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Ansprache zur Corona-Krise : Merkel: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst“

  • -Aktualisiert am

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Fernsehansprache Bild: dpa

Die Bundeskanzlerin appelliert an die Deutschen: „Halten Sie sich an die Regeln.“ Sie fragt: „Wie viele geliebte Menschen werden wir verlieren?“ Das hänge jetzt von jedem Einzelnen ab.

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          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Corona-Pandemie als eine der größten Herausforderung für die deutsche Gesellschaft bezeichnet: „Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt.“ Sie richtete sich mit dieser Feststellung in einer Fernsehansprache an die Deutschen, was sie als „ungewöhnlichen Weg“ bezeichnete. Das Virus verändere das Leben dramatisch, sagte Merkel.

          Eckart Lohse
          (elo.), Politik

          Die Vorstellung von Normalität, von öffentlichem Leben, von sozialen Miteinander würden auf die Probe gestellt wie nie zuvor, so die Bundeskanzlerin. „Eine Epidemie“ zeige, „wie verwundbar wir alle sind, wie abhängig von dem rücksichtsvollen Verhalten anderer aber damit eben auch: wie wir durch gemeinsames Handeln uns schützen und gegenseitig stärken können“. Merkel appellierte: „Halten Sie sich an die Regeln, die nun für die nächste Zeit gelten.“ Die Regierung werde stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch, was womöglich noch nötig sei.

          Die Kanzlerin bat die Bürger, den Kampf gegen das Virus als „ihre Aufgabe“ zu betrachten. Wenn das so sei, glaube sie fest daran, dass „wir diese Aufgabe bestehen“. Sie mahnte, die Herausforderung nicht zu unterschätzen: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst“, forderte Merkel.

          „Wie viele geliebte Menschen werden wir verlieren?“

          „Seit der Deutschen Einheit, nein, seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt.“ Auch wenn sie sich „vollkommen sicher“ sei, dass die Krise überwunden werde, stelle sich die Frage: „Wie hoch werden die Opfer sein? Wie viele geliebte Menschen werden wir verlieren?“  Die Situation sei ernst und sie sei offen.

          Die Bundeskanzlerin zeigte Verständnis dafür, dass angesichts der Lage Sorgen bestünden. „Natürlich ist jeder von uns in solch einer Situation voller Fragen und voller Sorgen, wie es weitergeht.“ Es werde weltweit unter Hochdruck geforscht, aber noch gebe es weder eine Therapie gegen das Corona-Virus noch einen Impfstoff. „Solange das so ist, gibt es nur eines, und das ist die Richtschnur all unseres Handelns: die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, sie über die Monate zu strecken und so Zeit zu gewinnen.“

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          Die Zeit werde gebraucht, damit die Forschung ein Medikament und einen Impfstoff entwickeln kann. „Aber vor allem auch Zeit, damit diejenigen, die erkranken, bestmöglich versorgt werden können“, äußerte die Bundeskanzlerin. Es gehe darum, das Virus auf seinem „Weg durch Deutschland zu verlangsamen“. Dabei müsse das „öffentliche Leben“, soweit es gehe heruntergefahren werden.

          „Die nächsten Wochen werden noch schwerer“

          Merkel erinnerte an ihre Vergangenheit in der DDR: „Lassen Sie mich versichern: Für jemandem wie mich, für die Reise- und Bewegungsfreiheit ein schwer erkämpftes Recht waren, sind solche Einschränkungen nur in der absoluten Notwendigkeit zu rechtfertigen.“ Diese sollten in einer Demokratie nie leichtfertig und nur temporär beschlossen werden, aber sie seien im Moment unverzichtbar, um Leben zu retten.

          Für die Wirtschaft, die großen Unternehmen genau wie die kleinen Betriebe, für Geschäfte, Restaurants, Freiberufler sei es jetzt schon sehr schwer. Die nächsten Wochen würden noch schwerer. Sie versicherte, die Bundesregierung tue alles, was sie könne, um die wirtschaftlichen Auswirkungen abzufedern und Arbeitsplätze zu bewahren. Alle Menschen könnten sich darauf verlassen, dass die Lebensmittelversorgung jederzeit gesichert sei.

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