https://www.faz.net/-gpf-ah3o0

25 Millionen Euro Schaden : Corona-Testcenter-Betreiber angeklagt

  • -Aktualisiert am

Ein Testcenter in Dresden Mitte Oktober – inzwischen sind die Tests nicht mehr kostenlos. Bild: dpa

Es geht um einen Millionenschaden: Ein Corona-Schnelltest-Betreiber aus Bochum soll in zahlreichen Teststellen in Deutschland wochenlang viel mehr Proben abgerechnet als durchgeführt haben.

          1 Min.

          Die Staatsanwaltschaft Bochum hat gegen zwei Männer wegen mutmaßlichen Abrechnungsbetrugs in mehreren Corona-Testzentren in Höhe von 25 Millionen Euro Anklage erhoben. Nach Einschätzung der Strafverfolger soll der Geschäftsführer des Unternehmens MediCan zwischen März und April „jeweils das Vielfache der tatsächlich durchgeführten Tests abgerechnet“ haben. Zuvor habe er erkannt, „dass es im Rahmen der Abrechnung aufgrund der pandemiebedingten Besonderheiten unmittelbar keiner Nachweise für die tatsächliche Erbringung der Testungen bedurfte“. Zudem soll er die einzelnen Tests zu Unrecht als ärztlicher Leistungserbringer und damit zu einem höheren Preis abgerechnet haben sowie Sachkosten mitgeteilt haben, die ihm gar nicht entstanden sein sollen.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Dem zweiten Beschuldigten – es handelt sich um den Sohn des Geschäftsführers – wird Beihilfe zum Betrug zur Last gelegt. Er hat nach Einschätzung der Strafverfolger in seiner Funktion als formeller Geschäftsführer von MediCan spätestens nach der März-Vergütung erkannt, dass die Tests nicht ordnungsgemäß abgerechnet worden waren. Gleichwohl habe er in Kauf genommen, dass auch die folgende Abrechnung nicht ordnungsgemäß vonstattengehen würde.

          Lizenz zum Gelddrucken?

          Im Frühjahr entstanden überall in Deutschland zahllose Testcenter. An Massenimpfungen war seinerzeit noch nicht zu denken. Die flächendeckenden und damals noch kostenlosen sogenannten Bürger-Tests waren in Zeiten relativ hoher Indzidenzwerte die einzige Möglichkeit, behutsame Öffnungen von Geschäften und Veranstaltungen abzusichern. Das Geschäft mit den Tests war zeitlich begrenzt, doch ebenso klar war, dass es hochprofitabel sein würde – manche sprachen von einer Lizenz zum Gelddrucken. Konkrete Hinweise auf dubiose Machenschaften ergaben sich dann durch gemeinsame Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Anders als die örtlichen Behörden machten sich die drei Medien die Mühe, in mehreren Städten Mitarbeiter vor Testcentern der Firma MediCan für die Kundenzählung zu postieren. Beim Abgleich mit den Abrechnungen fielen eklatante Differenzen auf.

          Als Einfallstor für kriminelle Machenschaften galten Lücken in der Corona-Testverordnung des Bundes. Sie sah zwar vor, dass die Anbieter alle Daten bis Ende 2024 aufbewahren müssen, so dass Betrugsfälle im Nachhinein aufgedeckt werden können. Kontrollen während der Abrechnung waren aber kompliziert, da die Zentren nur die Zahl der Tests an die Kassenärztlichen Vereinigungen meldeten, nicht aber die Daten der getesteten Personen.

          Wissen war nie wertvoller

          Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Weitere Themen

          Lage auf den Salomonen beruhigt sich leicht Video-Seite öffnen

          Nach tagelangen Unruhen : Lage auf den Salomonen beruhigt sich leicht

          Im Pazifikstaat Salomonen hat sich die Lage in der Hauptstadt Honiara am Samstag etwas beruhigt. Tankstellen, Geschäfte und andere Einrichtungen öffneten wieder, die Lage blieb aber angespannt. Zuvor entwickelte sich ein kleiner Protest zu gewalttätigen Ausschreitungen.

          Topmeldungen

          Cem Özdemir auf dem Online-Parteitag der Grünen im Mai 2021

          Cem Özdemir und die Partei : Grüne Kämpfe, grüne Ziele

          Bei den Grünen ist der Aufstand der Parteilinken gegen den Ultrarealo Cem Özdemir verpufft. Glück gehabt. Denn wenn die Partei in der Ampel fürs Klima kämpfen will, muss sie geschlossen sein.

          Kliniken bereiten Triage vor : An den Grenzen der Medizin

          Die Infektionszahlen schießen in die Höhe. Immer mehr Krankenhäuser müssen auf die Triage zurückgreifen. Etwas, das Ärzte eigentlich nur aus Kriegseinsätzen und der Katastrophenmedizin kennen. Aber was bedeutet das genau?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.