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Corona-Pandemie : Jetzt ist entschlossenes Handeln gefragt

Auf dem ersten Höhepunkt der Corona-Krise: Kanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU), Markus Söder (CSU) und Tobias Hans (hinten rechts), neben Hans: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Bild: dpa

Womöglich stehen wir vor einer neuen exponentiellen Ausbreitung des Coronavirus. Die Vorzeichen sind ganz anders als im Frühjahr – doch auch für eine lokale Eindämmung der Pandemie müssen die Ministerpräsidenten jetzt eine gemeinsame Linie finden.

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          Allmählich wird auch den Letzten dämmern, dass die vergleichsweise komfortable Pandemie-Situation, an die man sich in Deutschland gewöhnt hat, auf der Kippe steht. Droht ein zweiter Lockdown, so wie in Israel, wo für drei Wochen massive Corona-Maßnahmen verordnet wurden, oder wie in Frankreich und Spanien, wo schon einige Zeit die Zügel wieder angezogen worden sind?

          Die Frage ist falsch gestellt. Wenn man sich die jüngste Entwicklung genau ansieht, dann wird klar, dass die Frage in der gegenwärtigen Situation nicht lauten kann, ob ein umfassender Lockdown kommen muss, so als wäre er bei sukzessive steigenden Infektionszahlen eine epidemische Notwendigkeit, sondern ob er überhaupt sinnvoll ist. Und danach sieht es momentan nicht aus. Zur Erinnerung: In der dritten Märzwoche waren wir im Land bei knapp unter 2000 Neuinfektionen am Tag und bei knapp unter zehn gemeldeten Covid-19-Todesfällen. Das war damals genug für den Lockdown-Beschluss.

          Statistisch sind wir heute auf einem ähnlichen Niveau, und es ist nicht auszuschließen, dass eine neue exponentielle Phase der Virenausbreitung beginnt. Aber die Vorzeichen sind heute anders. Und auch die akute Gefahr in Israel, Spanien, Frankreich und Großbritannien ist mit vielfach höheren Neuinfektionszahlen und steigenden Klinikeinweisungen eine ganz andere. Was genau die Unterschiede der Entwicklung ausmacht, ist schwer zu sagen; mutmaßlich sind es kulturelle Eigenheiten, ein anderer Umgang mit Risiken und Unwägbarkeiten. Nachlässigkeit wurde in der Pandemie bisher immer dann bestraft, wenn viele Menschen unbekümmert (und fahrlässig) zusammengekommen sind.

          Die neue pandemische Unruhe, die sich deshalb breitmacht, hat zuerst wieder Virologen und Epidemiologen erfasst. Die Ministerpräsidenten dagegen, die sich zuletzt in ihren Lockerungsübungen Woche für Woche überboten haben, bleiben auffallend schweigsam. Ihre Aufgabe wäre es aber jetzt, genauso entschlossen eine (abgestimmte) Linie bei der lokalen Eindämmung zu finden, die auch als gerecht empfunden wird.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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