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Kiel zieht Absage zurück : Wie geht es weiter beim Abitur?

Ein Plakat vor der Frankfurter Musterschule Bild: dpa

Alle Länder werden nach jetzigem Stand trotz der Corona-Krise Abiturprüfungen abhalten – wenn das für Lehrer und Schüler zum Prüfungszeitpunkt nicht gesundheitsgefährdend ist. Worauf müssen sich Schüler gefasst machen?

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          Bei der Festlegung der Abiturprüfungen während der Corona-Krise schienen die Kultusminister der Länder wieder einmal bemüht, den Eindruck größtmöglicher Uneinheitlichkeit zu erwecken. Spätestens seit dem Vorstoß Schleswig-Holsteins, die Abiturprüfungen ganz abzusagen, während hessische Abiturienten über ihren Klausuren schwitzten, machte das Wort von den Totengräbern des Bildungsföderalismus bei den Kritikern der Kultusministerkonferenz (KMK) die Runde.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Denn ein einheitliches Vorgehen der Länder bei den Abschlussprüfungen (betroffen sind auch Hauptschulabschluss und mittlerer Schulabschluss) schien nach dem Alleingang aus dem Norden ausgeschlossen. In einer eilends einberufenen telefonischen Schaltkonferenz, in der alle Kultusminister der unionsregierten und der sozialdemokratisch regierten Länder ihrer Kieler Parteikollegin Karin Prien (CDU) ins Gewissen redeten, von der Absage aller Prüfungen abzulassen, wurde unter dem Druck der öffentlichen Kritik doch noch eine einheitliche Lösung erzielt. Alles andere wäre den Schülern aus Rheinland-Pfalz und Hessen gegenüber auch mehr als ungerecht gewesen.

          Alle werden Prüfungen abhalten

          Alle Länder werden nach dem jetzigen Stand Prüfungen abhalten. „Die Länder stimmen sich eng in der KMK über das weitere Vorgehen ab“, heißt es in dem Beschluss. Es finden also alle Prüfungen zum geplanten oder zu einem Nachholtermin bis zum Ende des Schuljahrs statt, „soweit dies aus Infektionsschutzgründen zulässig ist“. Die Schüler brauchten genügend Zeit für die Vorbereitung, und „sie werden keine Nachteile aus der jetzigen Ausnahmesituation haben“. Da es in den Schulen derzeit so ruhig und so weiträumig sei wie selten, können die „Prüfungen auch in geschlossenen Schulen stattfinden, sofern es keine entgegenstehenden Landesregelungen gibt“, so lautet die gemeinsame Linie der KMK.

          Auf zentrale Elemente aus dem Abituraufgabenpool können die Länder in diesem Ausnahmejahr verzichten. Der Schaden hält sich in Grenzen, denn es gab schon jetzt Länder, die gar keine Aufgaben aus dem Pool entnahmen und nur die landeseigenen wählten. Die Präsidentin der KMK, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), war erleichtert über die Kehrtwende und freute sich, dass die Länder sich in einer so schwierigen Situation „auf einen gemeinsamen Beschluss geeinigt haben“. Es sei für die Schüler enorm wichtig, nun Planungssicherheit zu haben. „Gleichzeitig steht ihre Gesundheit für uns an erster Stelle“, so Hubig.

          Rechtzeitig zum Studienbeginn?

          Die Länder haben auch den Beschluss noch einmal bekräftigt, im Rahmen des gemeinsamen Vorgehens die Abschlüsse des Schuljahrs 2019/20 gegenseitig anzuerkennen. Alle Länder werden zudem bemüht sein, die Termine so zu legen, dass die Abiturienten dieses Jahres sich noch rechtzeitig um Studienplätze bewerben können. Dafür werden die Wissenschaftsminister an diesem Donnerstag sorgen, wenn sie Korridore für Bewerbungsfristen erweitern.

          Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), die alle unionsregierten Länder koordiniert, sagte, der Beschluss zeige, „dass wir Länder in der Lage sind, im Sinne eines kooperativen Föderalismus uns auf abgestimmte und geregelte Verfahren zu einigen“. Eisenmann zeigte sich erleichtert, dass auch Schleswig-Holstein von seinen bisherigen Plänen abgewichen ist. „Wir haben uns darauf verständigt, dass Stand heute eine komplette Absage der Abiturprüfungen bundesweit nicht in Frage kommt. Die schriftlichen Abiturprüfungen werden grundsätzlich stattfinden, und alle Länder halten an ihren Terminsetzungen fest.“

          Das gilt natürlich nur dann, wenn sich die Pandemie nicht so dramatisch entwickelt, dass die Einhaltung der Prüfungstermine für Lehrer wie Schüler gesundheitsgefährdend wäre. Die Abiturienten in Rheinland-Pfalz und Hessen können deshalb froh sein, dass sie die Prüfungen hinter sich haben, während Abiturienten in anderen Ländern bis Ende April oder Mai warten müssen.

          Die nordrhein-westfälische Kultusministerin Yvonne Gebauer (FDP) will am Freitag den Zeitplan ihres Landes für alle Abschlussprüfungen, auch die zentralen Prüfungen der zehnten Klasse oder die Prüfungen zur Fachhochschulreife an Berufskollegs, vorstellen. „Entscheidend ist, dass dieser Jahrgang sich darauf verlassen kann, dass ihm keine Nachteile entstehen“, versicherte Gebauer. Zuvor hatten nahezu alle Verbände an die KMK appelliert, eine möglichst einheitliche Regelung zu finden und Prüfungen abzuhalten.

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