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„Lockdown light“ : Die neue Normalität

Warten auf „Kundschaft“: Ein Mitarbeiter einer Coronavirus-Teststation am Flughafen Köln-Bonn. Bild: AP

Die Pandemie ist nicht überwunden, und sie wird das vermutlich auch noch lange nicht sein. Testpflicht und Quarantäne für Urlauber sind Mahnungen an alle.

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          Die Diskussion darüber, wer die Kosten für die Tests übernehmen soll, denen sich Rückkehrer aus Risikogebieten künftig vernünftigerweise unterziehen müssen, ist nur eine Facette der wieder heftig ausschlagenden Corona-Krise. Und das hängt nicht nur, aber zu einem beachtlichen Teil mit der verstärkten Reisetätigkeit während der Ferienmonate zusammen. Wieder prallen die (Interessen-)Gegensätze zwischen denen aufeinander, deren wirtschaftliche Existenz am Tourismus hängt, und jenen, die das Tempo der Öffnung in den vergangenen Wochen – mit den bekannten Auswüchsen – gesundheitspolitisch mit Unbehagen gesehen haben. In vielen Ländern steigen die Zahlen der Neuinfektionen und der Toten wieder, in der Ferne, in der Nachbarschaft, in unserem Land selbst. Zu Recht machen sich die Fachleute wegen der neuen Entwicklung Sorgen.

          Was das bedeutet, kann man in der Ankündigung der britischen Regierung sehen, Rückkehrern aus Spanien eine Quarantäne zu verordnen, oder in der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Nordostspanien, also auch für Katalonien. Das ist ein schwerer Schlag für die spanische Tourismusbranche mit wahrscheinlich verheerenden Folgen. Die Hoffnung auf eine spürbare Erholung ist weitgehend dahin. Aber die stand von vornherein unter Vorbehalt: dass es nicht zu einer zweiten Welle von Infektionen kommt, dass sich die Leute, und zwar alle, an die Verhaltensregeln halten und dass sie nicht fahrlässig oder leichtsinnig werden. Jetzt weiß man es, leider, besser; deswegen werden vielerorts wieder die Kontakte begrenzt; in Antwerpen wird sogar eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

          Vielleicht wird so die „neue Normalität“ aussehen, ein Wechsel von Öffnung und „Lockdown light“. Denn die Pandemie ist nicht überwunden, und sie wird das vermutlich auch noch lange nicht sein. Das soll nicht heißen, dass öffentliches und privates Leben fortan nur noch im Krisenmodus stattfinden kann; aber das Funktionieren der Wirtschaft und der Betrieb öffentlicher Einrichtungen, von Schulen etwa, hängen in den kommenden Wochen und Monaten vom Verlauf von Covid-19 ab. Da darf man sich nichts vormachen. Testpflicht und Quarantäne für Urlauber sind Mahnungen an alle, sich der eigenen Verantwortung bewusst zu sein – und sich entsprechend zu verhalten.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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