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Corona-Proteste : Reden, wo reden hilft

  • -Aktualisiert am

Großer Garten: Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) mit Protestierern Bild: dpa

Niemand sollte diskreditiert werden, weil er anderer Meinung ist. Aber wer Blödsinn erzählt, hat kein Recht darauf, ernst genommen zu werden.

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          Wie viel Aufmerksamkeit sollte man denen schenken, die mit der Corona-Politik und den Einschränkungen des öffentlichen Lebens nicht einverstanden sind? Zumal die überwiegende Mehrheit der Deutschen findet, dass der Kurs der Politik richtig ist. Das Recht auf Meinungsfreiheit, und gesagt werden darf hierzulande – Demokratie sei Dank – ja auch der größte Blödsinn, ist kein Recht darauf, ernst genommen werden. Da gehört schon mehr dazu, als die eigene Patchworkideologie spuckend Polizisten mit Mundschutz entgegenzubrüllen.

          Daraus abzuleiten, wie es die selbsternannten „Widerstandskämpfer“ tun, dass sich darin nur das dunkle und totalitäre Gesicht des Staates zeige, ist gefährlich und selbstgerecht. Wer die Augen permanent verschließt, dessen eigenes Weltbild kann nicht erschüttert werden. Und der oder die kann auch nicht erhellt werden vom leuchtenden Gesicht des Staates, von denen, die wahrlich Gesicht zeigen.

          Am Samstag war der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer im Großen Garten in Dresden unterwegs. Er wurde dicht umlagert und war kritischen Fragen und abstrusen Unterstellungen ausgesetzt. Kretschmer wich zurück, aber nur 1,5 Meter, und kämpfte mit Worten. Er folgte der simplen wie anstrengenden und notwendigen Regel: Wo reden hilft, wird geredet. So hatte er es schon im Landtagswahlkampf mit Erfolg vorgemacht. Niemand solle diskreditiert werden, weil er anderer Meinung ist, meint er. Ja, aber man darf auch nicht so tun, als sei die Kritik am Öffnungsdatum der Restaurants genauso berechtigt wie das Herbeiphantasieren einer staatlichen Impfpflicht.

          Politiker müssen mühsam unterscheiden zwischen Fanatisierung und legitimem Protest. Die Gutwilligen aber dürfen sich auch nicht neben diejenigen stellen, die nur Freiheitskämpfer in eigener Sache sind und auch nicht davor zurückschrecken, mit Judenstern auf der Brust zu demonstrieren. Das sind keine Andersdenkenden. Zu ihnen müssen alle Bürger und Politiker, denen etwas am respektvollen und kritischen Gemeinwesen liegt, Abstand halten, und zwar mehr als 1,5 Meter.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

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