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Corona-Teststellenbetreiber : „Drei Euro sind für viele ein Hindernis“

Covimedical-Chef Christoph Neumeier Bild: Oliver Rüther

Christoph Neumeier leitet etwa 100 Teststellen bundesweit. Er befürchtet, dass die neuen Zuzahlungen viele Bürger vom Testen abhalten. Auch seinen Mitarbeitern verlangt die Reform von Gesundheitsminister Lauterbach einiges ab.

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          Herr Neumeier, für die meisten Menschen kosten Bürgertests jetzt drei Euro. Was bedeutet das für Ihr Geschäft bei Covimedical?

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.

          Die Testzahlen werden massiv einbrechen, das ist sicher. Für viele Menschen werden die drei Euro ein Hindernis darstellen, gerade für jene, denen es wirtschaftlich nicht so gut geht. Für die ist das viel Geld. Schon im vergangenen Jahr waren die Tests ja eine kurze Zeit lang nicht mehr kostenlos, da sind die Zahlen bei uns um 90 Prozent eingebrochen. Unser Geschäft besteht aber nicht nur aus den Bürgertests, sondern auch aus verordneten und bezahlten PCR-Tests.

          Wer weiterhin zu einem kostenlosen Test berechtigt ist, muss ein Formular ausfüllen. Kommt es vor Ort zu Diskussionen mit den Kunden?

          Wir müssen erstmal genau verstehen, wie wir die neuen Regeln genau umsetzen müssen. Die neue Verordnung kam ja sehr kurzfristig. Am Ende ist für die Abrechnung die Selbstauskunft der Kunden maßgeblich. Kinder bis fünf Jahre können sich zum Beispiel kostenlos testen lassen, ab sechs Jahren müssen die Eltern bezahlen. Sollen sich unsere Mitarbeiter jedes Mal im Zweifel den Ausweis oder die Geburtsurkunde zeigen lassen? Wir lassen das gerade rechtlich prüfen und entwickeln eine Strategie, wie wir das umsetzen können, ohne dass es zu Problemen kommt. Ein anderer Punkt, ist, wie wir die Zuzahlungen der Kunden genau abrechnen.

          Was ist das Problem?

          Termine werden bei uns online gebucht, und wer zum Beispiel einen freiwilligen PCR-Test für eine Reise möchte, zahlt dafür vorab online. Für uns ist es am besten, das bei den neuen Bürgertests mit Zuzahlung auch so zu machen, man zahlt die drei Euro also im Netz, wenn man den Termin bucht. Es gibt vor Ort keine Kassen, die man jeden Abend abrechnen muss, und durch digitale Buchungen besteht auch eine hohe Missbrauchs- und Fälschungssicherheit. Wir wollen gerne bei der Lösung bleiben. Da könnten wir aber nun mit der neuen Regelung auf Schwierigkeiten bei der Umsetzung stoßen. Ältere Menschen, die bisher einen kostenlosen Test bekommen hatten, müssten ihn dann bei uns nun digital bezahlen, wissen aber vielleicht nicht, wie das funktioniert. Wenn Testzentren aber auf Barzahlung gehen, ist Missbrauch erneut Tür und Tor geöffnet. Genau das wollte man ja mit der neuen Regelung vermeiden.

          Die Infektionszahlen steigen wieder, aber zuletzt schien es, als wollten viele eine gedankliche Pause von Corona nehmen. Wurde auch weniger getestet?

          Ja, die Auslastung war deutlich geringer als im Frühjahr, als noch Corona-Maßnahmen bestanden. Wir hatten zwar in den vergangenen sechs Wochen wieder 300 Prozent Zuwachs bei den Schnell- und PCR-Tests, aber das ist noch immer am unteren Ende der Auslastung. Die Positivrate der Schnelltests ist zurzeit bei 18 Prozent, bei den PCR-Tests bei über 70 Prozent. Das sind absolute Höchststände und wir befinden uns im Sommer.

          Wie blicken Sie in den Corona-Herbst, was ist Ihre Prognose?

          Ich denke, dass im Herbst wieder sehr viel mehr getestet werden wird. In den beiden ersten Corona-Jahren zogen die zahlen im Herbst stets an, dieses Jahr wird das auch so sein, aber ausgehend von einem deutlich höheren Infektionslevel im Sommer. Wir haben uns darauf ausgerichtet, dass man sich von dem Konzept der Testzentren und Schnelltests löst.

          Wie soll es stattdessen laufen?

          Teststellen vor Ort sind teuer und aufwendig, man muss Räume mieten und Personal einstellen. Genug Mitarbeiter finden wir gerade ohnehin nicht, weil viele wieder in ihren alten Berufen in der Gastronomie oder im Veranstaltungsbereich arbeiten können. Ich stelle mir vor, dass man mit einer guten Logistik und einem Zentrallabor viel besser unterwegs sein kann. Wir arbeiten an einem solchen Modell, bei dem Bürger ihr PCR-Testkit nach Hause geschickt bekommen oder in einem Supermarkt beziehungsweise an einer Tankstelle abholen können. Die Probe wird dann über bestimmte Abwurfboxen oder die Post an uns geschickt und wir werten sie zentral aus. In Wien gibt es ein ähnliches Modell ja schon. Wir planen das für Deutschland und können dann PCR-Tests zum Preis von Bürgertests anbieten. Wenn alles gut läuft, kann es im Herbst damit losgehen.

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