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Corona-Lage in Deutschland : Hauptsache, geimpft!

  • -Aktualisiert am

Ein lange Warteschlange hat sich vor einem Corona-Impfzentrum in Wunsiedel in Bayern gebildet. Bild: dpa

Die Ankündigung von Zugangsbeschränkungen im öffentlichen Leben für Ungeimpfte löst einen Ansturm auf die Impfzentren aus. Doch reicht das?

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          Der Druck aus der Politik scheint zu wirken. Offenbar hat die Aussicht auf einen ungemütlichen Winter mit starken Einschränkungen für Ungeimpfte zu einem Ansturm auf die noch geöffneten Impfzentren in den Corona-Hotspots Bayern, Thüringen und Sachsen geführt. Es ist eine gute Nachricht, dass sich dort nun viele Impfzauderer, die ja keine grundsätzlichen Impfgegner sind, zum Piks durchgerungen haben.

          Die Motive dafür sollten egal sein, Hauptsache, geimpft. Viele haben sich womöglich aus einem ganz banalen Grund dazu entschlossen: Der Besuch etwa von Restaurants und Kinos wird bald nur noch mit Impfnachweis oder als Corona-Genesener möglich sein.

          Ein in Europa einmaliger Schritt

          In Österreich war der gleiche Effekt unter dem Begriff „Schnitzelpanik“ eingetreten, als Kanzler Schallenberg vor zwei Wochen einen Lockdown für Ungeimpfte ankündigte. Doch die Drohung kam zu kurzfristig, um den dortigen Corona-Tsunami durch eine deutlich höhere Impfquote zu brechen. Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte, immerhin ein Drittel der österreichischen Bevölkerung, treten nun in Kraft. Ob diese kaum zu kontrollierende Sanktion die Zahl der Geimpften auf mehr als 80 Prozent steigert, wird auch in Deutschland aufmerksam beachtet werden.

          Es ist ein in Europa einmaliger Schritt, den sich Grünen-Chef Habeck für Ungeimpfte zumindest regional auch hier vorstellen kann. Dass nicht nur Habeck, sondern auch andere Ampelkoalitionäre inzwischen von ihrem als halbherzig wahrgenommenen Corona-Kurs abweichen, zeigt ein Brief von drei Gesundheitsministern der Grünen. Sie fordern eine Fortschreibung der epidemischen Notlage und stellen sich damit gegen die Ampel-Politik in Berlin. Die noch amtierende und die künftige Regierung sollten in dieser Frage endlich an einem Strang ziehen. Wie wäre es mit einem gemeinsamen Fernsehappell von Angela Merkel und Olaf Scholz? Vielleicht überzeugt dies manch Zögernde vom Impfen als Ausweg aus dieser Lage.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

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