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Impfen und Testen : Wo es bei der Umsetzung hakt

Corona-Impfungen am Freitag in Bayern. Bild: dpa

Betriebsärzte sollen beim Impfen eine wichtige Rolle spielen, doch die politischen Gespräche dazu verzögern sich. Das Robert-Koch-Institut sieht bei der Pandemie eine „negative Trendumkehr“.

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          Die Unklarheiten um das Testen und Impfen gegen das Coronavirus gehen weiter. Eine für Freitagnachmittag geplante Videokonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und einigen ihrer Minister mit Spitzenvertretern von Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften wurde abgesagt, da zuvor „weitere Abstimmungen notwendig sind“. Das  bestätigte Merkels Sprecher Steffen Seibert bei der Regierungspressekonferenz in Berlin.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          „Es gibt noch zu klärende Fragen“, sagte Seibert, ohne konkreter zu werden. Diese Fragen müsse man vor allem der Wirtschaft stellen.  Die Haltung der Bundesregierung sei klar. Sie erwarte, „dass die Unternehmen in Deutschland als gesamtgesellschaftlichen Beitrag ihren Beschäftigten das Angebot von mindestens einem Schnelltest pro Woche machen“, sagte Seibert. Einige Betriebe täten das bereits. „Das zeigt: Es ist absolut möglich.“

          In der Bund-Länder-Konferenz war am Mittwoch beschlossen worden, über die Tests in den Unternehmen noch in der laufenden Woche „abschließend“ zu beraten. Das kann nun nicht erfolgen. Seibert sagte, über den neuen Termin werde er rechtzeitig informieren.

          Auch die Frage nach möglichen Impfungen in den Betrieben stehe auf der Tagesordnung eines solchen Gesprächs: „Da werden die Betriebsärzte eine sehr, sehr nützliche Rolle spielen können.“ Zunächst müsse aber ausreichend Impfstoff vorhanden sein. Sonst bestehe die Gefahr, dass man durch die Beschaffung der Dosen für Beschäftigte anderen Berechtigten den Impfstoff vorenthalte, „besonders vulnerablen Gruppen“, so Seibert.

          Zuvor hatte auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor der Bundespressekonferenz gesagt, die Betriebsärzte sollten in die Impfkampagne einbezogen werden. Zunächst aber gehe es um die Hausärzte. Sie verabreichten den Impfstoff in einigen Ländern jetzt schon in ihren Praxen, von April an werde das dann „routinemäßig“ in ganz Deutschland möglich sein.

          Das bedeute, dass der Großhandel die Impfdosen wie andere Präparate auch mehrfach am Tag an die Apotheken liefere und diese anschließend die Praxen versorgten. Bevor die Betriebsärzte einbezogen werden könnten, müsse einerseits der Lieferablauf der Wirkstoffe im zweiten Quartal klar sein, so Spahn. Andererseits sollten vor den Beschäftigten in den Unternehmen zunächst Personen mit Vorerkrankungen ein Impfangebot erhalten haben.

          Zur neuen Teststrategie, welche die Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch ebenfalls beschlossen hatte, sagte Seibert, die Schnell- und Selbsttests bildeten eine wichtige „Brücke“ bis zu dem Zeitpunkt, an dem ausreichend Impfschutz bestehe. Spahn machte deutlich, der Ausbau der Testkapazität ersetze weder das Impfen noch die Verhaltens- und Hygieneregeln. Er gebe aber „im Alltag zusätzliche Sicherheit“. Schon seit September nutzten viele Menschen Antigen-Schnelltests. Neu sei, dass der Bund von nächstem Montag an die Kosten für einen solchen „Bürgertest“ pro Woche übernehme.

          „Von den Schnelltests sind mehr als genügend verfügbar“, versicherte der Minister. Die Hersteller und Händler könnten liefern, und jedes Testzentrum, jede berechtigte Stelle wisse, wie und wo sich die Produkte beziehen ließen. Deutschland könne das gut organisieren, „wir sind Logistik-Weltmeister“. Größere Schwierigkeiten bereite die örtliche Organisation der Massenabstriche. Denn dafür seien geeignete Örtlichkeiten und ausreichend geschultes Personal erforderlich.

          Spahn dämpfte deshalb zu große Hoffnungen: „Die Tests werden nicht überall gleich am 8. März verfügbar sein.“ Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bestätigte, dass in seinem Bundesland die Bürgertests noch nicht überall zu Wochenbeginn verfügbar sein werden. Man könne nicht sofort „jedem Bürger ein Angebot machen“, werde die Möglichkeiten aber schnell ausweiten. Die Apotheken seien „hoch interessiert“, Tests vorzunehmen, das könne auch im Freien erfolgen.

          Umstellung für private Testzentren

          Die privaten Testzentren, die derzeit 30 Euro nähmen, müssten und würden sich auch schnell umstellen, erwartet Laumann. Der Bund zahlt künftig sechs Euro für das Testmaterial und zwölf Euro für die Probenentnahme und für das Zertifikat. Die Mitarbeiter in Kindergärten und Schulen könnten in Nordrhein-Westfalen jetzt schon zweimal in der Woche getestet werden; etwa ein Drittel mache von dem Angebot Gebrauch. „Ich bin sicher, dass wir die Struktur sehr schnell aufgebaut bekommen“, so Laumann. Um ausreichend Testpersonal zu rekrutieren, werde das Land auf ein zu Pandemiebeginn eingeführtes „Freiwilligen-Register“ zurückgreifen. Es enthalte viele Tausend Helfer, etwa ehemalige Krankenschwestern oder Sprechstundenhilfen.

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