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Wiederöffnung der Schulen : Möglichst bald, aber nicht zu schnell

Unterricht in Zeiten des Abstandsgebot (Archivbild) Bild: dpa

Lehrer wünschen sich Klarheit: Die Länder sind sich vor ihren Beratungen am Mittwoch uneins, wann der Unterricht wieder beginnen soll. Mancherorts soll das nicht vor Ende April der Fall sein.

          3 Min.

          Wann öffnen die Schulen wieder? Nachdem die Nationalakademie Leopoldina eine baldmögliche, schrittweise Wiedereröffnung, beginnend mit den Grundschulen, empfohlen hatte, diskutieren die Länder über die Umsetzung.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.
          Timo Steppat
          Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          In Hessen will man nach den Worten von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) eher mit den Abschlussjahrgängen beginnen. „Nicht nur weil die vorm Abschluss stehen, sondern weil wir auch glauben, dass bei älteren Schülerinnen und Schülern der notwendige Appell, Abstand zu halten und Hygienevorschriften einzuhalten, wesentlich besser gelingen kann als bei Kindern in der Grundschule“, sagte er am Dienstag in Wiesbaden.

          Die Empfehlung von Wissenschaftlern, zuerst die Grundschulen zu öffnen, überzeuge ihn nicht, so Bouffier. Entschieden werde diese Frage jedoch erst nach der Besprechung der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch. Am Mittwochabend findet auch eine Telefonkonferenz der Kultusminister-Konferenz statt, in der ein einheitliches Vorgehen vereinbart werden soll.

          „Je länger die Vorbereitungszeit, desto besser für uns“

          In Baden-Württemberg wird es vor dem 27. April keinen stufenweisen Wiedereinstieg in den Schulbetrieb geben. Am Donnerstag wird eine virtuelle Sitzung des grün-schwarzen Kabinetts stattfinden, auf der auch über diese Frage beraten werden soll. Das Kultusministerium benötigt zur Vorbereitung des Schulbetriebs, selbst wenn es sich nur um wenige Schüler handelt, mindestens eine Woche Vorlaufzeit. „Je länger die Vorbereitungszeit, desto besser für uns,“ sagte ein Sprecher des Ministeriums. Der früheste Termin wäre demnach der 27. April. Dann könnte zunächst für Abiturienten und Prüflinge anderer Schularten der Unterricht wieder beginnen.

          Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will in jedem Fall daran festhalten, dass am 18. Mai mit den Abiturprüfungen begonnen werden kann. Mehrfach wies die Ministerin darauf hin, dass es auch einen „stufenweisen Einstieg“ in den Schulbetrieb „auf Knopfdruck“ nicht geben könne. Der bürokratische Aufwand sei zu hoch: Die Schulen müssen Listen mit den Prüflingen bestimmen, sie müssen ermitteln, welche Schüler und welche Lehrer zu einer Risikogruppe gehören und durch eine Infektion mit „Sars-Cov-2“ besonders gefährdet sein könnten.

          Außerdem müssen auch Vorkehrungen zum Schutz von Risikopersonen in den Familien von Eltern und Schülern getroffen werden. In den Schulen müssen die Klassenräume so vorbereitet werden, dass dort Abstand gehalten werden kann, auch die Schulbusse müssen entsprechend umgerüstet werden.

          Am Mittwoch Schulen in NRW informieren

          Die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will im Anschluss an die diesen Mittwoch stattfindenden Bund-Länder-Beratungen die Schulen „über den Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Schulbetriebs und die Ausgestaltung“ informieren. Bei allen anstehenden Entscheidungen stehe die Gesundheit der Schüler und der Lehrkräfte im Vordergrund. Dafür erarbeite ihr Haus zusammen mit dem Gesundheitsministerium, den Schulträgern und Fachleuten verbindliche Vorgaben zur Hygiene und zum Infektionsschutz.

          Es sei ihr „festes Ziel, unmittelbar nach den Osterferien die Schulen wieder schrittweise zu öffnen, um so insbesondere die Durchführung von Prüfungen und die Vergabe von Abschlüssen zu ermögliche“, sagte Gebauer. Der nordrhein-westfälische Familienminister Joachim Stamp, der wie Gebauer der FDP angehört, hatte der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ dagegen gesagt, er halte es für „ausgeschlossen, dass schon am kommenden Montag Schulen und Kitas wieder regulär öffnen“.

          In einer gemeinsamen Stellungnahme warnten am Dienstag neun nordrhein-westfälische Gewerkschaften, Schul- und Elternverbände vor einer vorschnellen Wiedereröffnung. Klar sei jedenfalls, dass dies nicht am kommenden Montag geschehen könne. Die Öffnung werde nur schrittweise möglich sein und stelle die Schulen vor große organisatorische Herausforderungen. Schulen und Eltern brauchten „schnellstmöglich konkrete Vorgaben und Hinweise“. Um alle notwendigen Voraussetzungen erfüllen zu können, sei es für die Lehrer und Schulleitungen unabdingbar mit einem Vorlauf von mindestens sieben Tagen zu erfahren, wie und wann der Betrieb wieder beginnen soll.

          „Wir benötigen bald Klarheit“

          Zentrale Prüfungen wie das Abitur oder die Zentrale Prüfung am Ende der zehnten Klasse könne es in diesem Schuljahr nicht mehr geben, auch eine Verschiebung sei keine Option, die bundesweite Anerkennung des jeweiligen Abschlusses dagegen zwingend notwendig. „Wir brauchen einen Stufenplan, der die Voraussetzungen benennt. Sind diese nicht gegeben, kann es eine Lockerung nicht geben“, sagte die nordrhein-westfälische DGB-Vorsitzende Anja Weber. „Aus unserer Sicht sind mindestens die Bereitstellung von ausreichend Waschbecken, Seife und Einmalhandtüchern, sowie Desinfektionsmitteln und Toiletten mit entsprechender hygienischer Ausstattung zwingend“, so Ralf Radke, Vorsitzender der Landeselternschaft der integrierten Schulen in NRW.

          Der Hessische Schulleiterverband sprach von einer großen Herausforderung. Bislang seien die Schulleiter nicht informiert worden, wann es zu einer schrittweisen Öffnung kommen könnte. Viele Fragen, etwa nach der Notbetreuung oder nach rotierendem Unterricht, hätten viel Organisation zur Folge, sagte Landesvorsitzender Matthias Doebel. „Wir benötigen bald Klarheit und genug Vorlauf, um die Vorgaben der Politik erfüllen zu können.“

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