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Aufruf im Internet : Wie Linksextreme Corona für Plünderungen nutzen wollen

Radikaler Protest: Ein Banner, das von Anhängern der linken Szene 2017 in Freiburg gezeigt wurde Bild: dpa

Im Internet rufen Linksextreme dazu auf, den Corona-Ausnahmezustand zu nutzen. Den Aufruf der Regierungen, zu Hause zu bleiben, wollen sie unterwandern – und den „kapitalistischen Körper“ angreifen.

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          Linksextremisten dachten bisher, dass nicht ein Virus, sondern eine revolutionäre Gruppe den Umsturz oder zumindest die radikale Veränderung des Kapitalismus bringen würde. Doch sie haben sich schnell angepasst und Corona in ihr Theoriegebäude eingebaut. Auf der Szeneplattform „Indymedia“ tauchten in den vergangenen Tagen mehrere Texte auf, in denen zu widerständigem Verhalten und Plünderungen aufgerufen wird.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          „Nun ist schließlich jenes destabilisierende Ereignis eingetroffen, das das kapitalistische System blockieren könnte“, schreibt der Nutzer „Antikalypse“. Er spricht vom „kapitalistischem Körper“, in dem sich das Virus mit derselben Geschwindigkeit wie im menschlichen Körper ausbreite. Wenn nun die Bevölkerung den Aufrufen der Regierungen folge und zu Hause bleibe, dann sei das nur ein „neuer Nachweis des Gehorsams“.

          Auf den Schutz von Menschen geht der Autor nicht ein, stattdessen schreibt er: „Im Moment ist das Erste, was wir tun müssen, miteinander zu kommunizieren und nicht, uns zu isolieren.“ Man solle darauf warten, dass sich die Situation weiter zuspitze – „und versuchen wir, unseren revolutionären Beitrag zu den Ausbrüchen von Wut, Ärger, Protesten, Plünderungen und Unruhen zu leisten“. Der Beitrag soll aus Italien stammen, auf „Indymedia“ wird er verbreitet. Es lässt sich nicht überprüfen, ob er tatsächlich von einem Mitglied der linksextremen Szene stammt, allerdings ist das Portal „Indymedia“ für seine authentischen Veröffentlichungen, etwa Bekennerschreiben, bekannt. Auf der Internetseite werden seit vielen Jahren auch Gewaltaufrufe von Linksextremisten veröffentlicht. Das verwandte Portal „Linksunten“ ist inzwischen aus diesem Grund verboten; aus Protest an der Entscheidung war es in Leipzig zu Ausschreitungen gekommen. Die Szene hat aber längst andere Verbreitungskanäle für ihre Botschaften gefunden.

          Das Problem sind die „Herrschenden“

          Auch durch andere Einträge wird deutlich, dass in der linksextremen Szene mit einem länger anhaltenden Ausnahmezustand durch Corona gerechnet wird. Die Gefahr geht ihrer Ansicht aber nicht von dem Virus aus, sondern von der Reaktion der „Herrschenden“: Einsatz des Militärs im Innern, die Errichtung von Grenzen und die generelle Überwachung der Bürger. Der Ausnahmezustand müsse ausgenutzt werden. „An alle militanten Zusammenhänge, Aktivist*innen und Menschen mit Herz. Erhaltet eure Handlungsfähigkeit. Stellt euch auf Ausgangssperren ein. Unterlauft sie“, schreibt „Revolutionäre Antikörper“.

          Man solle jetzt verstärkt in Kontakt mit Personen gehen. Beatrix von Storch, stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, fordert, „Indymedia“ zu verbieten. Das Innenministerium teilt auf Anfrage mit, dass man sich zu Verbotsüberlegungen nicht äußern werde. Außerdem rechne man nicht mit Plünderungen.

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