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CSU-Fraktionschef Kreuzer : Der nicht mit der Zeit geht

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Die Distanz beruht auf Gegenseitigkeit. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ludwig Hartmann urteilt über Kreuzer: „Der hat bis heute nicht akzeptiert, dass sich politische Mehrheiten im Land auch mal ändern können.“ In der Debatte, ob der Klimaschutz in der Verfassung verankert werden solle, habe Kreuzer der grünen Fraktionsführung gegenübergesessen und gegrummelt: „Wenn das jetzt nicht kommt, dann schließt sich das Fenster.“ „Geht es hier um Überzeugung? Oder Erpressung?“, fragt Hartmann. Jedenfalls sei es für Kreuzer „sichtlich eine Zumutung gewesen, dass er darüber überhaupt mit uns sprechen muss“.

Ist die Zeit über ihn hinweggegangen?

Kreuzer, der auf die Jagd geht und ab und an reitet, nimmt für sich in Anspruch, dass er sich mit seinem landwirtschaftlichen Hintergrund, aber auch in seinem katholischen Glauben sehr wohl um die Schöpfung sorge. Im Landtag hat er immer wieder ausgeführt, warum Bayern für den Naturschutz mehr mache als jedes andere Bundesland. Als dann aber das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ auf die CSU zurollte, hat das nicht mehr verfangen. Söder musste umsteuern – und Kreuzer die Fraktion vom neuen ökologischen Kurs überzeugen.

Ist die Zeit über ihn hinweggegangen? Zuletzt wurde spekuliert, ob Söder das bevorstehende Ausscheiden des Verkehrsministers Hans Reichhart aus dem Kabinett – er bewirbt sich um einen Landratsposten – zum Anlass nehmen könnte, Kreuzer in ein Ministeramt wegzuloben. An die Fraktionsspitze könnte dann CSU-Generalsekretär Markus Blume rücken, der besser in die Zeit zu passen scheint. Aber einerseits hat Blume in der Fraktion nicht nur Freunde, andererseits gibt es viele, die glauben, die CSU brauche auch Leute wie Kreuzer, sonst verliere sie ganz ihr Gesicht. Er selbst sagt: „Es ist wichtig, dass es in einer Volkspartei unterschiedliche inhaltliche Schwerpunktsetzungen und unterschiedliche Stile gibt. Man braucht Typen, die die Jugend ansprechen, aber nicht nur.“ Im Übrigen sei ihm sein jetziges Amt das liebste.

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Man sollte Kreuzer jedenfalls nicht abschreiben. Nicht zuletzt auf ihn ist zurückzuführen, dass die Maßnahmen zu Arten- und Klimaschutz nicht radikaler – oder konsequenter – ausgefallen sind. Auch in der Migrationspolitik könnte das Pendel wieder in seine Richtung ausschlagen. Kreuzer war immer der Ansicht, dass der Druck, den die CSU vor gut einem Jahr auch auf die Schwesterpartei ausgeübt hatte, dem Grundsatz nach richtig war. Zuletzt gehörte er zu denen, die Bundesinnenminister Seehofer deutlich kritisiert haben, als der zugesagt hatte, 25 Prozent der aus dem Mittelmeer geretteten Flüchtlinge aufzunehmen. Bei der Herbstklausur seiner Fraktion in Banz sagte Kreuzer, so würden falsche Anreize gesetzt. Söder stand neben ihm und ließ wissen, er haben dem nichts hinzuzufügen.

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