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CSU-Klausur in Kreuth : Der Kardinaljodler

  • -Aktualisiert am

Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer beantwortet Fragen bei seiner Ankunft zur Winterklausur in Kreuth Bild: dpa

Zu Beginn der traditionellen Klausur in Kreuth rempelt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer erst einmal den Münchner Erzbischof Marx an. Der Kardinal missbilligt die aktuelle Asylpolitik der CSU.

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          Die Kreuther Klausurtagung der CSU, die am Mittwoch begonnen hat, ist berühmt für ihre saisonalen Jodler – strikt politisch gesehen. Die Partei Horst Seehofers sucht mit ihnen alljährlich die Aufmerksamkeit der Republik auf sich zu ziehen. Eine Fülle des Wohllauts wird dabei nicht angestrebt; es geht darum, möglichst auch noch in der norddeutschen Tiefebene vernommen zu werden.

          Der schnelle Wechsel zwischen politischer Brust- und Falsettstimme will allerdings beherrscht werden. Seehofer, scheiterte am Mittwoch grandios. Sein „So nicht nachvollzuziehen“, mit dem er die Kritik des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, an der Flüchtlingspolitik der CSU belegte, wäre vielleicht noch goutiert worden. Doch dass Seehofer auch noch schulmeisterlich dem Kardinal vorwarf, eine „Binsenweisheit der christlichen Ethik“ nicht zu verstehen, ließ auch enge Gefolgsleute an Seehofers Stimmsicherheit zweifeln.

          Die CSU hat unter ihm ohnehin viel von ihrer einstigen Selbstgewissheit eingebüßt; so recht weiß sie nie, was ihr Vorsitzender gerade zu intonieren beabsichtigt. Mit seinem verunglückten Königsjodler – genauer gesagt Kardinaljodler – dürfte Seehofer die Unsicherheit noch gesteigert haben. Erleichtert wurde in Kreuth registriert, dass Marx nicht in der gleichen Weise antwortete. Der Kardinal ließ durch einen Sprecher lediglich mitteilen, die Kirche sei „in einem ständigen und guten Dialog mit der bayerischen Staatsregierung über die Flüchtlingspolitik“.

          Das Katholische Büro Bayern sei Mitglied im Krisenstab der Staatsregierung. „Festzuhalten ist, dass in vielen Punkten Übereinstimmung besteht, wenn notwendig, führen wir auch kritische und zugleich konstruktive Gespräche“, sagte der Sprecher, ganz urbane Höflichkeit gegenüber gebirglerischer Grobheit.

          Bayern : Seehofer will keine Personaldiskussion

          Marx selbst ist nicht immer so diplomatisch, auch wenn er als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz gleichsam qua Amt dazu verpflichtet ist - geschadet hat ihm das in Bayern bislang nicht, eher im Gegenteil. Die Bayern schätzen eine deutliche Aussprache auch.

          Seehofer als Fachmann für christliche Ethik

          Dass Seehofer sich gegenüber dem Kardinal aber als Fachmann für christliche Ethik aufschwang, dürfte nicht unter diese Kategorie subsumiert werden, zumal Seehofer damit eine Bitte an Marx um ein persönlichen Gespräch verband. Rempeln und einladen – das möge in der politischen Arena gehen, aber nicht gegenüber einem Kardinal, schüttelten CSU-Granden in Kreuth der Kopf.

          Erinnerungen wurden wach an Zeiten, in denen Alois Glück es vermochte, bei aller Unterschiedlichkeit der politischen und kirchlichen Sphären das Verbindende herauszustellen.

          Glück ist als Stimme der CSU verstummt, das gebietet seine Amt als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Ein leiser Widerhall der Politik, für die Glück in seiner Partei stand, fand sich am Mittwoch bei Gerda Hasselfeldt, der Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Bundestag.

          Wer ihr zuhörte, fand nichts von einer ethischen Klippschule wieder, von einem Kardinaljodler ganz zu schweigen. Sie pflichtete dem Kardinal bei, dass es nicht einfach sei, zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge zu unterscheiden; man sehe das den Leuten nicht an, sagte Hasselfeldt. Jeder habe das Recht, ein Asylverfahren zu durchlaufen; wer dabei aber keine Verfolgung glaubhaft machen könne, müsse abgeschoben werden. Der CSU gehe es nur um effizientere Verfahren wie sie in der Schweiz und den Niederlanden erprobt würden.

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