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OECD-Bericht : Mündet die Pandemie in einer Integrationskrise?

  • -Aktualisiert am

Ein Ausbilder mit einem Flüchtling im Jahr 2016. Integrationserfolge auf dem Arbeitsmarkt sind gefährdet, sagt die OECD. Bild: dpa

Das Coronavirus und seine Folgen treffen die Menschen unterschiedlich hart. Die OECD warnt nun davor, dass erreichte Fortschritte in der Integration zunichte gemacht werden. Es brauche nun ein starkes Signal.

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          Der diesjährige Migrationsausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sendet eine deutliche Botschaft: Wenn Zuwanderungsländer jetzt nicht aktiv gegensteuern, könnte die Corona-Pandemie in einer Integrationskrise münden. Menschen mit Migrationshintergrund litten am stärksten unter den Auswirkungen der Pandemie, sagte Thomas Liebig, Migrationsexperte der OECD, während der Vorstellung des Berichts am Montag. Sowohl in Hinblick auf den Infektionsschutz, als auch im Arbeitsmarkt und bezogen auf die Bildung seien sie gegenüber anderen Gruppen oft benachteiligt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hob im im Zuge des zwölften Integrationsgipfels, der am Montag größtenteils per Videokonferenz stattfand, hervor, man müsse gerade vor dem Hintergrund der Pandemie noch mehr auf das Thema Integration setzen. Die Pandemie stelle den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf eine große Probe.

          Zuwanderer sind laut der OECD-Studie aufgrund ihrer Lebenssituation in der Regel einem erheblich höheren Infektionsrisiko ausgesetzt als Menschen ohne Migrationshintergrund. In manchen Ländern ist die Ansteckungsgefahr für sie gar zwei bis drei Mal so hoch wie für andere Bevölkerungsgruppen. Das liegt laut dem Bericht daran, dass Migrantinnen und Migranten oft mit mehr Menschen auf engerem Raum leben. Sie sind stärker auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen und können ihre Jobs oft nicht aus dem Homeoffice erledigen.

          Gibt es einen „Knick in den Chancen“

          Die Studie, die Daten aus den 37 Mitgliedsstaaten der OECD auswertet, zeigt, dass der Unterschied zwischen Migranten und Nicht-Migranten gerade in Deutschland an dieser Stelle sehr groß ist. Dafür habe man hierzulande schon früh in die Aufklärung von Nicht-Deutschen über das Coronavirus und die Schutzmaßnahmen investiert, lobt Liebig. In anderen Ländern hätten Zuwanderer es außerdem deutlich schwieriger, sich auf das Virus testen zu lassen. Das erhöhte Infektionsrisiko schlage sich auch in der Sterblichkeitsrate nieder. In allen Ländern, zu denen man entsprechende Daten habe, zeichne sich ab, dass der Anteil von Zuwanderern an den Sterbefällen deutlich höher sei, sagte Liebig.

          Auch auf dem angeschlagenen Arbeitsmarkt haben Zuwanderer es laut dem Bericht besonders schwer. In wirtschaftlichen Schwächephasen nehme die Diskriminierung zu, sagte Liebig. Personen mit Migrationshintergrund würden eher entlassen als ihre Kollegen. So seien in Deutschland lebende Ausländer drei Mal so stark vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen wie Deutsche. Das gelte selbst für die zweite Generation Einwanderer. Dieser jetzt entstehende „Knick in den Chancen“ könne sich auf das gesamte spätere Arbeitsleben auswirken, sagte Liebig. Wer in einer Krise arbeitslos werde, dem fehle in ein paar Jahren die Arbeitserfahrung, um wieder eingestellt zu werden.

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          Ende 2019 sei die Beschäftigung von Migranten mit 71 Prozent in Deutschland auf einem Höchststand gewesen. Die Pandemie drohe, die Fortschritte in der Integration nun zunichte zu machen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, die Arbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) bei dem Integrationsgipfel in Berlin vertrat, da dieser sich in Quarantäne befindet, kündigte regionale Koordinierungsstellen an, die Zugewanderte mit dem Arbeitsmarkt verbinden sollen. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU) würdigte die besondere Arbeitsleistung der Zugewanderten in der Pandemie. Letztendlich seien es auch Hunderttausende Menschen mit Einwanderungsgeschichte, die das Land als Pflegekräfte oder Supermarktkassierer mit am Laufen hielten.

          Auch Kinder von Migranten könnten auf lange Sicht Schaden aus der Pandemie ziehen. Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) gab zu, die Pandemie stelle die Integrationsfähigkeit des Bildungssystems auf die Probe. Sie hob besonders die Wichtigkeit des Digitalpakts hervor, der nicht nur kurzfristig den Unterricht sichern solle, sondern auch langfristig für eine individuellere und flexiblere Unterstützung garantiere. Laut Liebig ist aber neben dem fehlenden Zugang zu einem Computer für den Online-Unterricht vor allem der fehlende Kontakt zu Mitschülern für Kinder von Zuwanderern „dramatisch“. In Deutschland werde in mehr als 85 Prozent von Einwandererhaushalten kein Deutsch gesprochen. Langfristig sei eine Loslösung dieser Kinder vom deutschen Bildungssystem zu befürchten.

          Auch Erwachsene litten darunter, dass während der ersten Corona-Welle viele Integrationsangebote nicht mehr verfügbar gewesen seien, sagte Widmann-Mauz. Zu Beginn der Pandemie seien die meisten Kurse komplett ausgefallen. Auch wenn inzwischen vieles wieder angelaufen und Angebote ins Internet verlagert worden seien, gebe es immer noch Lücken. Sie kündigte eine „Digital-Offensive“ an. Gleichzeitig solle es alternative Angebote in kleineren Gruppen geben, da letztendlich nichts die persönliche Begegnung in der Integrationsarbeit ersetzen könne.

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