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Herkunft und Corona : Verdrängt, verdruckst, versäumt

  • -Aktualisiert am

Corona-Impfungen am Montag im Kölner Brennpunktstadtteil Chorweiler Bild: AP

Pandemien sind keine gesellschaftlichen Gleichmacher, wie behauptet wurde. Die Corona-Krise zeigt, wie eng Armut und Krankheit miteinander verbunden sind. Das hätte man wissen können.

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          Politik ist nicht immer kompliziert. Häufig müssen aus trivialen Gründen schnell Entscheidungen getroffen werden. In der Corona-Pandemie verhinderten gleich zwei Lebenslügen konsequentes Handeln: Das Coronavirus ist keineswegs der große „demokratische Gleichmacher“, wie zu Beginn behauptet wurde. Pandemien haben in der Geschichte die soziale Frage immer neu gestellt. Erst wurde dieser Aspekt der Seuchen ignoriert, dann aber auch noch verdrängt, dass Deutschland eine Einwanderungsgesellschaft ist. Die Lebensverhältnisse und damit die Pandemieverhältnisse in Berlin-Neukölln unterscheiden sich von denen in München-Bogenhausen fundamental.

          Sozialmedizinisches Basiswissen spielte in der Corona-Politik dennoch eine untergeordnete Rolle. Seuchen treffen Arme und sozial Benachteiligte immer härter als Wohlsituierte, wie überhaupt viele Erkrankungen vom Status der Patienten abhängen: von sozialer Herkunft, Bildung, beruflicher Position und Wohnverhältnissen. Dieser Aspekt wurde auch regelmäßig ausgeblendet, wenn über das Tübinger Schnelltestmodell diskutiert wurde. Was in einer kleinen, herausgeputzten Universitätsstadt richtig ist, muss nicht für Duisburg-Marxloh das Beste sein.

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