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Grenzwert für Neuinfektionen : Wann welches Bundesland Alarm schlägt

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Urlaub bis zur nächsten Welle: Auf den Boden gesprühte Pfeile und Pylonen regeln den Zugang zum Strand an der Ostsee. Bild: dpa

Viele Länder halten den Grenzwert von fünfzig wöchentlichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern eines Landkreises für zu hoch. Müssen vorher Einschränkungen angeordnet werden? Ein Überblick.

          11 Min.

          Fünfzig, hunderttausend, sieben: Das ist die Alarmformel, auf die sich Bund und Länder mit Blick auf das Coronavirus geeinigt haben. Wenn es binnen einer Woche in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt mehr als 50 Sars-CoV-2-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gibt, sollen sofort Schritte ergriffen werden. So soll verhindert werden, dass abermals deutschlandweit das öffentliche Leben lahmgelegt werden muss. 

          Viele Bundesländer halten die Grenze aber für zu hoch, um im Fall des Falles noch wirksam gegensteuern zu können. Schließlich wurde sie in vielen Gebieten Deutschlands selbst in der ersten Welle nicht überschritten, die in den vergangenen Monaten über das Land rollte. Darum beschreiten manche Länder eigene Wege. Unsere Korrespondenten beschreiben die Beschlüsse und den Diskussionsstand in allen 16 Landesregierungen.

          Baden-Württemberg

          In Baden-Württemberg sollen nach dem Ampelsystem der grün-schwarzen Landesregierung die Gesundheitsämter schon eingreifen, wenn in einem Landkreis 35 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner erreicht sind. Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) spricht von einer „Alarmstufe Gelb“. Sie diene dazu, früh zu handeln, bevor sich ein größeres Infektionsgeschehen zeige. Die Gesundheitsämter in den Landkreisen reagieren aber größtenteils schon, sobald sie überhaupt eine Häufung von Neuinfektionen mit dem Virus Sars-Cov-2 registrieren.

          In den 35 Landkreisen Baden-Württembergs hat es in den vergangenen sieben Tagen erst in einem keine Neuinfektionen mehr gegeben. Gleichwohl ist die Zahl der mit dem PCR-Test bestätigten Coronavirus-Neuinfektionen auch im Südwesten derzeit gering: Im Landesdurchschnitt infizieren sich pro 100.000 Einwohner 4,5 Menschen mit dem Virus. Selbst im Hohenlohekreis, wo sich in der kleinen Gemeinde Kupferzell-Eschental Anfang März ein Infektionsherd befand, gab es zuletzt nur noch 16,1 Neuinfektionen pro Woche. Aus Sicht des baden-württembergischen Landkreistages fehlen den Gesundheitsämtern aber immer noch 200 zusätzliche Stellen. Erst Ende Mai wird das Land flächendeckend für jeweils 20.000 Einwohner ein Team aus Corona-Ermittlern zur Verfügung stellen können. Vor allem aber, so der Landkreistag, müsse gewährleistet werden, dass in der Fläche von den vorhandenen Testkapazitäten auch Gebrauch gemacht werde.

          „In den Corona-Testambulanzen haben wir derzeit ja nur noch wenige Patienten, die zum Testen kommen. Die sind von etwa 250 auf 30 pro Tag zurückgegangen. Deshalb brauchen wir repräsentative Stichproben. Wir dürfen nicht nur auf einzelne Strohfeuer wie Schlachthöfe schauen“, sagte Joachim Walter (CDU), Präsident des baden-württembergischen Landkreistages und Tübinger Landrat, im Gespräch mit der F.A.Z. Es müsse noch geklärt werden, wer die Kosten für die repräsentativen Stichproben zahle, auch müssten die Krankenhäuser finanziell zur weiteren Bewältigung der Krise besser ausgestattet werden, lautet die Forderung des Landkreistages. „Wir müssen diese Testungen jetzt gründlich und gut machen, damit wir im Herbst richtig reagieren können und nicht von einem unvorhergesehenen Infektionsgeschehen überrascht werden“, so Walter. (rso.)

          Bayern

          In Bayern setzt man auf ein Frühwarnsystem, das die Regelung der 50 Neuinfektionen noch enger fasst, um „lokale Ausbruchsereignisse“ so schnell es geht zu erkennen und eine Ausbreitung der Infektionen zu begrenzen. Nach Mitteilung des bayerischen Gesundheitsministeriums müssen nun entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, sobald es zu 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen in einer Stadt oder einem Landkreis kommt. Das heißt: Ab dann sind die Gesundheitsämter in Bayern verpflichtet, das Gesundheitsministerium darüber zu informieren, wie diese steigenden Fallzahlen zu erklären sind. Zudem müssen die Ämter angeben, welche Maßnahmen getroffen wurden oder beabsichtigt sind, um das lokale Infektionsgeschehen einzudämmen. Dazu gehört vor allem die Ermittlung von Kontaktpersonen der Covid-19-Fälle durch die Gesundheitsämter sowie auch die Anordnung und die Überwachung der Quarantäne.

          Wenn die Zahl von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen erreicht oder überschritten wird, muss dem Gesundheitsministerium ein Beschränkungskonzept vorgelegt werden. Darin müssen nicht nur die Häufung der Infektionen eingeordnet, sondern auch die getroffenen und beabsichtigten Maßnahmen erläutert werden. Der Maßnahmenkatalog ist weit gefasst: Je nach Situation können dazu Kontaktbeschränkungen für die Bevölkerung zählen oder die Schließung von Bildungseinrichtungen und Geschäften sowie Ausgangsbeschränkungen.

          Unter „Ausbruchsereignissen“ sind sowohl Infektionsherde in Einrichtungen wie Schulen oder Pflegeheimen, aber auch in einzelnen Orten, Städten oder Landkreisen zu verstehen. Wenn die Häufung von Infektionen zum Beispiel auf eine Einrichtung begrenzt ist, sieht ein „abgestuftes Beschränkungskonzept“ verschiedene Schritte zur Bekämpfung der Infektions-Ausweitung vor: Das kann zunächst eine Beratung umfassen, aber auch über Reihentestungen bis hin zu einer Schließung der Einrichtung gehen. Handelt es sich jedoch um eine Häufung von Infektionen, die regional eher verteilt auftreten, ohne dass man die Infektionsketten eindeutig nachvollziehen kann, „müssen allgemeine Beschränkungen wieder konsequent in der Region eingeführt werden“. Diese Vorgehensweise, so hieß es am Dienstag nach der Sitzung des bayerischen Kabinetts, sei zur Eindämmung möglicher neuer Infektionsherde notwendig, da „angesichts der weitreichenden Erleichterungen eine erneut dynamische Entwicklung des Infektionsgeschehens nicht ausgeschlossen“ sei. (ktr.)

          Berlin

          Die deutsche Hauptstadt legt viel strengere Maßstäbe an, als sie bundesweit beschlossen wurden. Der Senat hat vor einer Woche beschlossen, dass schon bei 30 neu Infizierten auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche die Alarmstufe Rot erreicht ist. Sollte zudem ein Viertel der Intensivbetten belegt sein oder die Reproduktionszahl auf über 1,2 steigen, dann muss der Senat entweder aufgehobene Beschränkungen wiedereinführen oder in Aussicht gestellte Lockerungen verschieben. Schon bei 20 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner will man über solche Maßnahmen beraten.

          Bürgermeister Michael Müller und Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci, beide von der SPD, äußerten, dass sie einen Wert von 50 Neuinfizierten für deutlich zu hoch halten. Wenn der Wert erst einmal erreicht sei, „dann wären wir zu spät dran“, sagte Kalayci, es würde dann „zu viele Kranke und Tote“ geben. Die Senatorin begründete die Berliner Obergrenze von 30 auch damit, dass der Spitzenwert auf dem Höhepunkt der Infektionen in der Hauptstadt bei 37 gelegen habe. Vor einer Woche hatte die Zahl der Neuinfektionen in sieben Tagen in Berlin bei 286 gelegen. Bei einer Obergrenze von 30 je 100.000 Einwohner würden es in der ganzen Stadt 1131 Personen sein, so Kalayci damals. Man ist also noch weit von der kritischen Marke entfernt. Eine Regelung nach Bezirken lehnt die Senatorin ab. Das sei in einer Stadt mit so fließenden Bezirksgrenzen kaum machbar, sagte sie. Berlin sei schließlich eine Stadt. (mwe.)

          Brandenburg

          Brandenburg plant nach Angaben des Gesundheitsministeriums keine eigene Obergrenze für Corona-Neuerkrankungen. Man setze vielmehr auf eine schnelle Intervention bei lokalen Infektionsherden, sagte ein Sprecher. Das Ministerium lasse sich Fälle in besonders gefährdeten Einrichtungen wie Pflegeheimen, Flüchtlingsunterkünften, Krankenhäusern, Kitas oder Schulen melden. Das geschehe schon, wenn dort gleichzeitig zwei Fälle auftreten würden. Für den Fall, dass neue Erkrankungen außerhalb bestimmter Einrichtungen auftreten sollten, tausche das Ministerium sich mit den Landkreisen und kreisfreien Städten aus, um frühzeitig gegensteuern zu können. In Brandenburg gibt es mit rund 3200 Fällen etwa halb so viele wie in Berlin. Einige Städte und Landkreise haben in den vergangenen sieben Tagen keine Neuinfektionen mehr gemeldet. (mwe.)

          Bremen

          Das Land Bremen sieht die vom Bund gesetzte Grenze von 50 Fällen mit großer Skepsis. Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) hatte bereits in den Beratungen der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin gewarnt, dass ein solcher Grenzwert dazu verleiten könnte, weniger zu testen. Der Zwei-Städte-Staat mit den beiden Meldeeinheiten Bremen und Bremerhaven verzichtet daher auf einen festen Grenzwert.

          Man habe die Zahlen ständig im Blick und wolle frühzeitig reagieren, aber dabei „Flexibilität behalten“, erklärt ein Regierungssprecher auf Anfrage dieser Redaktion. Es gehe im Einzelfall immer darum, ob das Infektionsgeschehen kontrollierbar und einzugrenzen sei. Die Zahlen für den Bereich Bremen haben sich zuletzt negativ entwickelt und liegen im Zwanziger-Bereich, während sie in Bremerhaven im niedrigen einstelligen Bereich liegen. (bin.)

          Hamburg

          Den bundesweit geltenden Grenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner hat Hamburg schon lange unterschritten. Darüber lag die Hansestadt das letzte Mal Anfang April. Seitdem sinkt die Zahl der Neuinfektionen. Am Dienstag registrierte die zuständige Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz erstmals seit März überhaupt keine Neuinfektion mehr. Ansonsten würden unter den 1,8 Millionen Hamburgern inzwischen jeden Tag nur noch im niedrigen zweistelligen Bereich neue Fälle gemeldet, so eine Sprecherin der Behörde gegenüber der F.A.Z.

          Eine Absenkung der bundesweit geltenden Grenze von 50 Neuinfektionen für Hamburg hat der Senat nicht beschlossen. Anpassungen der geltenden Verordnung könnten jedoch jederzeit kurzfristig und der Lage angemessen umgesetzt werden, so die Infektionszahlen „in Richtung“ der genannten Grenze steigen würden, so die Sprecherin weiter. (lohe.)

          Hessen

          In Hessen sind die wirtschaftlichen Sorgen aufgrund der hohen Exportabhängigkeit groß. Doch was das Infektionsgeschehen angeht, ist das Bundesland bisher vergleichsweise glimpflich davongekommen: Der Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern und Woche wurde hier nur im April in drei Landkreisen überschritten. Mittlerweile ist das Land von einem Überschreiten des Grenzwertes weit entfernt: Am Dienstag lag der Inzidenz-Wert hessenweit bei fünf, der Odenwald-Kreis verzeichnete mit 14 die meisten Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner.

          Von Montag auf Dienstag stieg die Zahl der ausgewiesenen Neuinfektionen im Bundesland um nur noch 31. Überlegungen innerhalb der Landesregierung, den Grenzwert von 50 abzusenken, sind bisher keine bekannt. Ob allerdings Infektionen bei einem Grenzwert von 50 wirklich noch nachverfolgt werden können, insbesondere in Ballungsgebieten, daran gibt es Zweifel. Bei einer Stadt mit der Einwohnerzahl Frankfurts wird erst ab rund 350 Infizierten pro Woche der Grenzwert überschritten, da ist eine Nachverfolgung schon so gut wie unmöglich. (jib.)

          Mecklenburg-Vorpommern

          Deutschlands Nordosten hat es gut. Selbst zu Hochzeiten der ersten Welle verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern auffällig wenige Coronavirus-Infektionen. Nirgendwo in dem dünn besiedelten Bundesland gab es in den vergangenen sieben Tagen mehr als zwei Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner.

          Entsprechend theoretisch mag die Debatte um eine Obergrenze in Schwerin gesehen werden. Von einer Absenkung der bundesweiten Regelung ist nichts bekannt. Eine Anfrage dieser Redaktion ließ das Gesundheitsministerium zunächst unbeantwortet. (lohe.)

          Niedersachsen

          Für Niedersachsen hat Ministerpräsident Stephan Weil angekündigt, man werde als Land deutlich unterhalb der Schwelle von 50 Fällen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen eingreifen. Anlässlich des Corona-Ausbruchs in einem Fleischbetrieb in Dissen sprach das niedersächsische Gesundheitsministerium Anfang der Woche von einem Korridor zwischen 30 und 35 Fällen, von dem an man aktiv werde. Dieser Wert wurde jedoch im betroffenen Landkreis Osnabrück Land bisher nicht überschritten. Im Fall der Fälle würde die Reaktion auch davon abhängen, ob tatsächlich nicht nachvollziehbare Infektionsketten vorliegen oder ob es sich um einen klar abgegrenzten Bereich handelt wie die Sammelunterkunft von Werkvertragsarbeitern der Fleischindustrie. (bin.)

          Nordrhein-Westfalen

          In Nordrhein-Westfalen bleibt es bei der Anfang Mai zwischen der Bundeskanzlerin und den Länderchefs vereinbarten „50 Neuinfektionen pro 100.000“-Regelung. Ein Sprecher der Landesregierung in Düsseldorf wies der F.A.Z. gegenüber darauf hin, dass es sich lediglich um einen vereinbarten „Aktivierungswert“ handle. „Er löst nicht automatisch ganz bestimmte Maßnahmen aus.“ Vielmehr gehe es um eine „vorrangig regionalisierte Reaktion auf erhebliche Neuausbruche“. Die 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner-Regel ermögliche den kommunalen Behörden und dem Land eine angemessene Reaktion zur Eindämmung der Pandemie – ohne dass unverhältnismäßige Maßnahmen landesweit angeordnet werden müssten.

          Welche Maßnahmen im Einzelfall erforderlich seien, könne mit Blick auf das konkrete Infektionsgeschehen vor Ort entschieden werden. So werde beispielsweise überprüft, ob es sich um Vorfälle in Pflegeheimen oder Firmen oder um breit verteilte Neuinfektionen handle. „Denkbar sind objektbezogene oder flächige Untersuchungen, Betriebsschließungen, lokale Verhaltensregeln oder in letzter Konsequenz Schließungen von Infrastruktur.“ Entsprechende Entscheidungen träfen in NRW je nach regionaler Ausbreitung die örtliche Ordnungsbehörde, das Kreisgesundheitsamt oder das Land. „Das Land stimmt sich eng mit den örtlichen Behörden ab und berät diese, es kann aber immer auch Weisungen an die örtlichen Behörden erteilen“, so der Regierungssprecher.

          Wann mögliche Maßnahmen wieder aufgehoben würden, hänge vom Verlauf des Infektionsgeschehens ab. „Dies ist nicht an eine feste Zahl von Neuinfektionen gebunden, sondern wird genau wie die Anordnung in einer Gesamtabwägung aller Parameter entschieden.“  Zuletzt hatte der Landkreis Coesfeld nach einem Corona-Großausbruch unter osteuropäischen Werkvertragsarbeitern eines Großschlachtbetriebs die zum 11. Mai in NRW eingeführten Corona-Lockerungen um eine Woche verschoben. (reb.)

          Rheinland-Pfalz

          In Rheinland-Pfalz, das bisher vergleichsweise wenig von Infektionen betroffen ist, greift die Landesregierung in der Corona-Krise für Lockerungen wie Beschränkungen auf das Konzept von „Stufenplänen“ zurück. Für die Lockerungen gibt es einen „Vierstufenplan“. Derzeit gilt Stufe eins. Ab Ende Mai, mit dem Beginn der zweiten Stufe, öffnen dann Freibäder, Theater und Fitnessstudios. Über die beiden nachfolgenden Stufen wurden noch keine Details bekannt.

          Sollte sich das Infektionsgeschehen wieder zuspitzen, gibt es hierfür einen „Drei-Stufen-Plan“. Der soll dazu dienen, „rechtzeitig gegenzusteuern“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Kommt es zu mehr als 50 Neuinfektionen pro Woche pro 100.000 Einwohner in einem Kreis oder in einer kreisfreien Stadt, dann können demnach die Beschränkungen zunächst sehr begrenzt ausfallen, etwa nur in Bezug auf eine betroffene Einrichtung (Stufe eins). Bei einem regionalen Ausbruch, der nicht klar eingrenzbar ist, werden wieder breitere Beschränkungen eingeführt und über mindestens sieben Tage aufrechterhalten (Stufe zwei). In besonders betroffenen Gebieten und wenn sich die Infektionsketten nicht mehr zurückverfolgen lassen, kann es auch Beschränkungen der Mobilität geben (Stufe drei). Bisher aber ist das Land weit davon entfernt: Am Dienstag wiesen mehrere Kreise und Städte eine Inzidenz von null aus, der höchste Wert betrug 16 (Landkreis Ahrweiler). (jib.)

          Saarland

          Das Saarland mit seiner knappen Million Einwohner war in einigen Teilen recht früh von hohen Infektionszahlen betroffen – vor allem in der Landeshauptstadt Saarbrücken und ihrer Umgebung. Dort lag Anfang April die Zahl neuer Infektionen binnen einer Woche bei über 115 auf 100.000 Einwohnern. Seitdem sind die Zahlen in allen Kreisen aber deutlich gesunken. Derzeit gibt es nach Auskunft der Staatskanzlei täglich nur noch bis zu drei Neuinfektionen im Saarland.

          Steigt die Anzahl der Neuinfektionen in einem Landkreis oder im Regionalverband Saarbrücken innerhalb von sieben Tagen auf mehr als 50 pro 100.000 Einwohner, dann kann die Landesregierung nach Auskunft eines Sprechers „im Benehmen mit den jeweils betroffenen Kreispolizeibehörden durch Verordnung die notwendigen Schutzmaßnahmen für einen bestimmten räumlichen und zeitlichen Geltungsbereich erlassen“. Eine Absenkung des Grenzwertes ist derzeit nicht geplant. (jib.)

          Sachsen

          In Sachsen soll geregelt werden, wie sich ein Landkreis jeweils beim Erreichen der Marke von 35 und von 50 Neuinfizierten je 100.000 Einwohner in sieben Tagen verhält. Nach Auskunft des Sozialministeriums werde das detaillierte Konzept inklusive der aus der Zahl der Neuinfektionen jeweils abzuleitenden Maßnahmen zurzeit mit den Landkreisen und kreisfreien Städten abgestimmt. Seit Beginn der Lockerungen waren in keinem der sächsischen Landkreise mehr als 35 Neuinfizierte je 100.000 Einwohnern zu verzeichnen. (lock.)

          Sachsen-Anhalt

          In Sachsen-Anhalt sieht man keinen Anlass, einen Grenzwert zu definieren. „35 Fälle je 100 000 Einwohner? Wir hatten heute einen Fall im ganzen Land, gestern zwei und vorgestern keinen!“, erklärt der Regierungssprecher auf Anfrage der F.A.Z. „Wir würden auch nicht bei fünfzig Fällen je 100 000 Einwohnern aktiv werden, sondern bereits bei fünf.“ Auch davon ist das ostdeutschen Bundesland weit entfernt.

          Ein starrer Grenzwert wäre für Sachsen-Anhalt aber auch problematisch, wenn es dort mehr Infektionsfälle gäbe. Die einzelnen Landkreise sind dort teils so groß wie das gesamte Saarland. Es wäre kaum zu rechtfertigen, wegen vermehrter Fallzahlen an einem Ende einer Region scharfe Beschränkungen für den gesamten Landkreis zu erlassen. (bin.)

          Schleswig-Holstein

          Deutschlands nördlichstes Bundesland hält sich an die bundesweit geltende Regelung von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner pro Woche. Sobald der Wert überschritten wird, soll ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt werden. Ausgenommen von der Regelung sind punktuelle, klar eingrenzbare Infektionsherde.

          Ähnlich wie in anderen Bundesländern soll auch in Schleswig-Holstein schon früher die regionale Gesamtentwicklung in den Blick genommen werden. Dem Kieler Gesundheitsministerium zufolge geschieht das spätestens, sobald die Grenze von 30 Neuinfektionen überschritten wird. „Hier beginnen dann konkrete Abstimmungen mit den Landräten/ Oberbürgermeistern der Kreise/kreisfreien Städte über zu ergreifende Maßnahmen“, so das Gesundheitsministerium auf Anfrage. (lohe.)

          Thüringen

          Der Freistaat Thüringen bleibt grundsätzlich bei der Obergrenze von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Allerdings schlägt ein internes Frühwarnsystem schon ab 35 Neuinfektionen Alarm. Ab diesem Wert würden zwar noch keine Maßnahmen ergriffen, die Behörden sollten aber „hellhörig und wachsam“ werden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Zudem trete die Corona-Arbeitsgruppe des Ministeriums mit den betroffenen Landkreisen, die letztlich über die Maßnahmen entscheiden, in Kontakt und bewerte, ob diese ausreichend seien.

          In der vergangenen Woche hatte Thüringens Gesundheitsministerin in den von der Pandemie stark betroffenen Kreisen Greiz und Sonneberg angeordnet, die Innenbereiche von Restaurants und Gaststätten weiter geschlossen zu lassen und lediglich erlaubt, die Außenbereiche zu öffnen. Seit Dienstag liegen alle thüringischen Landkreise unter der kritischen Marke von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Lediglich Greiz meldete in dieser Zeit noch über 35 Neuinfektionen. (lock.)

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