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CSU-Landrat in der Kritik : Kreidls Party kostete 118.000 Euro

  • Aktualisiert am

Landrat Jakob Kreidl hat die Korken knallen lassen Bild: picture alliance / Sueddeutsche

Die teils aus öffentlichem Geld finanzierte Geburtstagsfeier des Miesbacher CSU-Landrats Jakob Kreidl war teurer als bislang vermutet. Das Landratsamt korrigierte die Kosten nach oben.

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          Das Landratsamt Miesbach hat die Kosten für die Geburtstagsfeier des Landrats Jakob Kreidl (CSU) nach oben korrigiert. Demnach belaufe sich die Gesamtsumme auf 118.000 Euro, die fast vollständig von der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee und dem Landratsamt Miesbach bezahlt worden war. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk am vergangenen Donnerstag hatte Kreidl die Kosten für das Fest zu seinem 60. Geburtstag mit etwa 350 Gästen noch auf 70.000 Euro beziffert.

          Der Anteil des Landkreises wurde im Öffentlichkeits-Etat verbucht; der Kreistag hatte zuvor zugestimmt, 25.000 Euro für die Feier des Landrats zuzuschießen. Für die Differenz von 8000 Euro hatten der Landrat und seine Vertreter keine Zustimmung gebraucht, da sich die Summe im vorher festgelegten Verfügungsrahmen bewegt hatte.

          Opposition: Das muss Konsequenzen haben

          Die Opposition im bayerischen Landtag empört sich über das Verhalten des CSU-Politikers. Am Montag hatten die Generalsekretärin der Bayern-SPD, Natascha Kohnen und die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Margarete Bause die Abwahl Kreidls bei der anstehenden Landratswahl im März gefordert. „Kreidl bewegt sich weit außerhalb des von der CSU festgelegten Verhaltenskodexes. Das muss Konsequenzen haben“, sagte Bause zu FAZ.NET.

          Bei dem angesprochenen Verhaltenskodex handelt es sich um eine vom CSU-Ehrenvorsitzenden Theo Waigel entworfene Richtlinie, die er kurz vor Weihnachten präsentierte. Darin ruft er alle CSU-Mandatsträger, also auch Landräte, dazu auf, Privates und Geschäftliches strikt zu trennen. Öffentliche Gelder müssen laut dem Verhaltenskodex sparsam eingesetzt werden, Mandatsträger sollen Ihr Amt nicht für private Zwecke ausnutzen. „Der Landrat hat mehrfach gegen dieses Kodex verstoßen“, sagte Bause.

          Nach Informationen des Landratsamtes Miesbach hatte die Kreissparkasse 77.000 Euro, das Landratsamt 33.000 Euro der insgesamt 118.000 Euro teuren Geburtstagsfeier im Bauernhofmuseum in Schliersee bezahlt. Neben zahlreichen hohen CSU-Politikern zählten auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, die damalige Bundesministerin Ilse Aigner und der Münchner Kardinal Reinhard Marx zu den Gästen.

          Sparkasse verteidigt Kostenbeteiligung

          Kreidl steht nicht zum ersten Mal im Blickpunkt der Öffentlichkeit: Die Bundeswehr-Universität München hatte dem 61 Jahre alten Landrat erst im Dezember vergangenen Jahres seinen Doktortitel aberkannt, nachdem im März bekannt geworden war, dass Kreidl weite Teile seiner Promotionsarbeit abgeschrieben hatte. Außerdem geriet er im Zuge der sogenannten Verwandtenaffäre in die Kritik, weil er in seiner Zeit als Landtagsabgeordneter seine Frau jahrelang auf Staatskosten als Mitarbeiterin beschäftigt hatte.

          Unterdessen verteidigte die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee ihre hohe Kostenbeteiligung für die umstrittene Geburtstagsfeier mit der Bindung ihrer Kunden: „Wann kommt man als Kunde schon einmal mit dem Ministerpräsidenten und dem Kardinal zusammen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse, Martin Mihalovits.

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