https://www.faz.net/-gpf-a0phv

Pandemie in NRW : Laschet hatte keine Wahl

Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, trägt a, 17.6 eine Gesichtsmaske mit dem Wappen von Nordrhein-Westfalen in Berlin. Bild: dpa

Der NRW-Ministerpräsident muss im Rennen um das Kanzleramt dem Eindruck entgegenwirken, als Schönwetterpolitiker wahrgenommen zu werden. Für Hunderttausende ist das kein Trost. Im Gegenteil.

          1 Min.

          Für die Einwohner der Kreise Gütersloh und Warendorf ist es ein Déjà-vu der unangenehmsten Art: Kaum ist die Kurve, die das Infektionsgeschehen rund um Covid-19 abbilden soll, abgeflacht und die „neue Normalität“ schon fast Alltag, ist es mit den neuen-alten Freiheiten wieder vorbei. Für Hunderttausende heißt es nun abermals, sich so zu verhalten, dass es nicht zu Zuständen wie im März in Italien oder in Spanien kommt. So sieht es jedenfalls das Regelwerk vor, das bundeseinheitlich dafür sorgen soll, dass aus lokalen Corona-Ausbrüchen keine regionalen Epidemien und erst recht keine zweiten oder sogar dritten „Wellen“ werden.

          Daher blieb Ministerpräsident Laschet am Dienstag nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv keine Wahl. Denn der Rheinländer, der Annegret Kramp-Karrenbauer an der Spitze der CDU nachfolgen will, darf nicht einmal entfernt den Anschein erwecken, er nehme das Ausbruchsgeschehen nicht ernst. Dann nämlich würde sich womöglich der Eindruck aus den ersten Wochen des „Lockdowns“ bestätigen, Laschet sei im Unterschied zum bayerischen Ministerpräsidenten Söder (CSU), der sich in puncto staatstragender Seriosität kaum überbieten lässt, und der krisenerprobten Bundeskanzlerin Angela Merkel eher als Bruder Leichtfuß unterwegs. Überdies liefe der Düsseldorfer Ministerpräsident bei schlechtem Krisenmanagement Gefahr, als Schönwetterpolitiker wahrgenommen zu werden und damit den Anspruch auf die Kanzlerkandidatur der Unionsparteien zu verwirken.

          Für die vom (befristeten) Lockdown betroffenen Bürger in Ostwestfalen und im Münsterland ist das kein Trost, im Gegenteil. Kurz vor dem Beginn der Sommerferien müssen sie insofern Versäumnisse ausbaden, als Bund und viele Länder den Umtrieben der Fleischwirtschaft viele Jahre wider besseres Wissen tatenlos zugeschaut haben. Jetzt für ein Ende der Werkverträge und ein Tierwohllabel einzutreten ist wohlfeil. Wenn Laschets Arbeitsminister Laumann (CDU) sich mit den Worten zitieren lässt, die Missstände in der Fleischindustrie seien „seit Jahren bekannt“, dann muss sich auch sein Ministerpräsident (wie viele andere Politiker) fragen lassen, wo sie in all den Jahren gewesen sind. Jemals in den Sammelunterkünften der Arbeiter aus Osteuropa oder in den Tierfabriken in Deutschland?

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brasilianischer Präsident : Bolsonaro ist an Covid-19 erkrankt

          Seine Infektion bestätigte der Präsident am Dienstag – und beteuerte, es gehe ihm gut. Die Maskenpflicht hatte er nicht nur oft missachtet, er hatte sie energisch bekämpft. Nun wird er mit Häme überschüttet.
          Die Welt wird enger, aber wir können etwas dagegen tun.

          Polarisierung in Debatten : Wir Gesinnungsgenossen

          In diesen Monaten zeigt sich die Herrschaft des Framings noch deutlicher also sonst – besonders bei Twitter. Ein Plädoyer für mehr Offenheit gegenüber dem, was uns zwar nicht gefällt, aber noch lange nicht extrem ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.