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CSU-Kommentar : Ohne sich zu zerlegen

Söder hatte in Passau ein Heimspiel. Seehofers Auswärtspartie in Berlin wird, weil Merkel nicht das Justizministerium für die Union forderte, viel schwieriger werden.

          Es hat doch alles sein Gutes. Wenn die SPD nicht kurz vor der Implosion stünde, dann müsste sie jetzt vor Neid platzen. Die CSU führt dem bisherigen und möglicherweise auch künftigen Koalitionspartner im Bund gerade vor, wie man den Mann an der Spitze ablöst, ohne dabei gleich die ganze Partei zu zerlegen – und das, obwohl es zwischen den Großkopferten in der CSU nicht viel weniger Animositäten gibt als in der Führungsriege der Sozialdemokraten.

          Doch selbst Seehofer kann sich besser beherrschen als der eine oder andere Genosse. Der scheidende bayerische Ministerpräsident ist, nachdem er in Berlin wie ein Löwe für sich, seine Partei und die Heimat gekämpft hatte, rechtzeitig krank geworden, um auf dem CSU-Festival in Passau nicht in einen Sängerwettstreit mit seinem ebenfalls stimmgewaltigen Nachfolger eintreten zu müssen. So konnte Söder schon zum dem Landesvater vorbehaltenen Defiliermarsch einziehen und sich als Retter des christlichen Abendlandes präsentieren, jedenfalls innerhalb der Grenzen Bayerns. Und um Nordrhein-Westfalen hat man sich in Passau noch nie Sorgen gemacht, am Aschermittwoch schon gar nicht.

          Innere Sicherheit, Einwanderung, Integration, Abschiebung

          Dennoch sind auch die Aussichten der CSU noch nicht ganz so weiß-himmelblau, wie das im Passauer Starkrhetorikdunst dem einen oder anderen Zuhörer vielleicht erscheinen mochte. Um Söder muss man sich keine Sorgen machen. Er wird seinen Teil dazu beitragen, dass die CSU in der Landtagswahl im Herbst auf vierzig plus x Prozent kommt. Schwieriger wird das Auswärtsspiel für den „Superminister“ Seehofer in Berlin. Im Siegestaumel nach der Nacht des langen Schweigens übersah der neue schwarze Sheriff, dass gemäß den Vereinbarungen mit der SPD das Justizministerium bei den Sozialdemokraten bleibt. Der Justizminister aber kann den Innenminister so gut wie überall ausbremsen, vor allem bei den Themen, die den Deutschen am meisten auf den Nägeln brennen: innere Sicherheit, Einwanderung, Integration, Abschiebung.

          Die CDU hat immer noch schwer daran zu kauen, dass Merkel das Finanzressort der SPD überließ, weil die mit dem Ruf „Finanzen oder Tod“ in die Verhandlungen gezogen war. Dass die CDU-Vorsitzende im Gegenzug aber nicht wenigstens das Justizministerium für die Union beanspruchte, war ein Versäumnis, das der CSU-Vorsitzende noch schmerzlich zu spüren bekommen wird.

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