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Corona-Pandemie : Spahn: „Zahlen sind ermutigend“

Jens Spahn am Freitag in Berlin. Bild: dpa

Gesundheitsminister Jens Spahn gibt sich bei Corona vorsichtig optimistisch. Das Robert-Koch-Institut meldet weniger Ansteckungen. Dafür hat der Virologe Christian Drosten neue beunruhigende Zahlen zur Virus-Mutante.

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          Nicht nur der Gesundheitsminister bemühte sich, nach Wochen voller schlechter Nachrichten das Positive herauszustellen. Am Morgen meldete das Robert-Koch-Institut knapp 18.000 Neuinfektionen binnen eines Tages, 859 Personen starben an oder mit dem Virus. Im Schnitt steckten sich zuletzt bundesweit 115 von 100.000 Menschen binnen einer Woche mit dem Coronavirus an. Die Werte sind hoch, aber sie waren auch schon höher. Die Zahlen der vergangenen Tage seien „ermutigend“, sagte Jens Spahn (CDU) also am Freitag in Berlin. „Sie gehen in die richtige Richtung.“

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Nicht weit von ihm entfernt saß Lothar Wieler in der Bundespressekonferenz, der Präsident des Robert-Koch-Instituts. Zwar seien die Fallzahlen nach wie vor zu hoch, mahnte Wieler. „Aber wir sehen einen klar leicht positiven Trend.“ Die Zahlen sinken, und das seien die „Erfolge“ der Corona-Maßnahmen. „Wenn wir alle konsequent mitmachen, sind wir auf einem guten Weg.“

          Verbreitung nach Weihnachten

          Gernot Marx, der Präsident der Intensivmedizinervereinigung Divi, berichtete denn auch von einem positiven Trend. Ihm zufolge wurden zuletzt knapp 4800 Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung auf den Intensivstationen der deutschen Krankenhäuser behandelt, deutlich weniger als Anfang Januar. Da lag der Wert bei 5800. „Das war die kritischste Situation, seit es intensivmedizinische Behandlung gibt“, sagte Marx. Inzwischen sei auch bei den Patientenzahlen ein „deutlicher Trend nach unten“ zu erkennen.

          Doch Anlass zu Sorglosigkeit gibt diese Entwicklung nicht. Denn das Coronavirus verändert sich, die Verbreitung mehrerer Mutanten verunsichern Fachleute und Bürger gleichermaßen. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité brachte Zahlen jener Virusvariante mit in die Bundespressekonferenz, die vor allem in Großbritannien aufgetaucht ist. Zwar sei diese Mutante nach jüngsten Auswertungen weniger ansteckend, als man es zunächst angenommen hatte. Doch auf der Grundlage belastbarerer Daten habe man festgestellt, dass die Mutante nach wie vor ansteckender sei als das bekannte Sars-CoV-2-Virus – und zwar um etwa 22 bis 35 Prozent. „Wir müssen das ernster nehmen“, sagte Drosten. „So eine Mutante verbreitet sich stärker. Das ist leider ein Faktum, mit dem wir arbeiten müssen.“

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          Nach Auffassung von Drosten hat sich diese Variante des Virus vor Weihnachten kaum in Deutschland verbreitet. Da habe „das Ganze wahrscheinlich keine große Rolle gespielt“, sagte er. Stattdessen sei die Mutante „über Weihnachten mit dem Reiseverkehr eingeschleppt“ worden, und das nicht nur aus England. Sie komme nicht nur in Großstädten vor. Inzwischen formierten sich „kleine Cluster“, die aber erkannt würden. Die medizinischen Labore arbeiteten mit „äußerster Anstrengung daran, ein klares Datenbild zu bekommen, das wir auch liefern werden“.

          Der Virologe ging damit auf die Kritik ein, dass die auftretenden Coronaviren in Deutschland zu wenig systematisch genetisch untersucht würden. Gerade erste hatte Spahn eine Verordnung erlassen, die dazu führen soll, dass die Labore bis zu fünf Prozent aller nachgewiesenen Virusproben genetisch sequenzieren, also auf bestimmte Mutationen hin untersuchen. So wird am ehesten klar, welche Varianten sich auf welcher Weise in Deutschland verbreiten. Eine systematische Sequenzierung sei in Europa eine Ausnahme, sagte Drosten. England und Dänemark untersuchen derzeit sehr viele Proben; es gibt Forderungen, es ihnen gleichzutun. „Es ist nicht richtig, dass in Deutschland zu wenig sequenziert wird“, sagte Drosten.

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