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Corona-Tests von Rückkehrern : Warum es auch in Rheinland-Pfalz hakt

  • -Aktualisiert am

Mit dem Andrang überfordert: Corona-Tests bei Markusberg an der Grenze zu Luxemburg Bild: Reuters

Nicht nur Bayern ist der Menge an Corona-Tests kaum gewachsen: In Rheinland-Pfalz werden die negativen Testergebnisse erst spät übermittelt. Das liegt auch am veralteten Melde- und Informationssystem.

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          Ohne das bayerische Bohei, aber ebenfalls nicht reibungslos testet auch Rheinland-Pfalz Reiserückkehrer auf das Coronavirus. Etwa jene, die aus Spanien, Frankreich und Luxemburg per Auto in die Bundesrepublik zurückkehren. Seit dem 6. August gibt es vier Teststationen speziell für Rückkehrer aus dem Ausland im Grenzbereich zu Frankreich, Luxemburg und Belgien sowie beim Flughafen Hahn im Hunsrück. An den Teststationen wurden bis Mitte vergangener Woche mehr als 8000 Tests durchgeführt, weniger als ein Prozent waren positiv. Aktuelle Zahlen lagen dem zuständigen Gesundheitsministerium am Montag nicht vor.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          In Bayern sind die Dimensionen andere: Fast 130.000 Testungen von Rückkehrern sind erfolgt. Für Empörung sorgte, dass mehr als Tausend Infizierte nur sehr verzögert informiert wurden. 46 Infizierte können nun offenbar gar nicht mehr ermittelt werden. Derlei gibt es in Rheinland-Pfalz nicht, hier ist nach Angaben der Landesregierung die „unverzügliche Information“ von Infizierten sowie von deren zuständigen Gesundheitsämtern sichergestellt; in der Regel erhalten sie innerhalb von zwei Tagen Nachricht. Die negativ Getesteten aber müssen warten, Berichten zufolge bis zu acht Tage. Immer noch werden die Stapel an Meldungen abgearbeitet.

          Auch in Rheinland-Pfalz waren die örtlichen Gesundheitsämter anfangs von dem Ansturm an Testwilligen überfordert, erst durch ein Umschichten von Personal bekommt man nun langsam die Lage in den Griff. Denn die strukturellen Schwierigkeiten sind die selben. „Die Probleme sind ähnlich wie in Bayern. Hätten wir deren Zahlen gehabt, wäre bei uns auch Land unter gewesen“, sagte ein Sprecher des Landkreises Trier-Saarburg.

          Neben dem Personalmangel ist das Grundproblem, dass die Daten der Getesteten wie in Bayern auf ein Papierdokument handschriftlich eingetragen und anschließend ins IT-System eingespeist werden müssen. Die Testergebnisse erhalten die Gesundheitsämter dann per digitalem Fax, dessen Inhalt dann wiederum händisch ins System eingetragen werden muss. Das alles kostet viel Zeit.

          „Nicht im Detail durchdacht“

          Schuld daran sind nicht die Gesundheitsämter und ist nicht die Landesregierung, sondern das deutsche elektronische Melde- und Informationssystem, also mithin der Bund. Es sei dringend notwendig, dass System „mal auf Vordermann zu bringen, dass es funktioniert“, sagte dazu der Leiter des Gesundheitsamtes für Trier und Trier-Saarburg, Harald Michels, dem SWR.

          In den Landkreisen hätte man sich zudem mehr Vorlaufzeit gewünscht. Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angekündigt hatte, kostenlose Tests zu ermöglichen, hatte die Landesregierung in Mainz die Testzentren kurzfristig eingerichtet. Die Kreisverwaltungen erfuhren davon erst aus der Presse. Erschwert wurde die Situation zudem dadurch, dass in den örtlichen Gesundheitsämtern selbst viele Mitarbeiter im Urlaub waren und noch sind. Nach dem Frühjahr waren dort viele an der Belastungsgrenze und nutzten die vermeintliche Ruhephase der Sommerferien mit den gesunkenen Infektionszahlen für die eigene Erholung.

          Die Abläufe seien auch von der rheinland-pfälzischen Landesregierung vor dem Einrichten der Testzentren „nicht im Detail durchdacht“ worden, heißt es nun aus den Kreisverwaltungen. Zugleich wird darauf verwiesen, dass die derzeitige Situation nun mal rasches Reagieren erfordere, und das immer wieder. Erwartet wird nun, dass mit dem Beginn der Schule in Rheinland-Pfalz am Montag der Großteil der Rückkehrer am Wochenende eingetroffen (und getestet worden) sein dürfte. Dass es damit aber nun viel ruhiger für die Gesundheitsämter wird, glaubt kaum einer. Nun kämen vermehrt wieder Erntehelfer, heißt es etwa in Trier.

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