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Corona-Plan der Länder : Jedem sein Weihnachten?

  • -Aktualisiert am

Kein Politiker will die Säge ans Weihnachtsfest legen. Bild: dpa

Das Virus kennt keine Feiertage. Trotzdem wollen die Ministerpräsidenten schon jetzt größere Feiern von Heiligabend bis Neujahr ermöglichen. Diese „Rettung“ könnte sich rächen.

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          Es ist verständlich, dass die Ministerpräsidenten den nächsten Zumutungen in der Corona-Pandemie mit einem großen Weihnachtsgeschenk die Spitze nehmen wollten. Als Belohnung für noch mehr Enthaltsamkeit bei der menschlichen Nähe während der Adventszeit erwartet die Deutschen eine deutlich entspannte Regelung für die Festtage: Die Beschlussvorlage der Bundesländer sieht vor, dass sich vom 1. bis zum 23. Dezember nur noch fünf Personen aus nur zwei Hausständen treffen dürfen – von Heiligabend bis Neujahr dafür aber zehn beliebige Personen plus Kinder.

          Die Entscheidung zeugt einerseits von politischem Realismus. Einer Mehrheit der Deutschen ist das Weihnachtsfest tatsächlich heilig (was nicht zwangsläufig heißt, dass sie es auch als Heiliges Fest feiern). Viele hätten sich über strenge Kontaktbeschränkungen womöglich hinweggesetzt; der Staat würde harte Beschränkungen nicht durchsetzen können.

          Andererseits werden sich viele Deutsche in ihrem Argwohn bestätigt sehen, dass die Corona-Politik eben doch nicht der Wissenschaft, sondern den Interessen großer Gruppen folgt. Den Satz der Ministerpräsidenten, dass die Weihnachtstage „für den familiären und gesellschaftlichen Zusammenhalt besonders wichtig“ sind, würden eben beileibe nicht alle Deutsche unterschreiben; auf manche wirkt er wie Hohn: weil ihre Familien nicht intakt genug sind für Feiern zu zehnt, weil sie mit christlichen Traditionen nichts anfangen können oder warum auch immer.

          Schnellt die Infektionskurve wieder hoch?

          Jene Menschen, die in diesem Jahr besonders schwer unter Kontaktbeschränkungen zu leiden haben, verspüren jedenfalls wohl wenig Lust, die führenden Politiker des Landes jetzt als „Retter“ des Weihnachtsfests zu feiern. Vor allem dann nicht, wenn sie befürchten müssen, dass die weihnachtsselige Mehrheit „zwischen den Jahren“ die bis dahin hoffentlich abgeflachte Infektionskurve wieder in die Höhe treibt und damit neue Strenge im Januar erforderlich macht.

          Die Ministerpräsidenten wissen natürlich selbst, dass sich das Virus nicht um Feiertage schert, und dass man die epidemiologische Lage in einem Monat heute schwer vorhersehen kann. Sie empfehlen deshalb allerlei Vorsichtsmaßnahmen für ein Frohes Fest, Stichwort Selbstquarantäne. Doch eine politische Lehre des Corona-Jahres lautet, dass viel Kleingedrucktes auch viel Verwirrung stiftet. Viele Leute würden die vorgeschlagene Weihnachtsregelung wohl vor allem als politisches Eingeständnis werten, dass Ausnahmen sehr wohl statthaft  sind. Die Gefahr ist deshalb groß, dass viele Bürger selbst entscheiden, wann für sie Weihnachten ist.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

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