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Corona : Die Sommerwelle flacht ab

EIne Krankenschwester betreut einen Covid-19-Patienten auf der Intensivstation des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe. Bild: dpa

Es stecken sich weniger Menschen mit dem Virus an, auch werden insgesamt weniger krank. Doch Entwarnung will das Robert-Koch-Institut nicht geben – auch weil die Zahl der Ausbrüche in Pflegeheimen weiter zunimmt.

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          Die gegenwärtige Sommerwelle der Corona-Ansteckungen ist zuletzt weiter abgeflacht. Zu diesem Ergebnis kommt das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem jüngsten Wochenbericht vom Donnerstagabend. Binnen einer Woche ist die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz demnach um etwa ein Fünftel gesunken. Deutlich seltener als zuvor infizierten sich in der letzten Juliwoche junge Menschen zwischen fünf und 19 Jahren; in dieser Altersgruppe ging die Inzidenz um teilweise mehr als ein Drittel zurück.

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.

          Parallel verzeichneten die Fachleute auch weniger Erkrankungen. Das RKI schätzt, dass Ende Juli binnen einer Woche zwischen 600.000 und 1,3 Millionen Menschen bundesweit mit dem Coronavirus in­fiziert waren und dabei Symptome einer akuten Atemwegserkrankung zeigten. Etwa 310.000 Betroffene gin­gen deswegen in diesem Zeitraum zum Arzt.

          Von einer Ansteckung be­troffen ist derzeit auch Bundes­gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Er sei am Donnerstagabend positiv auf das Virus getestet worden, teilte das Ministerium in der Nacht zu Freitag mit. Lauterbach habe „nur leichte Symptome“, er sei vierfach ge­impft und nehme seine Amtsgeschäfte „vorübergehend aus der häus­lichen Isolation“ wahr.

          Auch andere Viren derzeit verbreitet

          Insgesamt geht das RKI davon aus, dass zuletzt etwa 3,3 Millionen Menschen an einer akuten Atemwegserkrankung litten, etwa jeder Dritte ging deswegen zum Arzt. Laut RKI sind diese Werte „deutlich höher als in den Vorjahren um diese Jahreszeit“. Neben dem Coronavirus, das hierzulande inzwischen fast ausschließlich in Gestalt der Omikron-Untervariante BA.5 auftritt, kursieren derzeit auch Rhino- und Para­influenzaviren. Erwachsene stecken sich demnach jedoch derzeit am häufigsten mit Corona an. Erstmals seit Anfang Juni ist die Zahl der Patienten zurückgegangen, die mit positivem Coronatest und akuten Atemwegserkrankungen ins Krankenhaus mussten. Bundesweit wurden etwa 2700 Menschen binnen einer Woche mutmaßlich wegen Covid-19 neu ins Krankenhaus aufgenommen.

          Entwarnung gibt das RKI in seinem Bericht gleichwohl nicht. Den Infektionsdruck in der Bevölkerung be­schreiben die Wissenschaftler nach wie vor als „hoch“. Auch die Belastung des Gesundheitssystems sei entsprechend hoch, obgleich sich die Lage zuletzt etwas verbessert ha­be. „In den kommenden Wochen ist mit ei­ner weiterhin hohen Zahl an Hos­pitalisierungen, intensivmedizinisch zu betreuenden Covid-19-Patientinen und Patienten und Todesfällen, insbesondere in höheren Altersgruppen, zu rechnen“, erwartet das RKI.

          Vor allem der Anstieg der Corona-Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen, in denen Personen mit vergleichsweise hohem Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs untergebracht sind, spielt bei der Beurteilung der Lage eine Rolle. Die Zahl betroffener Einrichtungen stieg binnen einer Woche von 305 auf zuletzt 370, fast 3000 Menschen steckten sich dort binnen weniger Tage neu an.

          Wie stark das Virus vor allem in der ersten Jahreshälfte um sich griff, zeigen neue Krankenkassendaten aus Rheinland-Pfalz. Im ersten Halbjahr waren Arbeitnehmer in dem Bundesland demnach fast siebenmal so häufig wegen Covid-19 krank­ge­schrieben worden wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Omi­kronvariante habe 61 Fehltage je 100 Versicherte verursacht, teilte die Krankenkasse DAK-Gesundheit am Freitag nach Auswertung der Krankschreibungen von mehr als 150.000 Versicherten mit. Insgesamt lag der Krankenstand der Versicherten in Rheinland-Pfalz in dieser Zeit bei 4,5 Prozent der Beschäftigten. Er war damit 0,5 Prozentpunkte höher als im ersten Halbjahr des Jahres 2021.

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