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Studie an Schulen : „Kinder wirken eher als Bremsklötze der Infektion“

  • -Aktualisiert am

Schüler einer vierten Klasse sitzen zu Beginn des Unterrichts Anfang Mai in Dresden auf ihren Plätzen. Bild: dpa

Sachsen hat als erstes Bundesland nach dem Lockdown wieder mit dem Schulunterricht begonnen. Eine Studie zeigt: Neue Corona-Hotspots sind dadurch nicht entstanden. Nach den Sommerferien soll auch die Maskenpflicht entfallen.

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          Die Verbreitung des Coronavirus in Kindergärten, Schulen und Familien wurde bisher offenbar überschätzt. Eine Studie der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden, für die seit der Wiedereröffnung der Schulen in Sachsen im Frühjahr mehr als 2000 Schüler und Lehrer auf Antikörper getestet wurden, lieferte weder einen Beleg dafür, dass sich das Virus in Schulen besonders schnell verbreitet, noch dafür, dass es durch Kinder besonders häufig übertragen wird. „Es ist eher das Gegenteil der Fall“, sagte Studienleiter Reinhard Berner, Direktor der Poliklinik für Kinder und Jugendmedizin des Dresdner Universitätsklinikums. „Kinder wirken eher als Bremsklötze der Infektion. Nicht jede Infektion, die bei ihnen ankommt, wird auch weitergegeben.“

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Zudem fanden Mediziner heraus, dass der Immunisierungsgrad gegen Corona „deutlich geringer ausfällt als prognostiziert“. In lediglich zwölf der 2045 untersuchten Blutproben hätten sich zweifelsfrei Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus nachweisen lassen, sagte Berner. „Damit liegt der Immunisierungsgrad in der Gruppe der Studienteilnehmer deutlich unter ein Prozent und weiter unter dem, was wir erwartet hatten.“ Die Immunisierungsrate sei damit heute nicht größer als am Anfang der Pandemie im März.

          Stichproben an 13 Schulen

          Zugleich konnten die Forscher an Schulen, in denen es mindestens einen bestätigten Corona-Fall gab, keine weitere Ausbreitung feststellen. Bei Schülern und bei Lehrern dieser Einrichtungen seien nicht überdurchschnittlich mehr Antikörper nachweisbar gewesen. „Das lässt darauf schließen, dass sich Schulen nicht zu Hotspots entwickelt haben“, sagte Berner.

          Sachsen hatte Mitte April als erstes Bundesland nach dem Lockdown wieder mit einem eingeschränkten Regelbetrieb an Schulen begonnen. Weil es jedoch an Wissen über das Verbreitungsgeschehen des Virus mangelte, hatte das Bildungsministerium in Dresden angeordnet, die Schulöffnung wissenschaftlich zu begleiten.

          Für ihre Stichprobe wählten die Forscher 13 Schulen in den Landkreisen Bautzen und Görlitz sowie in der Landeshauptstadt Dresden aus. Insgesamt wurden rund 1500 Schüler im Alter zwischen 14 und 18 Jahren sowie 500 Lehrer zwischen 30 und 66 Jahren untersucht. In einigen der Schulen hatte es zuvor positiv getestete Corona-Fälle gegeben, zudem gaben fünf Teilnehmer an, dass sie mit Corona infiziert gewesen seien. In weiteren 24 Haushalten aus dem Teilnehmerkreis war zuvor ein Familienmitglied positiv getestet worden.

          Ein Erstklässler mit einem Mund-Nasen-Schutz.

          Dass zusätzlich zu den fünf Teilnehmern, die von ihrer Infektion wussten, lediglich sieben weitere positiv getestet wurden, spreche für eine weit geringere Dunkelziffer als angenommen, so Berner. Zudem lieferten die Ergebnisse Hinweise darauf, dass das Virus in Familien nicht so dynamisch übertragen wird wie angenommen. Lediglich einer der Teilnehmer aus den 24 Haushalten mit einer bekannten Corona-Infektion habe im Test Antikörper aufgewiesen. „Das heißt, dass der größte Teil der Schulkinder trotz eines Infektionsfalls im Haushalt selbst keine Infektion durchgemacht haben“, sagte Berner. „Auch diesen Befund muss man mitbedenken, wenn über Maßnahmen der Kontaktbeschränkung neu zu entscheiden ist.“

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