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Crystal-Meth-Prozess in Berlin : Kontaktfrau Silke C.

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Geschäfte in der Kleingartenkolonie: Michael Hartmann, der zurückgetretene innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Bild: dpa

Von ihr soll Michael Hartmann Crystal-Meth bezogen haben. Silke C. hat nun vor dem Berliner Landgericht ein Geständnis abgelegt. Das offenbart vor allem, in welches Milieu sich der Bundestagsabgeordnete begeben hat.

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          Die SPD-Führung sei bestürzt, sagt SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Bestürzt darüber, dass Michael Hartmann, der Bundestagsabgeordnete aus den eigenen Reihen, „gegebenenfalls als Abhängiger betroffen ist“. Sie gehe davon aus, dass er eine Betreuung brauche und sie auch selbst suche. Crystal Meth sei eine „hochgefährliche Droge“, sagt Fahimi am Montag. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, stimmt dem zu. Die CSU-Abgeordnete war am Montagmorgen vor die Presse getreten, um ihren Drogenbericht vorzustellen. Mortler sagt, sie wolle die Bekämpfung des synthetischen Rauschmittels Methamphetamin zu ihrem Thema machen. Über Hartmann, gegen den wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz ermittelt wird, will sie jedoch nur soviel sagen: Natürlich mache sie sich Gedanken. Sie sei betroffen. Noch aber liefen die Ermittlungen gegen den SPD-Politiker, daher beteilige sie sich „nicht an irgendwelchen Spekulationen“. Hartmann selbst äußert sich weiterhin nicht öffentlich. Über seinen Anwalt Johannes Eisenberg hatte er dies bereits in der vergangenen Woche mitgeteilt. Wohl aber werde er gegenüber den Ermittlungsbehörden die erforderlichen Stellungnahmen abgeben.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Zur gleichen Zeit, zu der Mortler ihren Drogenbericht präsentiert, legt die 43 Jahre alte Silke C. vor dem Berliner Landgericht ein Geständnis ab – genauer gesagt, ihr Anwalt tut es für sie. Die Angeklagte steht hernach aber Richter und Staatsanwalt Rede und Antwort. Unter den Zuschauern sitzt auch Hartmanns Anwalt Eisenberg. Der Richter wendet sich an die Journalisten im Publikum: Falls diese wegen eines gewissen Falls, der kürzlich „durch die Gazetten“ gegangen sei, den Weg ins Kriminalgericht in Moabit gefunden hätten, müsse er diese enttäuschen: Um den werde es nicht gehen. Das Interesse des Gerichts gilt den Lieferanten der Angeklagten, nicht den Abnehmern.

          Die Kinder wurden als Druckmittel eingesetzt

          Das Geständnis und die folgende Vernehmung der Angeklagten offenbaren indes, in welches Milieu sich Hartmann, bis Ende vergangener Woche innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und Mitglied des Parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste, begab, als er mutmaßlich in der Kleingartenkolonie „Samoa“ in Berlin-Schöneberg bei Silke C. das extrem schnell süchtig machende Rauschmittel bezog. Mehrfach soll Hartmann per SMS von seinem [...] Handy das Rauschmittel bei ihr bestellt haben, so die [...]. Und so ging er auch den Fahndern ins Netz.

          Die Angeklagte würde, so verlas es der Verteidiger, die vergangenen drei Jahre am liebsten „neu leben“ – 39 Jahre habe sie nämlich straf- und drogenfrei gelebt. Sie habe allerdings in der Vergangenheit Gewalterfahrungen durchleben müssen. Aufgrund ihrer späteren Depressionen, die medikamentös behandelt worden seien, habe sie keiner Beschäftigung nachgehen können und Erwerbsminderungsrente bezogen. Über ihren Freund und späteren Ehemann sei sie an Drogen geraten und habe die Anti-Depressiva durch Rauschmittel ersetzt. Mittels der Kontakte ihres Mannes, von dem sie sich später getrennt habe, sei sie auch an eine Crystal-Meth-Dealerszene in Leipzig geraten, habe die Droge in einer „Grundmenge“ von 50 bis 100 Gramm gekauft (ein Zehntelgramm sind eine Portion).

          An Weihnachten wegen der Feiertage auch einmal 300, in zwei Chargen von 150 Gramm, weil sie die Gesamtmenge nicht gleich habe zahlen können bei einem Einkaufspreis von 45 Euro pro Gramm. Der Verkaufspreis habe bei 60 Euro gelegen. Mit dem Gewinn habe sie ihren Lebensunterhalt bestritten und sich einen Kleinwagen geleistet. Immer wieder habe sie aussteigen wollen aus der Dealerszene, sei aber unter Druck gesetzt worden: Sie müsse weitermachen und auch größere Mengen abnehmen. Auch ihre Kinder seien als Druckmittel eingesetzt worden. Diesen werde man von ihrem eigenen Drogengebrauch erzählen. Etwa ein Gramm pro Woche habe sie selbst konsumiert.

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