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Jasper von Altenbockum (kum.)

Vor dem Gipfel : Der unmögliche Impfplan

Nur noch zehn Wochen Geduld? Jens Spahn in seinem Büro im Bundesgesundheitsministerium. Bild: Daniel Pilar

Die Sehnsucht der SPD nach einem Impfplan zeigt, worin die Schwäche der Pandemie-Politik liegt: Alles soll, business as usual, nach einem Plan laufen. Dieses Virus lässt sich aber nur mit Einfallsreichtum bekämpfen.

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          Die Erwartungen an den „Impfgipfel“ sind so hoch, dass das Ergebnis nicht anders als mager sein kann. Einen hieb- und stichfesten „Impfplan“ – sichere Termine, bessere Verteilung, differenziertere Priorisierung – gibt es nur, wenn auch mehr Impfstoffe geliefert werden. Von heute auf morgen wird es dazu aber nicht kommen, da kann man noch so sehr über die Verhandlungen im vergangenen Jahr schimpfen.

          Selbst wenn der Staat die Hersteller zur Weitergabe ihrer Lizenzen zwingen sollte, wäre damit nicht eine wundersame Beschleunigung verbunden. Die Produktion von Impfstoffen lässt sich schließlich nicht über Nacht einrichten. Nur eines hat in den vergangenen Wochen wie am Fließband funktioniert: die serienmäßige Fertigung von Sündenböcken.

          Die zehn Wochen Geduldsprobe, die Jens Spahn den Deutschen noch einmal auferlegt hat (es wird nicht letzte gewesen sein), wirken wie das Hinauszögern einer politischen Gnadenfrist. Denn jedes zweite Stück, das da vom Band fällt, trägt die Züge des Bundesgesundheitsministers.

          Die Ministerpräsidenten, die sich zum Impfgipfel treffen, sind dagegen fein heraus. Sie können davon ablenken, dass ihre eigene Planung nicht unbedingt zur Entspannung beigetragen hat – vor Alten- und Pflegeheimen, in Schulen und Kindergärten glänzen die Landesregierungen durch nacheilende Routine.

          Schon die Sehnsucht der SPD-Länder nach einem „Impfplan“ verrät, wo der Fehler liegt: Es muss alles, business as usual,  ganz normal nach Plan gehen. Einfallsreichtum? Man wird sehen, was die Länder in zehn Wochen auf die Beine gestellt haben. Denn zur Geduldsprobe gehört auch das: Allein mit Impfungen und dem Spiel mit der Fahrradkette („hätte, hätte, hätte“) wird es nicht getan sein.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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