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Corona-Strategie : Die Kanzlerin im Fernsehsessel

Angela Merkel im Fernsehen bei Anne Will. Bild: NDR/Wolfgang Borrs

Eine Fixierung auf die Kanzlerin ist nicht hilfreich – entspricht aber der Funktion, in der sich die Ministerpräsidenten eingemauert haben.

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          Bedeutsames verkündet die Kanzlerin gern vom Fernsehsessel aus. Vertraulich vor Millionen – das ist Angela Merkels Format. So kann eher beiläufig, aber doch grundlegend die Flüchtlingspolitik erläutert oder nun der Bundeszentralstaat ausbuchstabiert und die rechte Corona-Politik angemahnt werden. Ganz nebenbei lassen sich noch die ohnehin ziemlich klein erscheinenden Ministerpräsidenten und Thronanwärter weiter eindampfen. Aus Bayern kam dieses Mal auch gleich volle Unterstützung und die Bitte, die Rechte der Länder und damit auch des Freistaats noch gern mehr zu beschneiden.

          Doch die Regierungschefs (ja, das sind sie) von Nordrhein-Westfalen und des Saarlands waren nicht ganz so glücklich wie Markus Söder, der sich als folgsamer Klassenbester darstellte. Immerhin lautete Merkels Botschaft, die Länder hätten den Ernst der Lage nicht so ganz begriffen. Bodo Ramelow, obwohl von der Linkspartei ein Ministerpräsident von CDU-Gnaden, störte sich nur am Ton der großen Chefin. Armin Laschet und Tobias Hans dagegen verweisen darauf, dass sie durchaus im „einheitlichen Geist“ (Söder) handelten, dass es aber durchaus unterschiedliche Optionen gebe. Die eine Antwort gibt es in der Tat nicht. Und eine allein kann nichts ändern.

          Merkel freilich muss für sich keine Wahl mehr gewinnen. Es geht aber auch schon um ihr Erbe. Mit ihrer Kanzlerschaft ist die Pandemie verbunden, deren Wirkungen ziemlich viel überstrahlen könnten. Ihre Nachfolger und ihre Partei müssen schon jetzt so überzeugen, dass sie als Bekämpfer der Pandemie, Garanten einer gesellschaftlichen Normalisierung, eines wirtschaftlichen Aufschwungs und generell als Verkünder einer positiven Zukunftsbotschaft Erfolg haben. Eine Fixierung auf die Kanzlerin als helle oder dunkle Sonne, um die alles kreist, ist dabei nicht hilfreich – entspricht aber der Funktion, in der sich die Ministerpräsidenten und Unionsgranden eingemauert haben. Konferenzen sind eigentlich überflüssig. Merkels Tele-Schauen sind abendfüllend und staatstragend. Aber was für ein Staat ist das?

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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