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RKI-Chef Wieler und Jens Spahn : Gesundheitsminister will Sanktionen für „Impfdrängler“ prüfen

RKI-Chef Lothar Wieler und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in Berlin Bild: EPA

Der Gesundheitsminister und der RKI-Chef beurteilen die aktuelle Corona-Lage positiv. Dass auch andere Krankheiten seltener aufträten, sei „ein echter Pluspunkt“. Spahn will sich den Umgang mit abends überzähligen Impfdosen näher anschauen.

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          In den vergangenen Wochen hatte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler kaum positive Nachrichten zu überbringen, am Freitag sah er Deutschland „alles in allem auf einem guten Weg“. Er verwies nicht nur auf die sinkenden Fallzahlen und die Chance, in der kommenden Woche erstmals seit Monaten die landesweite Inzidenz von 60 zu unterschreiten, sondern auch darauf, dass andere Infektionskrankheiten deutlich seltener aufgetreten seien. „Das ist gerade in diesen Pandemie-Zeiten ein echter Pluspunkt“, weil es die Krankenhäuser und Arztpraxen entlaste. Auf den Intensivstationen stabilisiere sich die insgesamt weiterhin gespannte Lage auch deshalb, weil es in diesem Winter so wenige Grippefälle gegeben habe wie selten zuvor.

          Heike Schmoll
          (oll.), Politik

          Die saisonale Grippewelle sei „bisher ausgeblieben“. Wieler sprach von nur 150 schweren Fällen im gesamten Winter und 20 bis 30 Grippeinfektionen pro Woche. Ähnlich entspannt hat sich die Lage auch bei der Anzahl akuter Atemwegserkrankungen. Waren es Anfang Februar 2020 noch 5,6 Millionen, wurden in diesem Jahr nur 900.000 gezählt. Durch die strengeren Hygienevorkehrungen gibt es auch weniger Durchfallerkrankungen und Masernfälle. Im gesamten Jahr 2020 wurden 75 Maserninfektionen gemeldet, normalerweise sind es mehrere hundert.

          Neue Zahlen zu Mutanten in kommender Woche

          Wieler mahnte, die Hygienevorschriften weiter einzuhalten. „Verhindern wir doch alle, wenn immer möglich, Ansteckungen“, appellierte er und erinnerte daran, dass alle Einschränkungen einschließlich der AHA+L-Regeln auch für die ansteckenderen Virusvarianten wirkten. Zu der Ausbreitung der Mutanten, vor allem der britischen und südafrikanischen, wird es erst in der kommenden Woche neue Zahlen geben. Derzeit prüfen die Laborverbünde wieder die positiven PCR-Tests auf Mutanten. Sowohl das Vereinigte Königreich als auch Dänemark hätten die Mutanten nur dadurch unter Kontrolle bekommen, indem sie den Lockdown noch einmal erheblich verschärft hätten, sagte Wieler.

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          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schloss sich der weitgehend positiven Einschätzung an. Die Infektionszahlen sänken derzeit „ermutigend stark“. Dennoch seien größere Lockerungen der Corona-Beschränkungen noch nicht möglich – auch wegen der Gefahr durch die mutierten Viren. „Wenn wir jetzt öffnen, verspielen wir den bisherigen Erfolg dieser sehr schwierigen Maßnahmen.“ Ein harter Winter sei erwartet worden, doch „die Realität fühlt sich nach diesen vielen Wochen noch viel härter an“. Alle wünschten sich den früheren Alltag zurück. Es sei aber besser, jetzt noch „eine Weile“ durchzuhalten, als einen Rückschlag zu riskieren.

          Spahn verwies auf die Einreisebeschränkungen für die Tschechische Republik, die Slowakei und Tirol, die als „Virusvarianten-Gebiete“ eingestuft worden waren. In der Tschechischen Republik gibt es derzeit Inzidenzen von 500 bis 1000 pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Die Grenzregionen in Sachsen und Bayern wären unmittelbar von einem Eintrag betroffen.

          Für „Virusvarianten-Gebiete“ gilt ein grundsätzliches Beförderungsverbot für Fluggesellschaften, Bahn-, Bus- und Schifffahrtsunternehmen. Außerdem müssen Einreisewillige sich vorab auf das Coronavirus testen lassen, wie Spahn ausführte. Darüber hinaus gilt eine Quarantänepflicht nach der Ankunft in Deutschland. Derartige Maßnahmen schmerzten sehr, sagte Spahn. Sie seien aber „für eine gewisse Zeit unumgänglich“, um den weiteren Eintrag der mutierten Coronaviren zu unterbinden. Auch für andere Grenzregionen schloss Spahn vergleichbare Regelungen nicht aus.

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