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Schärfere Corona-Regeln : „In der Eifel kontrolliert der Nachbar immer mit“

„Die Leute kennen sich, wir haben noch so etwas wie eine soziale Kontrolle in den Gemeinden“: Michael Billen Bild: Marcus Kaufhold

Kaum irgendwo in Deutschland ist der Anteil der Corona-Infizierten so hoch wie in der Eifel. Michael Billen ist Beigeordneter des Kreises Bitburg-Prüm. Er erklärt, wie sich so viele anstecken konnten und was die Verwaltung dagegen unternimmt.

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          Herr Billen, in der Eifel ist der Anteil der Corona-Infizierten gerade so hoch wie sonst nur in Berlin. Was ist da los bei Ihnen?

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Das kann ich Ihnen sagen. Anfang Oktober gab es hier eine private Party, da kamen zwei Leute mit Corona. Sie wussten halt nicht, dass sie infiziert waren. Am nächsten Abend sind die dann auf eine andere Party gegangen und haben wieder Leute angesteckt. Und ein paar von denen, die sich da infiziert haben, sind am dritten Abend auf eine weitere Feier gegangen.

          Da soll noch mal einer sagen, das Landleben sei langweilig.

          Es war das Wochenende mit dem Tag der Deutschen Einheit, die Feiern waren alle im Rahmen der damals geltenden Regeln. Aber die haben wir schnell geändert. Was die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten jetzt entschieden haben, gilt hier schon seit einer Woche. Im öffentlichen Raum sollen Masken getragen werden, bei Sportveranstaltungen haben wir die Zuschauer rausgeworfen. Und vor allem: Private Feiern sind nur noch mit höchstens zehn Personen aus zwei Haushalten erlaubt.

          Wie können Sie sicher sein, dass die Leute sich beim Feiern daran halten?

          Die Polizei fährt schauen. Und in der Eifel kontrolliert der Nachbar immer mit. Da ist der ländliche Raum einfacher als eine Großstadt wie Berlin. Die Leute kennen sich, wir haben noch so etwas wie eine soziale Kontrolle in den Gemeinden.

          Blick auf den Ort Spangdahlem im Eifelkreis Bitburg-Prüm (Archivbild)
          Blick auf den Ort Spangdahlem im Eifelkreis Bitburg-Prüm (Archivbild) : Bild: Reuters

          Rufen gerade viele Leute bei den Behörden an und sagen, was der Nachbar hier veranstaltet, das geht nicht?

          Im Moment traut sich keiner, eine private Feier zu machen. Es ist ganz ruhig gerade. Ich mache mir da auch keine Sorgen, die Leute haben begriffen, was vor sich geht. Im Sommer waren die Infektionszahlen niedrig, es ist nichts passiert, und alles war gut. Jetzt wird klar, auch hier passiert wieder was. Das haben die Menschen verstanden. Trotzdem haben wir gesagt, wir müssen kontrollieren. Polizei und Ordnungsamt fahren jetzt umher.

          Woher wissen die Kontrolleure, in welchem Haus eine Feier stattfindet? Schauen sie den Leuten durch die Fenster ins Wohnzimmer?

          Das ist gar nicht nötig. Wir sind hier in der Eifel. Wenn vor einem Haus fremde Autos parken, dann fällt das auf.

          Wie ist die Lage im Moment?

          Auf den drei Partys haben sich fast 200 Menschen angesteckt. Es haben zwar vor allem Jugendliche gefeiert, doch dabei bleibt es ja nicht. Die jungen Leute gehen abends wieder nach Hause und montags zur Arbeit. Dann merken sie, dass sie sich krank fühlen und machen einen Test. Als uns klar war, wie viele sich angesteckt hatten, haben wir Tests ohne Ende gemacht. Gestern waren es 550, das ist Rekord. Und die Betriebe in der Eifel ziehen auch gut mit. Die sagen ihren Leuten, wenn ihr feiern wart, lasst euch testen. Und wenn ihr sauber seid, dann kommt ihr wieder. Wobei es da eine Besonderheit gab.

          Was ist passiert?

          Eine Firma hat ihren Mitarbeitern schon länger verboten, auf Feiern zu gehen. Das fanden die natürlich nicht gut. Jetzt hat sich die Tochter der Arbeitgeberin auf einer der Partys angesteckt, und die Mutter hat es dann natürlich auch bekommen. Da haben sich ein paar Jugendliche gefreut, dass die Chefin jetzt auch einen auf den Deckel gekriegt hat.

          Hoffentlich wird sie nicht schwer krank. Wie geht es jetzt weiter?

          Wir müssen den Leuten klarmachen, dass wir gerade eine Pandemie bekämpfen. Wir können den Leichtsinn nicht gebrauchen. Das geht einfach nicht. Besser, wir unternehmen jetzt was, als dass wir uns einen zweiten Lockdown ins Haus holen.

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