https://www.faz.net/-gpf-9ivjk
Bildbeschreibung einblenden

CSU : Jetzt muss Söder allein klarkommen

Am Ziel: Markus Söder (r.), jetzt bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender. Neben ihm: sein langjähriger Rivale Horst Seehofer Bild: dpa

Auch am Tag des Übergangs kommen Seehofer und Söder nicht ohne Spitzen gegeneinander aus. In Zukunft muss Söder allein für den Unterhaltungswert sorgen – und für die bundespolitische Relevanz der CSU.

          4 Min.

          Gewinner können großzügig sein, das zeigt Markus Söder am Samstag in der Kleinen Olympiahalle in München. In seiner Rede betont er Gemeinsamkeiten mit Horst Seehofer – beide kämen sie aus kleinen Verhältnissen und verdankten der CSU alles. Söder sagt, er habe gemeinsam mit dem scheidenden Parteivorsitzenden viel Positives für Bayern angestoßen, von diesem viel gelernt. Und er schlägt vor, Seehofer neben Theo Waigel und Edmund Stoiber zum Ehrenvorsitzenden der Partei zu machen.

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Die beiden ewigen Rivalen kommen auch an dem Tag, der ihren Konflikt, zumindest formell, auflösen soll – der Übergabe des Parteivorsitzes vom einen an den anderen – nicht voneinander los. Schließlich war es entsprechend der Parteitagschoreographie an Horst Seehofer, den mehr als 850 Delegierten Söder als Nachfolger vorzuschlagen.

          In den ersten zehn Minuten seiner Abschiedsrede kam der Name „Markus Söder“ allerdings nicht vor. Seehofer wollte über die Wirkung sprechen, die Wirkung seiner Politik. Über das, was er mit der CSU erreicht hat, im Land und im Bund. Und darüber, dass für ihn ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen sei, als er den Christsozialen als Parteivorsitzender dienen durfte. „Ich gebe heute das Amt weiter. Aber es bleibt bei mir ein glühendes Herz für meine politische Familie CSU“, sagte Seehofer.

          Mit einer emotionalen, aber auch humorvollen Rede verabschiedete sich Seehofer – ohne zu verschweigen, dass er auch unter seiner Partei gelitten hat. Und so liegt Gewicht in den Sätzen, die Seehofer gegen Ende seiner Rede formuliert: „Mein Werk ist getan, Markus Söder habe ich als Nachfolger vorgeschlagen.“ Die Formulierung mutet fast schon biblisch an. Er, der viele Jahre lang mit allen Mitteln versucht hat, den ehrgeizigen Franken in der Staatskanzlei und als Parteivorsitzenden zu verhindern, muss jetzt hinnehmen, dass ihm ebendieser im zweiten Amt nachfolgt. Das politische Schicksal hat zugeschlagen.

          Seehofer hat diesen Twist – an dem viele in seiner Partei aktiv mitgearbeitet haben –, so scheint es am Samstag, wenn vielleicht nicht verarbeitet, so doch zumindest so weit akzeptiert, dass er öffentlich darüber scherzen kann. „Am schwierigsten dürfte es sein, Markus, dass du dich jetzt nur noch mit dir selbst koordinieren musst“, sagt Seehofer, sicher auch mit Blick auf die konfliktträchtige Zusammenarbeit mit seinem Lieblingsrivalen in den vergangenen Jahren. Selbstgespräche seien nicht immer ganz einfach, fügt er hinzu und schmunzelt. Die Delegierten lachen – und zum ersten Mal wendet sich der Saal wohlwollend und nicht nur höflich dem scheidenden Parteivorsitzenden zu.

          Der setzt noch eins drauf und zitiert aus seinem Horoskop – er ist Krebs –, das er am Morgen in seiner Heimatzeitung „Donaukurier“ gelesen habe: „Sie verlieren keinesfalls Ihr Gesicht, wenn Sie eine bereits getroffene Entscheidung revidieren.“ Vor einigen Jahren hätte er das noch als Auftrag interpretiert, sagt Seehofer unter Gelächter. „Heute fehlt mir dazu die Risikobereitschaft.“

          Söder hat das Teamplay entdeckt

          Das nimmt man ihm nicht ganz ab. Aber Seehofer spürt wohl auch an diesem besonderen Tag mehr als deutlich, dass sich seine Partei innerlich schon von ihm als Parteichef verabschiedet hat. „Macht’s es gut“, sagt er noch, bevor er Platz macht auf der Bühne.

          Söder redet länger als Seehofer, geht auf die schwierige Landtagswahl ein, auf seine Vision für eine modernere, jüngere, weiblichere CSU, die „lässig, nicht spießig“ ist. Und er keilt gegen die Grünen, gegen den Bundesvorsitzenden Robert Habeck und die Landesvorsitzende Katharina Schulze. „Wir überlassen unser Bayern nicht den Grünen“, ist sein Tenor, und damit trifft er bei den Delegierten einen Nerv.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.