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Jasper von Altenbockum (kum.)

Führung in der Corona-Krise : Das Merkel-Vakuum

Angela Merkel und Jens Spahn im Kabinettssaal im Kanzleramt. Bild: Reuters

Schleichend verliert die Hektik der Corona-Politik an Akzeptanz. Jens Spahn droht zum Sündenbock gemacht zu werden. Die SPD kostet das aus, die CDU zeigt kaum Gegenwehr.

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          Da es in der Corona-Krise mittlerweile um drei Schauplätze geht, um Öffnungen, Impfen und Tests, kommt zur grassierenden Lockdown-Müdigkeit noch eine gewisse Unübersichtlichkeit hinzu. Die wurde bisher nur herbeigeredet, indem so getan wurde, als müsse jeder Deutsche jederzeit wissen, welche Corona-Regeln in jedem der sechzehn Bundesländer gelten.

          Daraus wurde ein „Flickenteppich“ konstruiert, der nach einem Einheitsmuster verlange. Das wird es aber in Zukunft noch weniger geben als in der Vergangenheit. Sowohl den tonangebenden Ländern wie dem Bund macht das zu schaffen. Schleichend verliert die Hektik ihrer Corona-Politik an Akzeptanz.

          Auf der Suche nach einem Blitzableiter, man könnte auch sagen: nach einem Sündenbock, fällt aber nur selten der Name eines Ministerpräsidenten, nur selten auch der Name der Kanzlerin, sondern – als ob er es geahnt hätte – der Name Jens Spahns. Kein Zufall, dass gleichzeitig auch wieder seine Villa in Dahlem im Gespräch ist und über ein Spendertreffen berichtet wird. Merkel sah sich abermals zu einem Vertrauensbeweis gezwungen. Der fällt allerdings auf sie zurück. Denn nicht Jens Spahn sollte die Fäden der Pandemie-Politik ziehen.

          Die vergangenen Wochen sprechen zudem dafür, dass im Kanzleramt Epidemiologie, im Ministerium Politik getrieben wird. Die SPD nutzt das im Wahlkampf nun gnadenlos aus: Dem Bremsklotz lassen sich mit leichter Hand Versäumnisse vorwerfen, dem Treiber die Fehler eines „Ankündigungsministers“.

          Armin Laschet will nicht dagegenhalten, weil Corona sich für Parteienstreit nicht eigne. Die CDU wird aber nicht umhinkommen, das Vakuum „Merkel“ zu füllen. Das ist umso schwieriger, weil sich, je länger die Krise dauert, bürokratisches Denken und Prioritätenreiterei breitmachen, um die Unübersichtlichkeit zu bannen.

          Zur Bewältigung einer Jahrhundertkatastrophe ist aber unorthodoxe Führung nötig. Die ist in dieser Krise weder institutionell noch personell aus dem Kanzleramt zu erwarten. Die CDU hat immer gefürchtet, dass „nach Merkel“ die Umfragewerte sinken könnten. Die Situation ist da.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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