zu Grabe getragen worden. „Die Experten waren sich einig: Der Mythos der CSU ist tot“. Nun, nach fünf Jahren Seehoferismus, dürfe die Partei wieder sagen: „Der Mythos CSU lebt.“ Seehofer bilanziert: „Die Identität von Bayern und der CSU war noch nie so groß wie heute.“

          Das ist die große alte Gleichung, die sich die CSU aber in den vergangenen Jahren nicht zu sagen traute. Stattdessen sendete sie Demutsgesten ins Land hinaus und hob sogar die Vorzüge von Koalitionsregierungen hervor. Allenfalls im Wahlkampfslogan „Bayern. Das Land.“ Wurde der alte Anspruch einer Generalidentität zwischen Freistaat und Partei angedeutet. Derartige Verleugnungen, Verstellungen und Verrenkungen sind nun nicht mehr nötig. „Das Jahr 2008 ist Geschichte“, triumphiert Seehofer und nimmt ein Champagnerbad im neuen Parteislogan: „Bayern. Das Land. Man könnte auch sagen: Bayern. Die CSU.“

          Noch einen Zahn zulegen

          Seehofer weiß freilich, dass er es dabei nicht belassen darf, will er nicht nur als ein bewährter Nothelfer ins CSU-Pantheon eingehen, sondern als veritabler CSU-Grande. Für diesen Status, der bisher den drei Ministerpräsidenten Goppel, Strauß und Stoiber vorbehalten bleibt, ist der von Seehofer erreichte Unterbau der wiedererrungenen absoluten Mehrheit am 13. September mit 47 Prozent noch zu schmal gewesen. Seehofer warnt seine Partei also davor, für das Jahr 2018 zu niedrig zu zielen. „Unser Potential bei den Wählern ist noch größer als die Ergebnisse, die wir jetzt eingefahren haben. Wir können noch einen Zahn zulegen.“ Ziel sei es, „dass wir 2018 sagen können: Bayern. Das Land. Bayern. Die Zukunft. Bayern. Die CSU.“ Also die Totalidentifikation.

          Auf dem Weg dahin lässt sich Seehofer von zwei Männern unterstützen, deren Aufstieg manch anderer in der Partei mit Argwohn betrachten dürfte. Über keinen anderen Parteifreund hat Seehofer wohl jemals so lobende Worte gefunden wie für seinen Generalsekretär Alexander Dobrindt. Auch am Samstag wurde der Mann, der nach dem Willen seines Chefs bald in Berlin an Angela Merkels Kabinettstisch Platz nehmen soll, abermals emporgehoben. Dobrindt sei  „der Architekt“  eines Wahlkampfs, der nicht nur besser war als andere anderen, sondern sogar auch noch „günstiger als geplant“ gewesen sei.  „Alexander, das ist jetzt das letzte Mal: Danke, Vergelts Gott, das war eine exzellente Arbeit“, ruft Seehofer seinem treuen Dobrindt zu. Ilse Aigner und mit Abstrichen Markus Söder, die bisher als Favoriten auf die Seehofer-Nachfolge im Jahr 2018 gehandelt werden, könnten ob der Elogen des Parteivorsitzenden auf Dobrindt langsam unruhig werden.

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