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Ergebnisse ab nächster Woche : Am Beispiel von Heinsberg die Pandemie verstehen

  • -Aktualisiert am

Mobile Teststation in Gangelt im Landkreis Heinsberg Bild: Reuters

Heinsberg gilt als „Erstregion“ der Pandemie in Deutschland: Virologen wollen dort verstehen, wie sich das Virus verbreitet, welche Immunisierung es gibt – und der Politik Anhaltspunkte geben, wann Einschränkungen gelockert werden können.

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          Das Land Nordrhein-Westfalen lässt Virologen am Beispiel des Landkreises Heinsberg erforschen, wie die Corona-Krise am besten überwunden werden und wann schrittweise mit der Lockerung der strikten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus begonnen werden kann. Der Virologe Hendrik Streeck von der Universität Bonn werde in den kommenden Wochen gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern im Kreis Heinsberg Untersuchungen vornehmen, sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). In dem nahe Aachen gelegenen Kreis habe es früher als an allen anderen Orten in Deutschland eine Vielzahl von Corona-Infizierten gegeben, er sei damit „die Erstregion – von hier aus lassen sich wichtige Erkenntnisse für ganz Deutschland ableiten“. Es gehe darum „heute schon an morgen zu denken“. Denn einen Zustand wie aktuell könne Deutschland sozial, wirtschaftlich und gesundheitlich nicht auf Dauer durchhalten.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Im Kreis Heinsberg waren zur Karnevalszeit die ersten Corona-Infektionen in Nordrhein-Westfalen aufgetreten, er entwickelte sich rasch zum bisher größten Cluster in Deutschland, zugleich versuchte der Kreis unter Führung von Landrat Stephan Pusch (CDU) möglichst rasch unter anderem mit Schulschließungen gegenzusteuern. Nach Einschätzung von Fachleuten ist die Corona-Entwicklung in Heinsberg der Entwicklung im Rest Deutschlands etwa zweieinhalb Wochen voraus. Am Freitag gab es in dem Kreis 1150 Erkrankte, bisher 29 Menschen sind dort an dem Virus gestorben; zuletzt hat sich die Ausbreitungsdynamik deutlich verlangsamt.

          Studie soll nicht länger als zwei Wochen dauern

          Heinsberg könne als Forschungsbeispiel und Modellregion dienen, sagte Laschet. Ziel sei es, „wissenschaftlich fundiert herauszufinden, welche der ergriffenen Maßnahmen und tiefen Einschnitte in das Leben der Bürger weiterhin virologisch und epidemiologisch sinnvoll sind und welche nicht“. Streeck, der im Kreis Heinsberg schon in den vergangenen Wochen einige Aspekte erforschen konnte, sagte, in der aktuellen Situation sei es Aufgabe der Wissenschaft, für die Politik rasch Fakten zu liefern. Er hoffe, dass die „Covid-19 Case-Cluster-Study“ nicht länger als zwei Wochen dauere und der Landesregierung schon in der kommenden Woche erste Ergebnisse vorgelegt werden könnten.

          Ziel der Studie soll es unter anderem sein, durch die systematische Untersuchung von 1000 Personen die Dunkelziffer von Corona-Infizierten und denjenigen herauszufinden, die bereits eine Infektion durchgemacht haben. Erst wenn man die Dunkelziffer in einer definierten Population wie im Kreis Heinsberg ermittelt habe, könne man verstehen, wie gefährlich, wie tödlich das Virus tatsächlich sei. Geprüft werden soll auch, wie effektiv die vorgenommenen Tests waren und wie sich das Virus über Luft, Oberflächen, Alltagsgegenstände wie Fernbedingungen oder Smartphones, Lebensmittel und Wasser übertragen kann.

          Im Rahmen einer Fragebogenstudie sollen Probanden zu Vorerkrankungen und Kausalketten wie Reisen, Nahrung und Tierkontakte interviewt werden. „Wir wollen Hinweise geben, wie man in Zukunft mit dem Virus umgehen kann und wie wir am besten eine Eindämmung erreichen, ohne dass das Leben in den nächsten Jahren zum Erliegen kommt“, sagte Streeck. Der Virologe sprach sich zudem dafür aus, deutschlandweit die Zahl der Tests möglichst rasch zu erhöhen. Das massenhafte Testen in Südkorea habe gezeigt, dass es damit möglich sei, die Zahl der Neuinfektionen auf ein Minimum zu drücken. Er sei auch überzeugt, dass die Test-Kapazitäten in Deutschland deutlich und rasch mithilfe kreativer Lösungen erhöht werden könnten. Viele Universitäten arbeiteten daran, bestehende Tests umzufunktionieren.

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