https://www.faz.net/-gpf-9y240

Corona-Schutz auf Kriegsschiff : „Eineinhalb Meter lassen sich nicht einhalten“

Über 230 Soldaten an Bord: Die Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ beim Einlaufen in den Marinehafen in Wilhelmshaven (Archivbild). Bild: ddp

Soziale Distanzierung an Bord eines Kriegsschiffs? Leutnant zur See Friedrich Weishaupt war ein halbes Jahr mit der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ im Einsatz. Er sagt: Kontakte zu vermeiden ist unmöglich.

          1 Min.

          Herr Weishaupt, Abstand halten ist das Gebot der Stunde. Eineinhalb Meter sind hierzulande Pflicht. Funktioniert das auf einem Kriegsschiff?

          Eineinhalb Meter, das lässt sich häufig gar nicht einhalten. Aber die Leute an Bord achten definitiv auf die neuen Hygienemaßstäbe. Man wäscht sich öfter die Hände, und es hängen ja ohnehin schon überall Desinfektionsmittelbehälter. Man muss auf dem engen Raum immer auf Sauberkeit achten. Es wird ja auch jeden Tag für eine Stunde „Reinschiff“ gemacht, also das Schiff geputzt.

          Sie sind auf der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“  im Mittelmeer im Einsatz gewesen. Wie eng ist es da?

          Ich habe sechs Monate lang auf einem Zehn-Mann-Deck von der Größe meines WG-Zimmers gewohnt. Das waren vielleicht zehn Quadratmeter. Sie liegen in Doppelstockbetten und das einzige, was Ihnen Privatsphäre garantiert, ist ein kleiner Vorhang, den Sie zuziehen können.

          Das bedeutet: Kontakte zu vermeiden, ist quasi unmöglich?

          Wenn Sie mit zehn Mann auf zehn Quadratmetern leben, können sie die ebenso wenig vermeiden wie in der Operationszentrale, wo ich gearbeitet habe. Deshalb ist es umso wichtiger, dass jeder seine persönliche Hygiene ernst nimmt und auf seinen Nebenmann genauso achtet wie auf sich selbst. Dazu gehört es auch, einen Kameraden anzusprechen, wenn man merkt: Da stimmt etwas nicht.

          Leutnant zur See Friedrich Weishaupt (22) im Marinehafen von Kiel. Sechs Monate lang stand der gebürtige Berliner an Bord einer Fregatte im Einsatz.

          Vom amerikanischen Flugzeugträger „Theodore Roosevelt“ gab es vor wenigen Tagen die Meldung, dass mehrere Besatzungsmitglieder mit dem Coronavirus infiziert seien. Inzwischen liegt das Schiff im Hafen von Guam in Quarantäne. Was würde in so einem Fall an Bord eines deutschen Schiffes wohl geschehen?

          Natürlich lässt sich in so einem Fall der Personenkreis nur noch schwer eingrenzen. Sie sitzen in der Messe zum Essen mit 20, 30, manchmal auch 40 Menschen zusammen. Deshalb würde wahrscheinlich in so einem Fall auch bei uns die gesamte Besatzung gemeinsam in Quarantäne gehen.

          Das Schiff wäre also dann nicht mehr einsatzbereit?

          Das ist eine medizinische Beurteilung, die ich nicht treffen kann. Grundsätzlich gilt jedenfalls, dass die Infektion eines Einzelnen an Bord im Seebetrieb zur Quarantäne für alle führt. Deshalb müssen wir so penibel auf die Hygieneregeln achten.

          Was tut die Marine derzeit, bevor ein Schiff in See sticht – gibt es so etwas wie eine vorsorgliche Quarantänezeit, um keine infizierten Besatzungsmitglieder mitzunehmen?

          Die Schutzmaßnahmen sind durch den Sanitätsdienst festgelegt und werden natürlich auch von Marinebesatzungen angewendet. Eine pauschale vierzehntägige Quarantäne vor dem Dienst gehört aber nicht dazu.

          Weitere Themen

          „Kein Frieden ohne Gerechtigkeit“

          Neue Proteste in Amerika : „Kein Frieden ohne Gerechtigkeit“

          In Amerika gehen die Proteste mit unverminderter Kraft weiter. Drei frühere Verteidigungsminister sowie 86 weitere frühere Verteidigungspolitiker und Offiziere stellen sich derweil in einem Gastbeitrag gegen Trumps Militär-Drohung.

          Topmeldungen

          Tourismus : Schweiz buhlt um Deutsche

          Den Eidgenossen fehlen die ausländischen Gäste, vielen Hotels droht der Konkurs. Nun wollen sie bei deutschen Touristen punkten – mit praktischen und geldwerten Angeboten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.