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Machtwechsel in München : Zwei Könige für die CSU

In Demut vereint: Horst Seehofer, Markus Söder am Montag in München Bild: dpa

Nach dem Sieg gegen Horst Seehofer gibt sich Markus Söder ungewohnt demütig und verspricht eine konstruktive Zusammenarbeit mit seinem Gegner. Doch ob mit dem Machtkampf auch die Krise der CSU beigelegt ist, ist fraglich.

          Auch an diesem, für die CSU so wichtigen Tag wacht München auf wie an einem normalen Wintermontag, mit Schnee auf den Gehwegen und überfüllten U-Bahnen. U5, Richtung Laimer Platz. Bei der Durchsage „Max-Weber-Platz, Bayerischer Landtag“ ruft eine Stimme aus dem Pendler-Knäuel „Seehofer“ und lacht. Haltestelle Seehofer – wie lange wird der Landtag das noch sein?

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Wohl nur noch bis ins erste Quartal 2018, wie der CSU-Fraktionsvorsitzende Thomas Kreuzer am Montag nach der Sonderfraktionssitzung der Landtagsfraktion verkündet. Im Frühjahr 2018 werde Seehofer das Amt des Ministerpräsidenten abgeben – unabhängig von der weiteren Entwicklung in Berlin und einem möglichen Ministerposten für Seehofer, erklärt Kreuzer. Ganz so unabhängig dürfte der Zeitpunkt aber nicht gewählt sein. Denn nach dem Platzen der Jamaika-Sondierungen und den schleppenden Gesprächen auf dem Weg zu einer Regierungsbildung wird ein neues Bundeskabinett – mit einem möglichen Minister Seehofer – wohl frühestens dann feststehen.

          „Wir haben ein gutes Ergebnis erreicht, hinter dem wir alle stehen können“, sagt Kreuzer – und meint damit wohl vor allem die Landtagsfraktion, das Machtzentrum der CSU. Die Abstimmung sei harmonisch gewesen, in der Fraktion habe Aufbruchstimmung geherrscht. Auch dass sowohl Ilse Aigner als auch Joachim Herrmann auf eine Kampfkandidatur gegen Markus Söder verzichtet hätten, ordnet Kreuzer in dieses Bild der Harmonie ein. Alle wollten nun gemeinsam die Spaltung und den Stillstand in der CSU überwinden.

          Der Mann, der nun genau dieses leisten soll, steht neben Kreuzer: Markus Söder, der künftige bayerische Ministerpräsident. Dunkelblauer Anzug, rosafarbene Krawatte und die Gewissheit, endlich den Platz einnehmen zu können, den er für sich schon lange, viel zu lange als verdient ansieht. Es sei jetzt wichtig, „dass die Stärksten zusammenarbeiten“, sagt Söder. Er habe gute Gespräche mit Joachim Herrmann geführt, der auch weiterhin eine tragende Säule der Landespolitik sein werde. Eine konstruktive Zusammenarbeit mit Horst Seehofer als Doppelspitze für den schwierigen Landtagswahlkampf? Ehrensache, sucht Söder zu vermitteln, der Gewinner des langen, zähen Machtkampfes innerhalb der CSU.

          Doch Söder vermeidet es am Montagmorgen, allzu offensichtlich zu triumphieren. „Politik ist immer eine Gemeinschaftsleistung.“ Er werde sein Bestes geben, mit „Mut und Demut“, sagt Söder in fast schon staatsmännischer Manier.

          Und das Beste wird auch nötig sein. Denn die CSU ist tief gespalten, zermürbt von einer langen Personaldebatte und Seehofers Schlingerkurs in der Obergrenze-Frage. Das schlechte Abschneiden bei der Bundestagswahl tat sein Übriges, um die Basis zu demoralisieren. Mit Umfragewerten von etwa 37 Prozent kann sich die bayerische Volkspartei nicht zufriedengeben, wenn sie 2018 die absolute Mehrheit verteidigen will.

          Wollte nicht gegen Söder kandidieren: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU)

          Das weiß auch Markus Söder, der diese Aufgabe jetzt vor sich hat. Er, der Horst Seehofers Erbe schon so lange antreten will, übernimmt die CSU in einer denkbar schwierigen Lage. Doch nichts deutet am Montagmorgen darauf hin, dass er sich dieser nicht gewachsen fühlte.

          Während vor dem Maximilianeum die Schneeflocken tanzen, gibt Söder die Parole aus, dass die CSU nun vor der Geschichte bestehen müsse, vor der der Partei und vor der Bayerns, des „besten Landes der Welt“. Die CSU müsse nun endlich wieder die Zeit finden zu regieren. Das erwarteten auch die Bürger, sagt Söder. Und beidem, Land und Bürgern, fühle er sich verpflichtet – habe er sich schon immer verpflichtet gefühlt. Der Franke scheint am Tag seines Triumphs offenkundig den Vorwurf entkräften zu wollen, der ihm in seinem Politikerleben schon oft begegnet ist: dass er nur an sich und seiner Karriere interessiert sei, „von Ehrgeiz zerfressen“, wie es Horst Seehofer 2012 formulierte.

          Seehofer geht – und bleibt doch

          Der überließ am Montag im Landtag Söder die Bühne. „Einmal müssen Sie noch schlafen“, hatte Seehofer am Tag zuvor noch zu Journalisten gesagt, als würde sie am Morgen im Landtag der prall gefüllte CSU-Nikolausstiefel erwarten. Er tat es mit seinem typischen Seehofer-Lächeln, als wisse er wieder einmal mehr als alle anderen. Und genau so betrat er am Montagmorgen auch den Konferenzsaal zur Sonderfraktionssitzung, wo Söder per Akklamation und einstimmig zum Spitzenkandidat gekürt wurde.

          Seehofer teilt die Macht, weil er weiß, dass er sie in der CSU-Fraktion und wahrscheinlich auch an der Basis längst verloren hat. Und er teilt sie mit dem Wissen, dass in einem Kabinett Merkel ein Platz für ihn frei sein könnte. Vor allem braucht die CSU Seehofer für die schwierigen Verhandlungen mit der SPD über eine Regierungsbildung – und behält ihn wohl auch deshalb als König Nummer 2.

          Joachim Herrmann habe am Montag in der Fraktion auch erklärt, als Innenminister in München bleiben zu wollen, berichten Kreuzer und Söder. Wie viel Wollen und wie viel Drängen hinter diesem doppelten Verzicht steckt, wird Herrmann vielleicht irgendwann selbst beantworten. Bis dahin spannen Kreuzer und Söder seine Entscheidung in das neue Harmonie-Narrativ der CSU ein: Herrmann habe angesichts der schwierigen Lage zur Einigkeit in der Partei beitragen wollen und deshalb von einer Kampfkandidatur abgesehen. Gut für Söder – und vielleicht auch für Seehofer.

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